Zitz

Vogelnest im durchlöcherten Turmknopf

Keine Münzen, keine Dokumente: Enttäuschung beim Abbau der Zitzer Turmbekrönung. Die Vorfahren haben ihren Urenkeln nichts hinterlassen. Dafür beginnt endlich die Sanierung des Turms.

Dachdecker Florian Krause von der Roßdorfer Firma Heine befestigt neue Schieferplatten an der Kirchturmhaube.
Quelle: JACQUELINE STEINER
 
Die Kirchenältesten Ulrike Schlieper (l.) und Giesela Buchholz mit Pfarrer Holger Zschömitzsch in der Zitzer Kirche.
Quelle: JACQUELINE STEINER
 
Der Turm der Zitzer Kirche ist eingerüstet.
Quelle: JACQUELINE STEINER

Zitz Bevor Altbischof Wolfgang Huber an diesem Sonntag eine Festpredigt in der Zitzer Kirche hält, wird er durch ein Baugerüst gehen. Die sich in die Höhe schraubenden Metallstangen sind ein Zeichen der Hoffnung für den Erhalt des barocken Gotteshauses, das lange auf die Sanierung seines Turms warten musste. Jetzt ist es endlich so weit. Rund 190 000 Euro bringen zusammen das Landesamt für Denkmalpflege und die Evangelische Kirche für den 1. Bauabschnitt der Kirchensanierung auf. Außenarbeiten am Schiff und der Apsis sollen später folgen.



Im Barockstil umgebaut

Die heutige Zitzer Kirche entstand 1750 im Stil des Barocks im Rahmen einer großzügigen Umgestaltung. Ursprünglich war das Gotteshaus ein spätromanischer Feldstein-Saalbau mit eingezogenem Chor. Die heutige Ausmalung erfolgte Anfang des 20. Jahrhunderts.
Eine neue Bronzeglocke bekam die Kirche 2003 als Ersatz für die 1921 eingebaute Stahlglocke, deren Ausmaße zu groß für den Glockenstuhl waren. Die Original-Bronzeglocke aus dem 12. Jahrhundert wurde im 1. Weltkrieg eingeschmolzen.
Der “Bethge-Tag“ an diesem Sonntag beginnt bereits ab 9.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus mit Gesprächen, die um 11 Uhr in ein Forum münden. Der Festgottesdienst mit Altbischof Wolfgang Huber beginnt um 14 Uhr in der Kirche.


Im Kern geht es bei der laufenden Sanierung unter Leitung des Architektenbüros Fleege + Oeser um eine neue Dacheindeckung des Turms und eine Rekonstruktion der maroden Fassade. „Ziel ist es, die Arbeiten bis zum Jahresende fertigzustellen“, kündigte Gemeinderatsvorsitzende Ulrike Schlieper an. Die Maßnahme war überfällig. Herabfallende Putzbrocken wurden bereits zu einer Gefahr für die Gottesdienst- und Friedhofsbesucher. Deshalb brachten der Kirchenkreis Elbe-Havel und das Evangelische Kirchspiel Zitz 92 000 Euro auf. Etwas mehr als die andere Hälfte steuerte das Landesamt für Denkmalpflege bei.

Zunächst wurde die Turmbekrönung abgenommen. „Bis auf ein Vogelnest war der Turmknopf leer“, bedauerte Kirchenälteste Schlieper. Die von Einschüssen durchlöcherte Kugel muss genauso restauriert werden wie die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1783. Was dann die Dachdecker der Firma Heine aus Roßdorf entdeckten, war so nicht geplant. Mehrere Balken der Kirchturmhaube erwiesen sich nicht mehr als standfest und mussten ausgewechselt werden. Zimmerer der Firma Holzbau Timpe aus Lütte sprangen ein, um marodes Holz auszuwechseln. Die Haube selbst wird gerade mit neuen Schieferschindeln eingedeckt.

Turm wird neu verputzt

In enger Abstimmung mit den Denkmalpflegern wird anschließend der Turm neu verputzt. „Über die Ausführung ist im Detail noch nicht entschieden. Weil es über die Zeiten immer wieder mal notdürftige Reparaturen gab, liegen unterschiedliche Putzreste vor, die noch genauer zu untersuchen sind“, sagte Pfarrer Holger Zschömitzsch. Für ihn ist der Baustart ein freudiges Ereignis, das auf den gesamten Pfarrbereich Wusterwitz ausstrahlt. Was die Zitzer Kirche unbedingt braucht, ist eine neue Orgel. Das eingebaute Instrument ist unbespielbar und erklang letztmalig 1970. Die Original-Orgel soll aber auf ihrem Platz auf der Empore verbleiben. Möglicherweise gelingt die kostengünstige Beschaffung einer frei aufstellbaren Orgel nach Wusterwitzer Vorbild.

Einige Sanierungsarbeiten gab es bereits in der Vergangenheit, denn der Turm war schon lange ein Sorgenkind. Eine Notreparatur erfolgte 2003 zum 1030-jährigen Dorfjubiläum. Maurer setzten das Gesims instand, Zimmerer verstrebten den Glockenstuhl. Eine Bronzeglocke ersetzte die übergroße Stahlglocke aus dem Jahr 1921, deren Schwingungen Ursache für die Risse im Mauerwerk gewesen sein sollen. Erst 2017 wurden die bleiverglasten Fenster in der Apsis mit finanzieller Hilfe der kreislichen Denkmalbehörde erneuert.

Spuren hinterlassen

Die Turmsanierung ist allerdings nicht der Grund für den prominenten Besuch an diesem Sonntag. Altbischof Huber folgt einer Einladung nach Zitz zum bislang jährlich stattfindenden „Bethge-Tag“. Der am 28. August 1909 geborene Eberhard Bethge verbrachte seine Kindheit in Zitz, wo er auch konfirmiert wurde. Als Schüler, Freund und Biograph von Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) sowie als Theologe hat er überregional wertvolle Spuren hinterlassen. Höhepunkt des Tages ist der um 14 Uhr beginnende Festgottesdienst. Der Regionalchor unter Leitung von Thorsten Fabrizi wird die Veranstaltung musikalisch begleiten, bevor im Dorfgemeinschaftshaus zur gemeinsamen Kaffeetafel eingeladen wird.

Von Frank Bürstenbinder

Märkische Allgemeine vom 22. August 2018

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