Garz

Ein hohes C für die Kirche in Garz

Ein österreichischer Traditionsbetrieb gießt in Innsbruck eine neue Glocke für die Temnitzer Kirchengemeinde. Großzügige Spenden machen das möglich.

Die Firma Grassmayr hat 400 Jahre Erfahrung im Glockengießen. Auch die Glocken für die Marienkirche in Frankfurt?(Oder) kommen von dort.
Quelle: Grassmayr

Garz Joachim Pritzkow ist schon ganz aufgeregt. So etwas erlebt auch ein altgedienter Baufachmann der Kirche nicht alle Tage. Pritzkow hat es jedenfalls noch nie erlebt, und er hat schon seit Jahrzehnten mit Kirchen zu tun. „Ich sehe zum ersten Mal, dass eine Gemeinde sich eine neue Glocke gießen lässt.“

Die Kirche von Garz bekommt sie: eine nigelnagelneue Glocke nach eigenem Wunsch, finanziert von Sponsoren.

Der Gemeindekirchenrat mit Pritzkow an der Spitze ist schon auf dem Weg ins österreichische Innsbruck. Dort soll am Freitagnachmittag der Guss aus Bronze erfolgen – ein feierlicher Akt.

Für den allerdings nur wenig Zeit bleibt. Die Gießer stellen am Freitag nicht nur eine einzige Glocke her, sondern gleich zehn für Kirchengemeinden aus Deutschland. Eine Glocke ist für die Kirche von Garz bestimmt, neun für Gemeinden in Sachsen.

Grassmayr gießt Glocken aus Bronze seit dem 16. Jahrhundert

Wenn die heiße Bronze erst einmal flüssig ist, muss beim Gießen alles schnell gehen. Mehr als ein paar Segensworte bleiben da kaum für jede Gemeinde. Trotzdem wollen alle dabei sein, wenn ihre neue Glocke entsteht.

Die Innsbrucker Firma Grassmayr hat sehr viel Erfahrung. Seit 1599 werden dort nach eigenen Angaben schon Glocken aus Bronze gegossen. Die für Garz wird einen Durchmesser von rund 77 Zentimetern haben und wiegt satte 265 Kilogramm, wenn alles klappt. Wenn sie in einigen Wochen im Turm hängt, soll sie mit einem schönen hohen C erklingen.

„Früher hatte die Kirche in Garz einmal zwei Glocken“, sagt Joachim Pritzkow. In Kriegszeiten mussten Kirchgemeinden in ganz Deutschland einige ihrer wertvollsten Stücke hergeben, damit die für Kanonen und andere Waffen eingeschmolzen werden konnten. Jahrhundertealte Glocken landeten im Schmelzofen. Manche Kirche kann bis heute nicht mehr läuten.

Garz ist im Krieg nur eine der beiden Glocken geblieben

Den Garzern ist vor 80 Jahren wenigstens noch eine der beiden Glocken geblieben. Sie bekommt jetzt wieder eine Schwester. Keine alte, wie sie sich manche kleine Gemeinde inzwischen aus einer anderen alten, stillgelegten Kirche besorgt hat. Die Garzer bekommen eine neue, die extra für den Ort angefertigt wird.

Eine Glocke gießen zu lassen ist kein billiges Vergnügen. Um so begeisterter ist Pritzkow, dass es geklappt hat. Kosten von rund 17 000 Euro stehen im Raum. Möglich wird der Guss nur Dank der großzügigen Hilfe mehrerer Spender. Deren Namen werden auf der Glocke verewigt.

Der frühere Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz-Schwarzkopf – selbst Garzer – hatte zu seinem 60. Geburtstag im vergangenen Jahr um Spenden für die Glocke gebeten.

Die Einweihung ist für den 19. August geplant

Schmitz setzt sich seit vielen Jahren für die Kirche in seinem Dorf ein. Viel Geld ist mit seiner Hilfe in die Sanierung des Gebäude, des Inneren und auch des Kirchhofs geflossen. Die evangelische Gemeinde hätte sich das alles allein gar nicht leisten können.

Anfang August soll die neue Glocke im Turm der Kirche montiert werden. Den Glockenstuhl hatte die Kirchengemeinde schon vorher prüfen und verstärken lassen. Immerhin hing dort seit Jahrzehnten kein so großes Gewicht mehr.

Für den 19. August ist ein Festgottesdienst geplant, bei dem das neue Geläut eingeweiht werden soll. Die einzelne Glocke im Turm wurde bisher immer per Hand geläutet. Auch das ändert sich. Künftig läutet alles automatisch, angetrieben von Strom.

Von Reyk Grunow

Märkische Allgemeine vom 27. Mai 2018

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