NACH 280 JAHREN WIRD DAS RüDNITZER GOTTESHAUS GRUNDLEGEND SANIERT / PROJEKT MIT VIELEN UNTERSTüTZERN

Baugeschichte

Dorfkirche unter neuem Dach

Olav Schröder

Rüdnitz (MOZ) Ein weiteres Gotteshaus im Barnim steht vor dem Abschluss seiner denkmalgerechten Sanierung. 2015 begann die Instandsetzung der Dorfkirche in Rüdnitz. Die Außenarbeiten sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. 2019 folgen dann noch Restarbeiten im Innenraum.

An der Nahtstelle: Pfarrer Christoph Brust weist auf die neu angesetzten Balkenköpfe. Dies Sanierung der Kirche umfasst die Holzkonstruktion, den Dachstuhl, das Dach und die Fassade.
© Foto: Sergej Scheibe
 
Die Südfassade: Zwischen den Fenstern zeichnet sich das quadratischer Muster der ursprünglich eingeschlemmten Feldsteine noch ab.
© Foto: Sergej Scheibe
 
Farbschichten: Unter der Kirchendecke im Innenraum sind Reste der früheren Muster noch erhalten.
© Foto: Sergej Scheibe

Nach der Instandsetzung des Turms (2015/16) folgte 2017 die des Hauptschiffs (2017). Jetzt ist die Restaurierung des Chores, also des Altarraumes, an der Reihe. Die bautechnischen Probleme ähnelten sich. „Um 1738 ist die Kirche zuletzt aufwendig instandgesetzt worden“, sagt Pfarrer Christoph Brust. „Seitdem hat sich viel angestaut.“ Probleme bereitete vor allem die Dachkonstruktion. Dort, wo die Balken auf den Schwellen des Mauerwerks aufliegen, waren sie bereits erheblich geschädigt. Zum Teil hatte der Schwamm, ein Pilz, das Holz befallen. Das bedeutete, dass die Balkenköpfe abgeschnitten und neue Holzstücke angesetzt werden mussten. Die alten unversehrten Balken, die durch das Kirchenschiff ragen und auch nach der Restaurierung an der Decke zu sehen sind, bleiben erhalten. Um diese Arbeiten auszuführen, musste die Dachkonstruktion abgestützt werden.

Mit der Sanierung wird auch eine dendrochronologische Altersbestimmung der Balken vorgenommen. Das Ergebnis liegt noch nicht vor. Von großem Interesse sind auch die Reste, die noch von der Bemalung der Kirchenwände übrig geblieben sind. Sie werden in Abstimmung mit dem Denkmalschutz analysiert und dokumentiert, allerdings nicht wiederhergestellt. Insgesamt wird der Kircheninneraum nach der Sanierung heller ausfallen als bisher, so wie es sich die rund 190 Mitglieder zählende Kirchengemeinde auch gewünscht hatten. Ein neuer Fußboden wird verlegt, so dass es die bunte Mischung mit heutigen Steinen nicht mehr geben wird. Die historischen Steine werden jedoch aufgehoben.

Von großer Bedeutung sind für die Fachleute auch die Außenwände. Ursprünglich waren die Feldsteine einmal putzähnlich eingeschlemmt worden, vermutlich auch farblich gestrichen, berichtet Pfarrer Brust. An der südlichen Fassadenseite ist das Quadermuster, das die verschlemmten Fugen bilden, teilweise sehr gut erhalten. Die Gitter vor den Kirchenfenstern werden wieder entfernt. Sie waren zu DDR-Zeiten von der Kirche angebracht worden, um die Fenster vor dem Einwerfen zu schützen.

Bauherr ist die Rüdnitzer Kirchengemeinde. „Eine Kirche ist ein Gebäude für alle Menschen, auch ffür Nicht-Gläubige“, sagt Pfarrer Brust. Deshalb freut er sich, dass sich viele für die Instandsetzung engagieren wie der Förderverein und viele Spender. Und ohne die Unterstützung von Land, Landkreis, Landeskirche und Kirchenkreis wären die rund 670 000 Euro Baukosten auch nicht aufzubringen.

„Die Instandsetzung erfolgt in traditioneller Handwerksarbeit“, sagt Pfarrer Brust. Auf Denkmalpflege und Kirchenbauten spezialisierte Firmen wie Zimmerer Timpe aus Bad Belzig, Maurer Huhnholz aus Angermünde und Dachdecker Klein aus Eberswalde führen sie aus. Nach Biesenthal und Danewitz ist es bereits die dritte Kirchen-Sanierung, die Brust mit Bettina Krassuski vom Planungsbüro ALV durchführt,die vierte, in Lanke, wird geplant.

Da es an jahrhundertealten Gotteshäusern immer etwas zu tun gibt, gehen Pfarrer Brust auch noch andere Gedanken durch den Kopf: „Es wäre ein Traum, wenn die zwei fehlenden Glocken für die Rüdnitzer Kirche nachgegossen werden könnten oder Danewitz wieder eine Kirchturmspitze bekommt.“

MOZ.de vom 06. August 2018

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