Sanierung

Beauty-Kur fürs Gotteshaus

Marco Winkler

Velten (MOZ) Für 25 000 Euro wird derzeit der Innenbereich der Veltener Kirche saniert. Ende des Jahres sollen die zum Großteil mit Spenden finanzierten Arbeiten laut Pfarrer Markus Schütte abgeschlossen sein.

Kirche Velten Innensanierung Markus Schütter
© Foto: Marco Winkler
 
Reservierung: Spender der Bänke ließen sich Ende des 19. Jahrhunderts auf ihnen verewigen – und sicherten sich so ihre Plätze.
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Führte durch die Baustelle in der Kirche: Pfarrer Markus Schütte.
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Buntglasfenster: Die milchigen alten Fenster, die kaum Licht in die Kirche ließen, wurden ersetzt.
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Schon jetzt ist die Veränderungen auf den ersten Blick sichtbar. „Vergraute Wände gibt es nicht mehr“, so Schütte. Das Gelb des Innenbereichs sei einem zarten Rosaton gewichen, erklärt Schütte das Farbkonzept. Nur an einigen Stellen ist noch die alte Farbe zu sehen – samt schwarzen Schlieren. „Man muss klar sagen, dass hier die Heizung schuld ist.“ Die wirbelte im Winter, wenn sie auf Hochtouren lief, Staub auf, der sich an den Wänden festsetzte.

Das 1750 als Dorfkirche erbaute Gotteshaus sei zwar nicht von Baumängeln betroffen, aber seit Jahren renovierungsbedürftig, so Schütte. Mehrfach wurde die Kirche umgebaut. 1884 – als sich infolge der Industrialisierung Velten von einem Dorf zur Kleinstadt entwickelte – kam der neue Fußboden rein. Aus der Zeit stammen die Namen an den Kirchenbänken. Sie stehen für Gönner, die die Sitzgelegenheiten finanzierten. Auf einigen steht: Freistuhl. „Hier konnte sich offenbar jeder hinsetzen, die anderen war für die Familien der Spender reserviert.“ 20 dieser Bänke gibt es. Auch sie wurden aufwendig restauriert.

Nicht ganz so arbeits- und zeitintensiv sei die neue Verglasung gewesen. „Ende 1944 wurde eine Notverglasung eingesetzt“, so Schütte. Grund waren die in Bahnhofsnähe eingeschlagenen Bomben. „Die Druckwelle zerstörte die Fenster der Kirche.“ Noch heute sieht man an einigen Stellen die milchige Notverglasung. Das neue Glas ist transparent, so dass mehr Licht ins Gotteshaus fällt. Der Eingang bleibt wegen der tief ins Kirchenschiff ragenden Mittelempore aber recht dunkel. „Schon 1955, als es wesentliche Umbauarbeiten in der Kirche gab, war das Anlass für Kritik.“ Doch bautechnisch sei alles in bestem Zustand. Wenn auch schlicht. „Das einfach große Kreuz hinter dem Altar ist der Formsprache der 1950er-Jahre geschuldet.“ Schütte sieht ein kleines ästhetisches Problem: „Es gibt einen Bruch mit Materialien. Der Altar ist aus Terrakotta-Steinen. Sie wurden damals extra aus dem Harz hierher transportiert. Aber sie sind nicht wirklich Velten-typisch. Der Altar ist fast ein Fremdkörper im Kirchenschiff.“

Sich eingliedern sollen sich auch die geplanten Ausstellungen. Die Anschlüsse für die Galerielampen sind gelegt. „Wir wollen die Kirche im Sommerhalbjahr an den Wochenenden öffnen.“ Bisher blieben die Türen geschlossen. Ehrenamtliche würden den Schlüsseldienst übernehmen. Zum Sommerfest am 1. Juli wird zur erste Vernissage geladen. Wer ausstellt, verrät Schütte noch nicht. Er wünscht sich Kunst in die Kirche, will aber auch einen politischen Diskurs einschlagen. Seine Vorstellung: Mit wechselnden Ausstellungen, dem Kommunikationszentrum sowie dem Ofenmuseum einen Dreiklang entlang der Viktoriastraße schaffen, der Besucher lockt. „Wir sind von der Idee sehr angetan“, sagt Stadtsprecherin Ivonne Pelz. Es soll in der kommenden Woche Arbeitsgespräche mit allen Partnern geben, „wie die Idee mit Leben gefüllt werden kann.“

Wegen der Bauarbeiten im Innenbereich wird der Gottesdienst an den kommenden drei Sonntagen im Gemeindehaus stattfinden. Sämtliche Arbeiten – Kosten: 25 000 Euro – sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen sein. „Die Eigenmittel zusammen zu bekommen, war für eine kleine Gemeinde mit 1 400 Mitgliedern ein Riesenaufwand.“ Gefördert wurde das Vorhaben nicht, da es sich lediglich um eine optische Aufwertung handelt.

WARUM IN DER STADT EINE DORFKIRCHE STEHT


MOZ.de vom 08. Juni 2018

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