Stechow

Das Pfarramt war ein Erbhof

Früher wurden Dorfkirchen auf alten Feldsteinen errichtet. Auch in Stechow praktizierten die Erbauer der Kirche dieses Prinzip. Inzwischen ist die Kirche ein Schmuckstück.

Die Stechower Dorfkirche ist ein Ort der kulturellen Vielfalt.
Quelle: Norbert Stein

Stechow Friedvoll, im Schatten einer uralten Linde, prägt die Kirche die Dorfmitte von Stechow. Für ihren Erhalt sich ein im Jahr 2004 gegründeter Förderverein erfolgreich ein. Friedrich Leopold von Stechow ist der Vorsitzende, Ella Wernicke seine Stellvertreterin.

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Über 350 000 Euro hat der 63 Mitglieder zählende Förderverein in den letzten 14 Jahren in das unter Denkmalschutz stehende Gebäude investiert. Unterstützt wurde er von der Kirchenbaustiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Kirchengemeinde, Freunden, Vereinsmitgliedern und weiteren Geldgebern.

Es wurde viel gebaut

So gelang es dem Förderverein in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Reformationsgemeinde Westhavelland – sie ist Eigentümerin der Kirche – umfangreiche Baumaßnahmen zu realisieren. Dach, Wände, Emporen, Wände, Turm, Orgel, Glockenturm, Kirchenuhr , Heizung und Wege wurden in Ordnung gebracht.



Wo der Schlüssel zu bekommen ist

Die Kirche Stechow befindet sich mitten im Ort, in der Friedensstraße 29.
Besucher melden sich in der Bäckerei Krakau, Dienstag bis Samstag von 7 bis 12.30 Uhr, sonst sind Schlüsselinhaber im Aushang an der Kirche vermerkt.
Die Pfarrei wird betreut von Pfarrer Stefan Huth, Evangelische Reformationsgemeinde Westhavelland.
Der Förderverein freut sich über Unterstützung: Marco Eichler, Friedensstraße 19, 14715 Stechow.


Die Westseite der Kirche bekam wieder eine Eingangstür. „Dank unseres Fördervereins haben wir schon viel geschafft“, sagt Friedrich Leopold von Stechow, dessen Engagement für Kirchen bundesweit geschätzt wird. Nach der Wende gründete er die Stiftung zur Rettung ostdeutscher Kirchen und ist Vorsitzender des Kuratoriums des Fördervereins Brandenburger Dom.

Auch in Stechow wartet noch genügend Arbeit. Die Sanierung der Kapelle, der Einbau von Toiletten, Trockenlegungsarbeiten im 1. Stock – das sind nur einige Themen. Das Altargemälde muss restauriert werden und ein neuer Zaum ist zu setzen.

Die Kirche in Stechow wurde im Jahr 1469 errichtet. Es handelt sich aber nicht um einen Neubau. Die Geschichte der Dorfkirche beginnt vermutlich schon im 12. Jahrhundert, darauf weisen neueste Ausgrabungen hin. Der erste Bau war eine schlichte Holzkapelle.

Eine Erweiterung als Feldsteinbau erfolgte im 13. Jahrhundert. Und so stammt auch die alte Glocke, die man damals in der Kapelle der Stechower Kirche vorfand, aus dieser Zeit. Vermutlich ist der Kirchenbau unter Eggert von Stechow ausgeführt worden. Schon im Jahr 1375 wurde der Ort Stechow als Pfarrsitz erwähnt.

Auf alten Steinen

Das Verfahren war einst üblich. Auf alten Feldsteinen errichtete man eine neue Kirche. Davon zeugt noch heute das Mauerwerk im Klostersteinformart über dem Eingang der Kirche. Der Ort Stechow selbst geht nicht auf eine slawische Gründung zurück, wie die meisten umliegenden Ortschaften, sondern trägt den Namen der Gründerfamilie.

Als Markgraf Joachim II. protestantisch wurde, setzte sich die Reformation in der Mark durch. Schon 1545 amtierte in Stechow ein evangelischer Pfarrer. Die Kirche wurde 1731 ausgebessert und bekam 1736 einen Bildaltar. 1856 wurden Turm und Innenraum restauriert.

Immer wieder Hand angelegt

Die Jahreszahl in der Turmfahne weist drauf hin. Im gleichen Jahr wurde der Westeingang zugemauert. Eine in der Turmkugel hinterlegte Urkunde aus dieser Zeit beschreibt, wie ein großer Teil des Fachwerks erneuert wurde, ohne jedoch die Turmhaube zu verändern.

Im Jahr 1927 wurde abermals Hand angelegt an die Kirche und in den 1980er Jahren gab es eine gründliche Renovierung. Der Altar der Kirche, der über 100 Jahre ein Emporen-Kanzelaltar war, wurde wieder in den Originalzustand versetzt. Das Kreuzigungsbild wurde restauriert und bekam wieder seinen ursprünglichen Platz in dem Gotteshaus. Die beschädigten alten Kirchenbänke wurde abgebaut und durch eine Einzelbestuhlung ersetzt.

Eine außergewöhnliche Tradition hat die Besetzung der Pfarrstelle. Von 1777 bis 1935 wurde das Pfarramt durch die Familie Hülsen ausgeübt. Dabei ging das Amt stets vom Vater auf den Sohn über. Nur vier Hülsens versahen den Pfarrdienst in der sehr langen Zeit.

Im Jahr 1946 amtierte kurze Zeit letztmals ein Mitglied dieser Pastorenfamilie in Stechow. Auch heute kommen Nachfahren regelmäßig zu Familientreffen nach Stechow in die Dorfkirche und unterstützen mit Spenden den Förderverein in seiner Arbeit zum Erhalt des Gotteshauses.

Von Norbert Stein

Märkische Allgemeine vom 15. Mai 2018

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