IMMER DONNERSTAGS TRIFFT SICH DER GESCHICHTSKREIS IM EHEMALIGEN KELCH-MAUSOLEUM UND BEWAHRT HISTORIE

Vereinsleben

Die Bollensdorfer Gruftis

Margrit Meier

Neuenhagen bei Berlin (MOZ) Für fünf aus der Familie Kelch sollte es die letzte Ruhestätte sein. Doch ihre Särge wurden schon vor Langem auf den Friedhof umgebettet. Seit rund zehn Jahren haben die Mitstreiter vom Geschichtskreis Bollensdorf im Kelch-Mausoleum ihren Vereinsraum.

Imposanter und ungewöhnlicher Vereinssitz: Das Kelch-Mausoleum ist seit rund zehn Jahren das Domizil des Geschichtskreises Bollensdorf. Heidi Grabow putzt die Spinnen weg. Es freuen sich darüber (v. l.) Martin Grabow, Klaus Wegner, Hildegard Bark, Heinz Kraus und Peter Stolley.
© Foto: Margrit Meier
Mausoleum: Dies ist eines der Original-Bleiglas-Fenster von 1898.
© Foto: Margrit Meier

1898 war das imposante mit rotem Klinker verzierte Erbbegräbnis der Gutsbesitzerfamilie Kelch neben der Dorfkirche fertig. Erbaut von einem Altlandsberger Baumeister, war es Zeichen für den Reichtum und Wichtigkeit der Kelchs. Der letzte Gutsbesitzer, Karl Eduard Kurt Kelch wurde Ende November 1912 zu Grabe getragen. Doch die Särge von ihm und vier weiteren Familienmitgliederwaren nicht lange dort. „Es gab Anfang der 1930er-Jahre einen Briefwechsel zwischen der Kirchengemeinde und Familienoberhaupt Adolf Kelch, der als Mediziner in Bad Freienwalde arbeitete“, erzählt Hildegard Bark vom Geschichtskreis. Die Bollensdorfer Kirchengemeinde war nach 1930 durch die Parzellierung der ehemaligen Ländereien des Gutes so stark angewachsen, dass sie das Mausoleum als Versammlungs- und Lagergebäude benötigte. Die Verhandlungen zogen sich einige Zeit hin. Am 14. Juli 1936 schreibt HNO-Arzt Kelch an den Pfarrer: „...Ich musste erst meine Mutter (Helene Kelch/d. A.), die im Vogtland wohnt, von Ihrem Schreiben unterrichten. Wir sind auf Ihr Angebot hin bereit, die Särge der Erde zu übergeben. Ich muss Ihnen offen gestehen, dass die Unterbringung im Erbbegräbnis (dem Mausoleum/d. A.) im gegenwärtigen Zustand unmöglich ist und dass wir Ihnen und der Gemeinde für Ihr Anerbieten dankbar sind.“ Doch es gibt Bedingungen. So soll die Beisetzung auf dem Friedhof erfolgen, ein schlichtes, hügeliges Grab mit Gedenktafel entstehen, die Gemeinde die Pflege und die Kosten übernehmen.

Über den Umbettungstag schreibt Adolf Kelchs Mutter Helene: „Am 4. November 1936 fand in Bollensdorf die Umbettung unserer Toten nach dem Friedhof statt. Wir ... besahen das verfallene Gutshaus und den verkommenen, einst so schönen Park, besuchten die vielen kleinen Landhäuser und Straßen. Um 4 Uhr kam Adolf aus Freienwalde und wir betraten die Kirche, die geflaggt und geschmückt für uns war. Pfarrer von Hermann hielt die Erinnerungsrede. Es war sehr feierlich. Noch einmal zog für mich die schöne Bollensdorfer Zeit vorüber (Helene Kelch war mit Eugen Kelch verheiratet, zu der Zeit bereits verwitwet). Urgroßvater Eduard hatte die Kirche gebaut, die alte Kanzel, Altar, auch ein schönes Bild und alle anderen Sachen gestiftet. Danach gingen wir gemeinsam auf den Friedhof, wo schon alle Särge in der Erde standen ... Es gingen an die 100 Menschen mit ...“

Das mit der Grabpflege muss nicht so richtig funktioniert haben, erzählen die Mitstreiter vom Geschichtskreis. Denn immer mal wieder beschwerte sich Adolf Kelch beim Pfarrer, der so manche Ausrede fand. Nachdem sie einige Zeit gesucht und das Grab völlig zugewuchert gefunden haben, ist es heute in einem Tiptop-Zustand, denn Hildegard Bark und Jürgen Stolley sowie die anderen vom Geschichtskreis pflegen die Ruhestätte.

Das Mausoleum ist seit 2008, nachdem fleißige Lehrlinge des IB es umgebaut haben, Sitz des Geschichtskreises. Donnerstagsvormittags trifft er sich hier. Neue Mitstreiter sind herzlich willkommen.

MOZ.de vom 01. Juni 2018

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