Barenthin

Dorfkirche erstrahlt in neuem Glanz

Ein knappes Jahr war die Dorfkirche von Barenthin von einem Baugerüst umhüllt. Bei den Sanierungsarbeiten kamen am Gotteshaus spannende bislang unbekannte Details zu Tage.

Die Zeiten, in denen die Kirche von Barenthin von Baugerüsten umstellt war, sind nun vorbei.
Quelle: André Reichel

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Barenthin Weithin sichtbar reckt sich das gut 600 Jahre alte Barenthiner Gotteshaus in den Himmel. Bis zur Spitze des Turmes sind es immerhin fast 30 Meter. Seit Sommer vergangenen Jahres war die Dorfkirche jedoch von Baugerüsten verhüllt, denn es fanden Sanierungsarbeiten an deren Außenhülle statt.

Den Plan für die dringend erforderlichen Arbeiten hatte der Gemeindekirchenrat bereits im Jahr 2009 erstellt, der zwei Jahre später in einen Sanierungsplan mündete. Als schließlich die Finanzierung stand, ging es in die heiße Phase.

Die Fachleute verschiedener Gewerke – wie Dachdecker, Maurer, Zimmerer, Maler, Restauratoren – hatten in den vergangenen neun Monaten alle Hände voll zu tun. So galt es, die Betondachsteine vom Dach des Kirchenschiffes zu holen und durch denkmalgerechten Biberschwänzen zu ersetzten.

Das Dach wurde bereits vor 20 Jahren erneuert

Das Dach des Turmes wurde bereits vor rund 20 Jahren erneuert. Der für die Barenthiner Kirche zuständige Pfarrer Henning Utpatel aus dem Nachbardorf Breddin war immer wieder vor Ort und überzeugte sich auf der Baustelle vom Stand der Dinge. „Nun sind die Tage der Bauarbeiten an der Kirche in Barenthin gezählt“, sagte der Pfarrer kürzlich freudig. Inzwischen sind wirklich alle Restarbeiten hoch oben an der Turmfassade erledigt, das Baugerüst kann wieder verschwinden.

Die Dacherneuerung am Schiff der Kirche machten jedoch auch Schäden sichtbar, die bislang unbekannt waren. So mussten etliche Balkenköpfe der Kirchendecke erneuert werden.

Dabei wurden wiederum auf den Deckenbrettern Malereien entdeckt. „Diese freizulegen und zu restaurieren müsste in einem zweiten, eigentlich gar nicht vorgesehenen, Bauabschnitt erledigt werden“, so Pfarrer Utpatel.

Schwindelfreie Bauarbeiter

Schwindelfreiheit bewies Mauerer Hennry Gendera von der Firma Bork. Er musste zum Ausbessern der Mauerfugen bis an die Spitze des Turmes. „Es ist nicht jedermanns Sache, in solchen Höhen zu arbeiten, doch ich habe mich daran gewöhnt“, berichtete Hennry Gendera., der zuletzt noch neuen Putz rund um die Schall-Luken am Turm anzubringen hatte.

Am Ostgiebel der Kirche wurde bei der Sanierung ein barockes Fenster wieder hergestellt, das vor langer Zeit schon zugemauert wurde. Oben in der Spitze des Ostgiebels entdeckte der Restaurator Björn Scheewe aus Lenzen zudem alte Malereien, die von ihm freigelegt und wieder hergestellt wurden. „Laut Farbanalyse könnten diese aus der Anfangszeit der Kirche stammen“, so Pfarrer Utpatel.

Was die runden Symbole hoch oben im Schmuckgiebel genau bedeuten, weiß auch der Pfarrer nicht. „Vielleicht sind es Speichen-Räder und Sonnen“, mutmaßt Henning Utpatel.

Während also am Ostgiebel ein Fenster neu entstand , wie auch die völlig verrotteten Fenster an der dunklen und feuchten Nordseite des Schiffes, reichte es an den Fenstern der Südseite aus, dies aufzuarbeiten. „Hier mussten nur ein paar Holzstreben ausgetauscht werden“, so Pfarrer Utpatel.

Nische in der Nordseite freigelegt

Über dem Kirchen-Eingang an der Nordseite wurde eine runde Nische freigelegt, die ebenfalls in früherer Zeit zugemauert wurde. „Vielleicht stand dort einmal eine Heiligenfigur“, so Henning Utpatel.

Der kleine Vorbau gleich neben dem Eingang ist auch neu verputzt worden, die alte Tür jedoch noch nicht zurück aus der Tischlerwerkstatt, wo diese aufgearbeitet wird. Nur zu gern hätte Pfarrer Utpatel diese Tür wegen einer Konfirmationsfeier zu Pfingsten zurück am angestammten Platz, doch daraus wurde nichts.

Die Arbeiten am ersten Bauabschnitt kosteten 175 000 Euro und machten 75 Prozent der Gesamtsumme aus. Die Finanzierungsgrundlage dafür bildeten Fördermittel aus dem Leader-Programm des Landes Brandenburg, der Landeskirche, des Kirchenkreises Prignitz und der Kirchengemeinden.

Die Planungskosten waren aus dem Fördertopf ausgeklammert und wurden mit Eigenmitteln finanziert.

Gemeindemitglieder sollen Ideen sammeln

Bei einem Gemeindeabend in der Barenthiner Kirche am 6. Juni ab 18 Uhr will der Pfarrer mit seinen Gemeindemitgliedern über einen möglichen zweiten Bauabschnitt sprechen und dafür Ideen sammeln.

Zu tun gäbe es jedenfalls noch genug. Die barocke hölzerne Kanzel ist beispielsweise stark sanierungsbedürftig und auch die Orgel steht nicht an dem Platz, wo sie eigentlich hingehört. „Wenn es die Barenthiner wollen, können wir auch über die Wiederherstellung der Deckenmalerei nachdenken“, sagt Henning Utpatel.

Von André Reichel

Märkische Allgemeine vom 03. Juni 2018

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