Kirchen

„Orgel des Jahres 2017“ steht in Brandenburg

In der mittelalterlichen Dorfkirche von Fünfeichen bei Frankfurt (Oder) hat die Firma Sauer ein Instrument von 1880 restauriert. Es ist „Orgel des Jahres 2017“, erklärte die Stiftung Orgelklang. Zwölf Orgeln aus dem gesamten Bundesgebiet standen zur Wahl.

Die sanierte Orgel wurde 1880 von Johann Friedrich Gast gebaut.

Fünfeichen. „Im Sommer 2017 haben wir an einem Instrument gearbeitet, das uns besondere Freude bereitet hat, weil es in einer Kirche in unserer unmittelbaren Nachbarschaft steht“, notierte die Traditionsfirma W. Sauer Frankfurt (Oder) auf ihrer Internetseite. Die Rede ist von der Orgel in der evangelischen Kirche in Fünfeichen (Oder-Spree). Den Fachleuten haben die Sanierungsarbeiten große Anstrengungen abverlangt, „weil sich in Fünfeichen der Holzwurm von seiner hässlichsten Seite gezeigt hat, außen hui – innen pfui“.

Gestern wurde dem Instrument in der mittelalterlichen Dorfkirche der Titel „Orgel des Jahres 2017“ zuerkannt. Die Abstimmung wurde erstmals von der Stiftung Orgelklang durchgeführt. Musikliebhaber waren aufgerufen, bis Ostern im Internet ihre Stimme abzugeben. Zwölf im vergangenen Jahr von der Stiftung geförderte Instrumente aus dem gesamten Bundesgebiet standen zur Wahl, mehr als 660 Menschen beteiligten sich am Wettbewerb der Stiftung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die Orgel in einem Ortsteil der Gemeinde Schlaubetal wurde 1880 von dem lokalen Orgelbauer Friedrich Gast & Sohn aus Fürstenberg an der Oder, dem heutigen Eisenhüttenstadt, hergestellt. Nach jahrelanger Unspielbarkeit und umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde sie erstmals zu Weihnachten 2017 wieder in Betrieb genommen. Doch im Dezember fehlten noch einige Töne. Nicht alle Orgelpfeifen ließen sich restaurieren, einige mussten nachgebaut werden und wurden erst in den letzten Wochen eingesetzt.

Am 15. April 2018, 19 Uhr, soll ein Orgel- und Bläserkonzert stattfinden, das sich nun gleichzeitig zu einer Feier für das Instrument und seine Erneuerer auswachsen dürfte. Auf dem Programm steht Musik aus der Zeit der Romantik, unter anderem von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die 60 000 Euro teure Restauration wurde etwa zur Hälfte durch Spenden finanziert. „Unter den Spendern befanden sich auch viele Menschen, die gar nicht Mitglied in der Kirchgemeinde sind“, sagte Pfarrer Matthias Hirsch.

Die Stiftung Orgelklang hat die Arbeiten nach Angaben der EKD mit 3000 Euro gefördert. In diesem Jahr fördert sie eigenen Angaben zufolge 14 Projekte mit rund 64 000 Euro. Seit 2010 hat die Stiftung Förderzusagen bundesweit über mehr als eine Million Euro gegeben.

Ohne derartige private und kirchliche Initiativen wäre es um die kulturelle Substanz der Kirchen und Orgeln im Land Brandenburg schlecht bestellt. Erst kürzlich klagte Thomas Drachenberg, Brandenburgs oberster Denkmalschützer, dass sich das Land mit seinen fast 1000 Kirchen nicht einmal einen Orgelsachverständigen leistet.

Von Karim Saab

Märkische Allgemeine vom 05. April 2018

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