Rosenhagen

Kirche holt sich ihren Turm zurück

Weil ein Nachbar sich beschwert hatte, wurde der Kirchturm von Rosenhagen kurzerhand abgerissen – das war 1975. Jetzt ist er wieder auferstanden aus Ruinen – dank der Hartnäckigkeit einiger Rosenhagener

m Samstag wurde in Rosenhagen groß gefeiert, denn nach 43 Jahren ist die Kirche nun wieder komplett.
Quelle: Kerstin Beck
 
Quelle: Kerstin Beck
 
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Quelle: Kerstin Beck

Rosenhagen „Das ist ja Wahnsinn, das hätte man nach über 40 Jahren nicht für möglich gehalten. Wenn man jetzt ins Dorf fährt und man sieht das hier, kommt einfach Freude auf.“ So ist es am Samstagnachmittag immer wieder zu hören. Es gibt nämlich ein Fest für alle Einwohner mit Gottesdienst, Kaffeetrinken, Konzert und gemeinsamem Abendessen im Festzelt.

Der Grund: Nach langen Jahren der „Vakanz“ hat die Rosenhagener Kirche endlich ihren Turm wiederbekommen. „Jetzt ist sie wieder komplett und sieht damit harmonisch aus“, sagt der Lenzener Architekt und Kirchenbaubeauftragter Heiko Jaap, der zusammen mit seiner Frau auch zu den Sponsoren gehört.

Kein Versammlungsraum mehr in der Winterzeit

Nachdem ein Nachbar sich gesorgt hatte, dass vielleicht eines Tages der Turm auf seine Scheune fallen könnte, wurde der quadratische, 1654 errichtete quadratische Bretterturm mit seiner achteckigen hohen Spitze 1975 kurzerhand abgerissen. Lediglich der steinerne Unterbau blieb, doch dieser verwandelte sich in eine Ruine. Nachdem vor zehn Jahren das nebenan sich befindliche Pfarrhaus verkauft worden war, gab es für die Kirchengemeinde auch keinen Versammlungsraum in der Winterzeit mehr.

Ausgerechnet das Arzt-Ehepaar, das dann 2009 dort einzog, zeigte das größte Engagement darin, den Turmstumpf, der weder Fußboden noch Tür besaß, wieder herstellen zu lassen: Anne und Marko Petrick. „Und Frau Petrick hat alles gemacht, hat sich um die Fördermittel und um Ausschreibungen, um die Handwerker und um den ganzen Kleinkram gekümmert.

Posthum: Hans Caspar von Platen hat uns gerettet

Ohne sie wäre hier nichts, aber auch nichts, gelaufen.“ – Auch das ist am Samstagnachmittag immer wieder zu hören. Doch die 46-jährige wehrt ab: „Das ging nur, weil alle mitgemacht haben, und gerettet hat uns dabei Hans Caspar von Platen, der 1727 gestorben ist.“

Wie das? An den Patron der Kirche erinnert ein wertvolles halbplastisches Sandsteinepitaph, welches an der Ostwand des Gotteshauses zu finden ist. „Damit konnten wir ein Alleinstellungsmerkmal für die Kirche aufstellen, und so bekamen wir eben die Fördermittel – 160 000 Euro aus dem Leader-Programm.

Letztlich wurde es dann nahezu das Doppelte, „und dann wurde das Projekt verwirklicht, obwohl der Weg dahin oftmals recht steinig war“, erzählt Pfarrer Daniel Feldmann dann in seiner Predigt. Dazu gehörte, den richtigen Architekten zu finden. „Und da gab es Vorschläge, den Turm in seinem „ruinösen Charme“ zu erhalten“, führt Anne Petrick weiter aus.

„Doch damit konnten wir uns keineswegs anfreunden, denn wir brauchten doch einen Versammlungsraum. Dann kam Jan Bodenstein aus Wittenberge, der konnte sehr gut zuhören und hat innerhalb von drei Monaten einen Bauantrag vorgelegt, der so aussah, wie wir uns es vorgestellt haben.“

Das war vor zwei Jahren. „Ich habe auch alles in Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde in Perleberg durchgeführt,“, berichtet dazu der Baumeister. „Und die Gemeinde wollte ja den durch den Turm geschaffenen Platz haben, so wurde dann auch das Mauerwerk konserviert und ist jetzt gefestigter denn je.“

Holzarbeit einer Zimmerei aus Mühlheim an der Ruhr

Der darüber aufgebaute hölzerne Glockenturm, der sich weitgehend an seinen historischen Vorgänger anlehnt, besteht aus Lärchenholz, ausgeführt von einer Zimmerei aus Mülheim an der Ruhr.

Eine Weimarer Dachdeckerei besorgte dann das Schieferdach. Ganz aber ist er noch nicht fertig: Im Erdgeschoss wird noch eine Teeküche entstehen, das obere Geschoss, welches als Versammlungsraum gedacht ist, wird mit Eichenbohlen versehen und das Geläut - wozu eine 1476 gegossene Glocke mit Inschrift gehört – muss auch noch angebracht werden.

Doch Blumen und ein kleines Dankeschön in Form von Eintrittskarten zu einem Kulturfest in Ludwigslust gab es schon mal für Anne Petrick von der Gemeindevorsteherin Sonja Franke und ihrem Mann, dem Kirchenältesten Detlef Franke.

Ein neues Projekt ist für die rührige Gemeindekirchenratsmitarbeiterin auch schon in Sicht: eine Bewerbung mit diesem gelungenen Vorhaben für den Landesdenkmalpreis.

Von Kerstin Beck

Märkische Allgemeine vom 30. Mai 2018

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