Nennhausen

Eine Kirche mit Geschichte

In der Nennhausener Kirche haben Geschlechter mit klangvollen Namen ihre Spuren hinterlassen. Besucher interessieren sich besonders für einen prunkvollen Epitaph und den Degen des Dichters Fouqué.

Die ältesten Teile der Nennhausener Kirche reichen ins 15. Jahrhundert zurück.
Quelle: Markus Kniebeler
 
Blick von der Empore in den Innenraum der Kirche.
Quelle: Markus Kniebeler

Nennhausen Wenn man die Wappen der Patronatsfamilien an der Empore der Nennhausener Kirche betrachtet, dann stößt man auf jene Namen, die über Jahrhunderte die Geschicke in der Region bestimmt haben: Von Lochow, von Briest, von Rochow, von Jaeckel und von Bredow. Neben den Familienwappen findet man in der Kirche noch etliche andere Spuren, die von diesen märkischen Geschlechtern mit den klangvollen Namen hinterlassen wurden.

Epitaph aus Marmor und Alabaster

Der prunkvolle Epitaph aus Marmor und Alabaster an der Südwand etwa erinnert an den im Jahr 1612 verstorbenen Georg von Lochow und seine Frau. Das viel schlichtere Wanddenkmal aus Sandstein daneben ist Theodor Heinrich Rochus von Rochow gewidmet, der königlich preußischer Gesandter in Petersburg war und im Jahr 1854 verstarb. Und ohne das Engagement August von Briests hätte das schmucke Kirchlein nicht seine heutige Gestalt. Im Jahr 1783 ließ von Briest das Gotteshaus renovieren. Im Zuge dieser Arbeiten wurde der Westturm, der im Jahr 1614 nach einem Blitzschlag abgebrannt war, wieder aufgebaut.

Wie viele märkische Kirchen ist auch das Nennhausener Gebäude ein Epochenmix. Die ältesten Teile des Feldsteinbaus – Reste einer Fachwerkwand und Teile des gestampften Lehmbodens – stammen von dem im 15. Jahrhundert errichteten Vorgängerbau. Im Jahr 1613 wurde ein neuer Ostgiebel errichtet. Ungefähr zu dieser Zeit entstand der Gruftanbau an der Nordseite. 1890 wurde darüber eine Patronatsloge installiert, von der die Herrschenden – ungestört vom einfachen Volk – den Gottesdienst verfolgen konnten.

Gemeinderaum in Patronatsloge

Pfarrer Stefan Huth vor der Kirchentür.
Quelle: Markus Kniebeler

Diese Loge dient der Kirchengemeinde heute als Gemeinderaum. Hier kommen die Mitglieder des Gemeindekirchenrats regelmäßig zusammen, um über Gemeindeangelegenheiten zu beraten. Und hier treffen sich die Mitglieder des Kirchenchores und des Posaunenchores zum Proben.

Diese Aktivitäten sind der Beweis dafür, dass die Kirche noch weit davon entfernt ist, zum Beobachtungsobjekt für geschichts- und kulturinteressierte Besucher zu verkümmern. Auch wenn die Zahl der praktizierenden Christen mit jener früherer Zeiten vielleicht nicht mehr verglichen werden kann: Die Kirche wird noch für jene Zwecke genutzt, für die sie einst errichtet wurde.

Regelmäßig finden Gottesdienste statt, es gibt Hochzeiten und Beerdigungen, und zu besonderen Anlässen wird musiziert. Die Adventskonzerte sind fester Bestandteil im Veranstaltungskalender. Im vergangenen Jahr gastierten die Havelländischen Musikfestspiele erstmals in den ehrwürdigen Gemäuern. Und auch in diesem Frühjahr, am 25. Mai, füllten betörende Klänge den Innenraum, als die Harfenistin Camilla Pinder im Rahmen des Dorfkirchensommers eine Probe ihres Könnens gab.

Pfarrer Stefan Huth, seit 2012 im Amt, der neben Nennhausen neun weitere Dörfer der Evangelischen Reformationsgemeinde Westhavelland betreut, hat von seinem Arbeitsplatz im Pfarramt Nennhausen die Kirche immer im Blick. Und sieht, dass der bauliche Zustand der Kirche eigentlich noch ganz in Ordnung ist – im Gegensatz zu vielen märkischen Dorfkirchen, die akut vom Verfall bedroht waren oder es immer noch sind.

„Natürlich gibt es immer etwa zu tun“, sagt Huth. „Da muss gemalert werden, dort ist der Putz auszubessern und auch an den Bauteilen aus Holz ist immer etwas zu reparieren.“ Aber von der Grundsubstanz her sei die Kirche stabil. Dach dicht, Fundamente in Ordnung, und warm wird’s im Winter auch: Die alte Ölheizung wurde im vergangenen Jahr durch eine Gasheizung ersetzt. Kein Grund zu klagen also. Aber das hat ja auch niemand getan.

Von Markus Kniebeler

Märkische Allgemeine vom 07. August 2018

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