„ORGEL DES JAHRES 2017“ ERKLINGT AM SONNTAG ERSTMALS NACH VOLLSTäNDIGER RESTAURIERUNG / BLICK INS INNERE MöGLICH

„Orgel des Jahres 2017“ erklingt zum ersten Mal

Frank Groneberg

Fünfeichen (MOZ) An diesem Sonntag erklingt die Orgel der Kirche in Fünfeichen erstmals wieder in voller Klangschönheit. Die Freude über die Wahl des Instruments zu Deutschlands „Orgel des Jahres 2017“ ist groß.

Freut sich über sein neues Schmuckstück: Pfarrer Matthias Hirsch steht in der Fünfeichener Kirche auf der Empore vor der restaurierten Gast-Orgel. An diesem Sonntag erklingt das Instrument erstmals nach Abschluss ihrer Restaurierung durch die W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) GmbH aus Müllrose.
© Foto: Gerrit Freitag
 
Mit neuer Beleuchtung: Am Spieltisch konnten die Registerknöpfe aus dem 19. Jahrhundert erhalten werden.
© Foto: Gerrit Freitag
 
Gruß vom Hersteller: Das historische Schild der Firma F. Gast & Sohn am Spieltisch sieht wieder aus wie neu.
© Foto: Frank Groneberg

Wenn am Sonntag um 19 Uhr das zweite Konzert zur Orgeleinweihung beginnt, erwartet Pfarrer Matthias Hirsch wieder ein „volles Haus“ in seiner kleinen Fünfeichener Kirche. Und auf den Bänken werden dann viele Menschen sitzen, die selbst einen großen Anteil daran haben, dass die historische Gast-Orgel erstmals wieder in voller Schönheit erklingen kann. Denn allein 35 000 Euro der Kosten für die Restaurierung konnten dank Spenden der Bürger in Fünfeichen und der Region gedeckt werden. „Wir hatten Spendenbriefe in allen Haushalten in Fünfeichen, Bremsdorf und Kieselwitz verteilt“, erzählt Pfarrer Matthias Hirsch. „Und wir hatten eigentlich mit insgesamt 8000 Euro Spenden gerechnet. Dass es am Ende so viel mehr Geld wurde und dass auch viele Menschen gespendet haben, die nicht Mitglied unserer Kirchengemeinde sind, ist ein schöner Beweis für die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat.“

Sie hat einen besonders warmen Klang, die romantische Orgel, die von der Firma F. Gast & Sohn in Fürstenberg/Oder gebaut und im Jahr 1880 eingeweiht worden war. In den vergangenen Jahrzehnten war von ihrem schönen Klang aber nicht mal was zu erahnen. Schon in den 1960er-Jahren wurde von eher schreienden Geräuschen denn einem Klang berichtet. „Und ich glaube, es gibt keinen lebenden Zeugen, der noch miterlebt hat, dass die Orgel vernünftig gespielt worden ist“, sagt Matthias Hirsch. Als er vor vier Jahren als Gemeindepfarrer nach Fünfeichen kam, war die Orgel nur noch ein Wrack. Für ihn war sofort klar: Dieses Instrument muss gerettet werden. Warum? „Erstens liebe ich Musik und der Klang dieser Orgel war einfach unerträglich. Und was noch viel wichtiger ist: Die Orgelmusik und die Verwendung der Orgel im Gottesdienst sind ein großes Erbe der Reformation, das bewahrt werden muss. Dass die Gemeinde singt, sich aktiv in den Gottesdienst einbringt und nicht einfach nur zuhört – das haben wir der Reformation zu verdanken und die Orgel ist damit unmittelbar verbunden.“

60 000 Euro hat es gekostet, um der Fünfeichener Orgel die alte Klangschönheit zurückzugeben. Dass dieses Geld investiert werden musste, davon kann sich jeder Besucher am Kircheneingang selbst überzeugen. Vom Holzwurm zerfressene Orgelpfeifen sind da zu sehen. Teile einer brüchigen Orgelbank und zu Holzmehl zerfressene Teile der Mechanik. Den „Tisch der Grausamkeiten“ nennt der Pfarrer die kleine Ausstellung.

Seit vergangener Woche ist das Fünfeichener Instrument „Orgel des Jahres 2017“ und damit Sieger eines bundesweiten Wettbewerbs der Stiftung Orgelklang. In einer Internetabstimmung hatte sich die Mehrheit der Nutzer des Portals www.stiftung-orgelklang.de für diese Orgel entschieden. „Das ist eine großartige Anerkennung für alle, die an der Restaurierung der Orgel beteiligt waren und gezeigt haben: Wir können was bewegen“, sagt Pfarrer Hirsch, „das ist ein großartiges Gefühl.“ Umso mehr freut er sich nun auf das Konzert am Sonntag, in dem unter anderem Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy und Leon Boëllmann erklingen werden – gespielt von vier Organisten und von einem Bläserchor. Und in der Pause können die Besucher einen Blick in das Innere der deutschen „Orgel des Jahres 2017“ werfen.

MOZ.de vom 10. April 2018

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