Besondere Kirchen

Innensanierung der Lühnsdorfer Kirche läuft

Außen hui, innen noch in Arbeit: Das Lühnsdorfer Kirchenschiff ist gegenwärtig eine Baustelle. Die Innensanierung läuft. Das mittelmärkische Gotteshaus wird im Herbst 130 Jahre alt.

Eine ganz besondere Baustelle: Lisa Kienow betreut die Sanierungsarbeiten in der Kirche.
Quelle: Christiane Sommer
 
Hans-Jürgen Bergholz (links), Heidi Tietz und Fritz Moritz engagieren sich für ihre Kirche.
Quelle: Christiane Sommer
 
Fritz Moritz restauriert den Leuchter der Lühnsdorfer Kirche.
Quelle: Christiane Sommer

Lühnsdorf Altertumsexperten sind sich einig: Die Lühnsdorfer Kirche hatte mindestens zwei Vorgängerbauten. Einen hölzernen und einen darauf folgenden Feldsteinbau. Die Feldsteinkirche musste im Jahre 1897 wegen Baufälligkeit abgetragen werden.

Beim Blick auf die Lühnsdorfer Kirche erinnert nichts an diese früheren Gotteshäuser. Und doch gibt es, zumindest was den zweiten Kirchbau betrifft, Erinnerungsstücke. Eine alte Fotografie zeigt das Feldsteingemäuer vor dem Abbruch zeigt. Das Bild ist im Eingangsbereich der Kirche ausgestellt.

Den Klang der aus diesem Gotteshaus stammenden Glocke kann man noch hören. „Sie hat die Zeit überdauert“, erläutert der Lühnsdorfer Ortschronist Fritz Moritz und deutet mit dem Finger nach oben. In der Glockenstube des in den vergangenen zwei Jahren sanierten Kirchturms hängt die Glocke der Feldsteinkirche.

„Während der Bauzeit unserer Kirche, 1897/98, war die Glocke nach Rädigke verliehen worden“, berichtet Moritz. Er muss es wissen. Schließlich kennt niemand das Dorf besser als er. Zwei Schriften zur Ortsgeschichte hat er verfasst. Deshalb ist der Ruheständler auch Ansprechpartner in allen Fragen zur Kirchengeschichte. Moritz erzählt, dass der Backsteinbau am 18. September 1898 geweiht wurde und damit im Herbst ein kleines Jubiläum ansteht.

Aber der Reihe nach: 1897 beauftragten die Lühnsdorfer den in Niemegk wohnenden Maurermeister Köhler mit der Ausführung des Kirchenneubaus. Er erhielt den Auftrag, eine neuromanische Backsteinkirche nach einem Entwurf von Friedrich August Stüler, einem Schüler des großen preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel, in Lühnsdorf zu erbauen. Im Jahr darauf war das Werk vollendet und zur Kirchenweihe war hoher Besuch im Dorf erwünscht.



Als Nachfolgebau 1898 feierlich geweiht

Die Kirche befindet sich in der Dorfstraße 16-17, 14823 Niemegk, Ortsteil Lühnsdorf.
Als Nachfolgebau entstand ein kleiner neuromanischer Saalbau aus rotem Backstein mit Apsis und westlichem Dachturm, der bereits am 18. September 1898 feierlich eingeweiht wurde.
Die erste Kirche des Dorfes, errichtet mit Feldsteinen, stammte aus dem späten 14. Jahrhundert und musste 1897 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden.
Der „Förderkreis Sanierung der evangelischen Kirche zu Lühnsdorf“ ist erreichbar über Heidrun Tietz, Dorfstraße 2, unter 033843/50502.


Die Gemeinde hoffte, dass Kaiserin Auguste Viktoria (1858-1921) der ausgesprochenen Einladung folge leisten und zur Kirchenweihe nach Lühnsdorf kommen würde.

Doch die Kaiserin hatte keine Zeit, hatte einen anderen, viel gewichtigeren Termin. An jenem Tag wurde in Potsdam das 50-jährige Bestehens der Friedenskirche gefeiert. Dafür geruhte Ihre Majestät, die Altargeräte – bestehend aus Kelch, Kanne, Patene (der Oblatenteller) und Oblatendose – für das Lühnsdorfer Kirchlein zu stiften. Fritz Moritz bemerkt: „Diese Abendmahlsgeräte befinden sich in einem außerordentlich guten Zustand und versehen ihren Dienst nach wie vor in unserer Kirchengemeinde. Sie sind mit der Widmung Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Auguste Viktoria, der Gattin des Kaisers Wilhelm II., versehen.“

In den darauf folgenden Jahrzehnten engagierte sich die Kirchengemeinde immer wieder für den Erhalt des Gotteshauses. Im vergangenen Jahr konnte eine aufwendige Hüllensanierung inklusive der Rettung des Kirchturms erfolgreich beendet werden. Der Turm drohte, herab zu stürzen.

Jetzt wird wieder im Kirchlein gewerkelt. „Wir können Dank einer Förderung durch die Sparkasse die noch originale Innenausmalung aufarbeiten lassen“, berichtet Ortschronist Moritz.

Lisa Kienow, eine ehemaligen Lühnsdorferin, ist derzeit damit beschäftigt, diese Arbeiten zu erledigen. Als Ingenieurin für Bauerhaltung ist sie eine ausgewiesene Fachfrau für diesen Job – den sie ehrenamtlich ausführt.

Von Christiane Sommer

Märkische Allgemeine vom 25. April 2018

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