Treuenbrietzen / Lühsdorf

Lühsdorfer wollen ihre Kirche retten

25 Lühsdorfer haben sich zu einem Förderkreis zusammen geschlossen, um ihren Ortskern aufzumöbeln. Allen voran die 1901 erbaute Lühsdorfer Kirche, die etwas ganz Besonderes ist.

Ralf Gärtner, Iris Richter und Helmut Herbert (v.l.) gründeten kurzerhand einen Förderkreis, um ihre Kirche zu sanieren.
Quelle: Josefine Kühnel

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Lühsdorf Helmut Herbert (63), Iris Richter (50) und Ralf Gärtner (58) wirken ein wenig wie eine jugendliche Clique, während sie in der alten Lühsdorfer Kirche sitzen und gemeinsam Sanierungspläne schmieden.

Schelmische Erinnerungen

Kein Wunder, denn bis auf Helmut Herbert sind sie alle vor Ort aufgewachsen und erinnern sich noch ganz genau an die Dummheiten, die sie in und um die Kirche verzapft haben:

„Damals haben wir jungen Stifte die Glocke noch von Hand geläutet. Natürlich sind wir an den Seilen dann auch hochgeklettert und an den Wänden herumgesprungen, was man eben so macht“, erinnert sich Ralf Gärtner wehmütig.

Förderkreis Wir in Lühsdorf gegründet

Um ihren Kindern und Enkeln Erinnerungen wie diese schenken zu können, haben sie kürzlich den Förderkreis „Wir in Lühsdorf“ zum Erhalt der Lühsdorfer Kirche gegründet.

Das Dreiergespann bildet den Kopf des neuen Förderkreises. Iris Richter ist Vorsitzende, Ralf Gärtner stellvertretender Vorsitzender und Helmut Herbert Schatzmeister. Hinzu kommen 22 weitere Ehrenamtler, die sich für ihr Dorf einsetzen wollen.

Besondere Wandmalereien und epochale Buntgläser

Und warum ist die Kirche so erhaltenswert? „Etwas ganz Besonderes sind die Wandmalereien und die epochalen Buntgläser hinter dem Altar“, sagt Helmut Herbert.

Sie seien noch erstaunlich gut erhalten. „Auf der Wetterseite sind allerdings schon stärkere Verblassungen als auf der anderen Seite zu sehen“, sagt er. Für die geplante Rekonstruktion ließen die Lühsdorfer bereits vor einigen Jahren ein fotodokumentarisches Gutachten der Wandmalereien erstellen.

Günter Hermann war Vorreiter

Einer, der bereits viel Herzblut in den Wiederaufbau der Kirche gesteckt hat, ist Günter Hermann. „Er ist auch ein gebürtiger Lühsdorfer gewesen, aber die Liebe hat ihn nach Werder an der Havel verschlagen“, plaudert Ralf Gärtner aus dem Nähkästchen.

Günter Hermann ließ die Bänke von Schädlingen befreien und restaurierte sie anschließend.

Außerdem gestaltete und errichtete er eine Gedenktafel an den ersten Weltkrieg, baute eine Automatik in die Kirchenglocke ein und führte Putz-und Malerarbeiten durch.

Auch die Fenster und die Zwischendecke der alten Kirche sind Ende der 90er Jahre erneuert worden.



Kosten für die Kirchensanierung

Helmut Herbert, Iris Richter und Ralf Gärtner sind alle drei Mitglieder des Gemeindekirchenrats. Ralf Gärtner ist der Vorsitzende.
Der Gemeindekirchenrat hat bei zehn verschiedenen Geldgebern Fördergelder für die Kirchensanierung beantragt.
Um sie nachhaltig sanieren zu können, benötigt der Förderkreis 220 000 Euro.
162 000 Euro wurden ihnen aus EU-Mitteln in Aussicht gestellt. Ihnen fehlt jedoch noch die Freigabe vom zuständigen Landesamt.
10 000 Euro stellt der Gemeindekirchenrat an Eigenmitteln zur Verfügung und weitere 10 000 Euro sagte der Kirchenkreis bereits zu.


Die Statik macht Probleme

Ein großes Problem bleibt jedoch: „Die Statik stimmt nicht. Das Fachwerkholz drückt auf den Putz, der kann das Dach kaum noch tragen. Beim nächsten Sturm fliegt das Dach übers Dorf“, befürchtet Ralf Gärtner.

Das Dach muss neu eingedeckt und die Korrosionsschäden der Turmspitze bearbeitet werden.

„Obwohl die Fassade und die Wandmalereien für ein fast 120 Jahre altes Gebäude noch verhältnismäßig gut aussehen, müssen sie erneuert werden “, sagt Schatzmeister Helmut Herbert.

Lühsdorfer sind Kirchengänger

Die Kirchengänger werden sich freuen, denn ihre Beteiligung an den 14-tägig stattfindenden Gottesdiensten ist vorbildlich. „Lühsdorf ist eine für Brandenburg ungewöhnlich gläubige Gemeinde“, sagt Helmut Herbert.

Von den etwa 70 Dorfbewohnern seien etwa 45 evangelisch. Von ihnen besuche etwa ein Drittel regelmäßig den Gottesdienst mit Pfarrer Clemens Bloedhorn.

Kirche für alle offen

Auch die drei Förderkreisgründer sind ab und an dabei. Doch sie wollen die Kirche nicht nur für die Kirchengänger auf Vordermann bringen, sondern für alle:

„Schon jetzt feiern viele Paare lieber hier ihre Hochzeit, obwohl sie auch im eigenen Dorf eine Kirche haben. Einfach, weil unsere so schön ist“, sagt Ralf Gärtner. „Es wäre toll, wenn nach der Sanierung noch mehr Leute hier Hochzeiten und andere Feste feiern würden.“

Stadt plant Sanierung der Alten Dorfschule

Dazu passen würde die von der Stadt Treuenbrietzen geplante Sanierung der nebenan stehenden ehemaligen Schule. Aktuell wird sie von der Freiwilligen Feuerwehr oder für Ortsbeiratssitzungen genutzt.

„Nach einer Sanierung könnte hier ein wunderschöner Veranstaltungsraum mit barrierefreien Toiletten entstehen. Dann können auch die Älteren ohne Probleme länger hier verweilen“, sagt Iris Richter.

Auch die Wiese wird verschönert

Auch um die Dorfwiese will sich der Förderkreis kümmern: „Wir haben schon eine neue Hecke gepflanzt, um die Wiese von der Straße besser abzugrenzen. Die Tradition unseres Sommerfestes wollen wir natürlich auch erhalten.“

Sie erinnert sich noch genau, wie sie vor vielen Jahren mit ihren Schulfreundinnen auf dem Kirchengelände umhergesprungen ist und Faxen gemacht hat.

„Das können wir unseren Kindern und Enkeln doch nicht verwehren. Wir sind dazu verpflichtet, dieses Geschenk an die jüngere Generation weiterzugeben, schließlich gibt es hier nichts weiter für die Dorfbewohner.“

Von Josefine Kühnel

Märkische Allgemeine vom 05. Juni 2018

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