Liebenwalde

Kirchensanierung mit Überraschungen

Der Rückbau der Winterkirche hat gerade erst begonnen. Aber die ersten Überraschungen bei der Demontage der Decke und des Fußbodens sind schon zu Tage getreten.

Die Orgel ist komplett verhüllt, zur Winterkirche ist ein Staubschutz angebracht.
Quelle: Andrea Kathert
 
Marek Fiedorowicz (l.) und Bauleiter Ronald Ott betrachten die Stahlträger, die nach der Demontage der Deckenverkleidung sichtbar wurden.
Quelle: Andrea Kathert
 
Die Winterkirche ist mit einem Staubschutz zum Kirchenschiff abgetrennt. Hier ein Durchschlupf.
Quelle: Andrea Kathert

Liebenwalde Der Umbau der Winterkirche hat erst vor wenigen Wochen begonnen und schon treten die ersten Überraschungen zu Tage. „Wir haben hier Hinweise auf eine zweite Säulenreihe gefunden“, sagt Marek Fiedorowicz vom Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung (IBS). „Und in der Decke sind jetzt neben den Holzbalken Stahlträger zu sehen.“ Niemand wusste genau, was zum Vorschein kommt, wenn die Decke und der Fußboden rausgerissen werden.

Das Büro IBS aus Hoppegarten begleitet den Rückbau der Winterkirche, die in ihrem historischen Baustil wieder erlebbar werden soll. Die Handschrift von Karl Friedrich Schinkel ist überall in der Stadtkirche zu sehen. Erbaut wurde sie von 1833 bis 1835 und zählt deshalb zur späten Schaffenszeit des Baumeisters.

Der Förderverein der Kirche hatte ein 8000 Euro teures Gutachten anfertigen lassen, das als Grundlage für den jetzigen Umbau dient. Mit Jochen Hochsiedler aus Rheinsberg hat der Liebenwalder Gemeindekirchenrat einen erfahrenen Restaurator an ihrer Seite.

Bei der Bauberatung am Mittwoch standen Marek Fiedorowicz und Ronald Ott, Bauleiter Hochbau der Firma „Drei Schilde“, etwas unschlüssig in der entkernten Winterkirche. Es musste beraten werden, wie es nun weitergeht. Mitte März hatte die Firma „Drei Schilde“ losgelegt. Zunächst wurde die Orgel mit einer atmungsaktiven Folie abgedeckt. Die Trennwand zum Kirchenschiff ist entfernt worden. Nun hängt ein Staubschutz an ihrer Stelle. Als der Fußboden demontiert wurde, entdeckten die Bauleute unter dem Linoleum auch noch Holzspanplatten, die auf einer Balkenkonstruktion lagen. Und darunter befanden sich zu allem Übel Dämmstoffe, eine Art Kamilit. Das musste natürlich als Sondermüll entsorgt werden. Auch bei der Demontage der Decke fanden die Bauarbeiter Dämmstoffe. Die Arbeiten gerieten erst mal ins Stocken, die Entsorgung der Dämmstoffe wird für Zusatzkosten sorgen.

Jörn Lehmann, der als Vorsitzender des Fördervereins dabei war, hält nichts davon, eine zweite Säulenreihe wieder einzubauen. Das würde nicht nur Raum für die künftige Winterkirche kosten, sondern auch viel Mehraufwand mit sich bringen.

200 000 Euro für den ersten Bauabschnitt

Die Arbeiten an der Winterkirche dauern mindestens bis November. Die Sommermusiken sollen aber trotzdem im Kirchenschiff stattfinden.
Quelle: Andrea Kathert

200 000 Euro stehen aus Mitteln der Kirche und aus der Leader-Förderung für diesen ersten Bauabschnitt zum Rückbau der Winterkirche zur Verfügung. „Mich würden die Stahlträger in der Decke nicht stören“, sagte Jörn Lehmann. Wie letztendlich mit der Decke verfahren wird, müssen auch noch Hans Burger vom Landesamt für Denkmalpflege und Restaurator Jochen Hochsieder beraten.

Die Baufirma will jedenfalls in der nächsten Woche erst mal die Trennwände zum linken Treppenaufgang entfernen. Die gehören da auch nicht hin. Die Treppe war frei.

Von Andrea Kathert

Märkische Allgemeine vom 15. April 2018

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