LANDKREIS WILL FöRDERMITTEL FüR EIGENTüMER HISTORISCHER GEBäUDE ERHöHEN /
HILFE FüR SCHöNFELDER DORFKIRCHE

Klinkenputzen zur Denkmalrettung

Oliver Schwers

Schönfeld (MOZ) Mehr gesellschaftliche Verantwortung – das benötigen Kirchen und andere Denkmale im gesamten Land Brandenburg. Wenn Eigentümern das nötige Kleingeld fehlt, müssen Unterstützer helfen. Die Uckermark ist Vorreiter mit einem eigenen Förderprogramm.

Muss dringend instand gesetzt werden: Die Kirche von Schönfeld hat lange Zeit ohne große Restaurierungen durchgehalten. Jetzt traut sich nicht mal mehr der Dachdecker hinauf. Nach Pfingsten soll Baustart sein.
© Foto: Oliver Schwers
 
Die eindringende Feuchtigkeit ist zu merken: Im Innenraum sieht man ebenfalls Schäden.
© Foto: Oliver Schwers

Und das könnte sogar noch aufgestockt werden. Im Landkreis laufen Überlegungen, aufgrund der guten Haushaltslage die bisher jährlich verteilten 200 000 Euro auf möglicherweise 250 000 Euro zu erhöhen. Vielleicht sogar noch höher. Darüber informiert Landrat Dietmar Schulze. Die tatsächliche Summe werde sich im Zusammenhang mit der Haushaltsaufstellung des Kreises ergeben. Gerade plant die Verwaltung höhere Ausgaben für die soeben verhandelten Tarife im öffentlichen Dienst. Doch es bleibt immer noch genug Geld übrig, um lange vernachlässigte Bereiche nun besser zu unterstützen.

Die Begehrlichkeiten von Denkmaleigentümern sind so groß wie der hohe Bestand an schützenswerter Bausubstanz. Um die in diesem Jahr zu verteilenden Mittel von 200 000 Euro haben sich 62 Antragsteller im Umfang von 629 000 Euro beworben. Das Dreifache an Förderung wäre also nötig, um nur die dringendsten Wünsche zu erfüllen. Daher haben Denkmalbehörde und Kreisentwicklungsamt alle Anfragen gesichtet und 34 Projekte ausgesucht.

Darunter ist die Dorfkirche von Schönfeld in der Nähe von Tantow. Immerhin 10 000 Euro gibt der Landkreis für die nach Pfingsten beginnende Sanierung des Denkmals dazu. Angesichts der Gesamtsumme von rund 600 000 Euro klingt das zwar wie ein Tropfen auf den heißten Stein, jedoch will der Kreis mit seinen Geldern grundsätzlich einen Mix vieler Unterstützer fördern. Wo eine Behörde einsteigt, kommen andere Sponsoren hinzu. Die Kirchgemeinde wäre nicht in der Lage, die enorme Baulast allein zu stemmen.

„Als der Dachdecker sagte, dass er sich selbst nicht mehr aufs Dach traut, um die Löcher zu reparieren, waren wir völlig ratlos“, berichtet Jan Eggemann vom Gemeindekirchenrat. „Plane drüber oder was?“ Doch dann einigten sich viele Unterstützer – Kirche, Bund, Land und private Spender inklusive der örtlichen Landwirte – auf eine gemeinsame Hilfe. Die gesamtgesellschaftliche Verantwortung soll nicht nur die Kirche im Dorf lassen, sondern auch die Verantwortung über ein Denkmal demonstrieren. Hier drin finden Hochzeiten statt. Die Turmuhr zeigt die Zeit an. Besucher wollen einen Blick hineinwerfen. Trauerfeiern, Konfirmationen, Gottesdienste – all das gehört zum Dorfleben. Seine Enkeltochter sei hier getauft worden, berichtet Landrat Dietmar Schulze bei der Übergabe der Denkmalgelder.

Beim Blick zum Turm hinauf wird sofort die Dringlichkeit sichtbar. Bäume wachsen aus den Fugen. Putz bröckelt herab. Die Zwischendecken hängen durch. Im Kirchenschiff muss das Holztragwerk ausgebessert werden. Die letzte Generalüberholung nach einem Brand soll 140 Jahre zurück liegen.

Doch Schönfeld ist nur ein Fall unter vielen in der denkmalträchtigen Uckermark. Pastor Warnkross aus Gartz nimmt an diesem Tag 5000 Euro mit nach Gartz. Dort ist die Lage noch dramatischer. Mit den bisher kalkulierten Mitteln von 560 000 Euro seien gerade mal die wichtigsten Notreparaturen am Turm zu machen. Steinteile fallen herab. Die Gewölbe der Stephanskirche müssten untersucht werden. Und die Eigenmittel der Kirchengemeinde gingen als Anliegerbeiträge für den Straßenbau drauf. „Ich bin kein Optimist in dieser Sache“, gesteht Pastor Hilmar Warnkross, nachdem mehrere Anläufe zur Förderfinanzierung scheiterten. „Wenn das alles nicht klappt, müssen wir die weiße Fahne schwenken.“

Doch Landrat Schulze und der SPD-Landtagsabgeordnete Mike Bischoff aus Schwedt geben bekannt, dass auch das Land seine Denkmalmittel erhöht. 1,5 Millionen Euro seien im Gespräch.

Jan Eggemann schließt zufrieden die Kirchentür hinter sich. Die Rettung des Denkmals kann beginnen. Ein Baustart ist in Sicht. Vor der Tür sanieren Baufirmen gerade die komplette Ortsdurchfahrt.

Unterstützung für 34 Objekte

MOZ.de vom 20. April 2018

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