Verborgene Schätze im Gotteshaus

Hermsdorfer Kirchbauverein hofft auf europäische Fördergelder

Hermsdorf. Das Gotteshaus in der Ruhlander Gemeinde sieht seit der Renovierung 2012 wieder top aus – von außen. Innen bröckelt es an vielen Stellen. Und ein Schatz schlummert hinter alter Farbe. Von Jan Augustin

Reinhard Noack und sein Kirchbauverein bringen das Hermsdorfer Gotteshaus auf Vordermann. Der Vorsitzende hofft jetzt auf neue Fördergelder und lädt am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals ein.
FOTO: LR / Jan Augustin
 
Bei Untersuchungen sind Heiligenbilder aus dem Mittelalter unter der Farbe gefunden worden.
FOTO: LR / Jan Augustin

Wenn die Sonne auf die Hermsdorfer Kirche fällt, blendet die noch frische gelbe Fassadenfarbe in den Augen. Auch das Dach mit seinen roten Ziegeln scheint in einem einwandfreien Zustand zu sein. In altem Glanz strahlt das Gotteshaus seit 2012. Mit viel Geld war damals auch der von vielen Hermsdorfern ersehnte Kirchturm wieder aufgebaut worden. Stolz ragt er mit seiner Wetterfahne in den Himmel. 384 000 Euro sind damals in die Sanierung gesteckt worden, erläutert der Vorsitzende des Kirchbauvereins Reinhard Noack. Der größte Teil stammte aus dem europäischen Leader-Fördermitteltopf. Aber auch ein Eigenanteil der Kirche und Spenden von insgesamt rund 130 000 Euro sind damals in das Projekt geflossen. „Draußen ist alles okay. Es muss aber auch innen etwas passieren“, sagt der 69-Jährige.

Denn so schön das Gebäude von außen auch aussieht – im Innern bröckelt es. Freigelegte Mauerteile, Farbe, die aus Geldmangel in grauen Vorzeiten an die Wände gestrichen wurde, Risse an der Decke oder die an vielen Stellen fehlende Beleuchtung zeugen davon. Reinhard Noack und sein Verein, der seit 2008 immerhin schon 54 000 Euro an Spenden eingesammelt hat, tragen den Renovierungswunsch schon seit Langem in sich. Nun soll er endlich umgesetzt werden. Ohne Fördergelder ist das aber nicht möglich. Zweimal hat Reinhard Noack schon Anlauf für eine weitere Leader-Förderung genommen – und jeweils einen Korb bekommen. Bei der nächsten Förderrunde im November soll es aber klappen. „Alle guten Dinge sind drei“, hofft der Katholik dann auf einen positiven Bescheid für die Evangelische Kirche.

Insgesamt werden rund 200 000 Euro benötigt. Das ist die Kostenschätzung nach einer Untersuchung durch einen Gutachter. Der Eigenanteil von rund 50 000 Euro ist gesichert, erklärt der Vereinsvorsitzende. Neben neuem Putz, Farbe und Licht sollen in diesem Zuge auch die unbequemen Holzbänke für eine bessere Sitzposition leicht angeschrägt, weiter auseinandergestellt und mit elektrischer Heizung ausgestattet werden.

Doch selbst wenn der Kirchbauverein dieses Mal grünes Licht bekommen sollte, ist das geplante Budget zu klein, um einen in der Wand der ersten Empore verborgenen Schatz zu heben. Der Gutachter hatte bei seiner Analyse unter einer Farbschicht mehrere Heiligenbilder aus dem Mittelalter entdeckt. An zwei Stellen hat er sie sichtbar gemacht. Reinhard Noack würde sie gern komplett freilegen lassen – doch fehlt ihm schlichtweg das Geld dafür. Ein Quadratmeter dieser aufwendigen Handwerkskunst soll etwa 10 000 Euro kosten. Zu teuer. Nun sollen die Bilder konserviert werden. Der Nachwelt bleiben sie so wenigstens erhalten – wenn auch verborgen.

LR ONLINE vom 05. September 2018

   Zur Artikelübersicht