Kirche in Jabel

Zehn Jahre Geld gesucht – jetzt Baustart

Zehn Jahre suchte die Kirchengemeinde Jabel nach Fördermitteln für ihr Gotteshaus. Nun stehen 200 000 Euro bereit. Dach und Dachstuhl des Kirchenschiffes werden saniert. Vor allem Hausschwamm und Braunfäule sitzen in den eingemauerten Traufhölzern. Ab 9. April bestimmen Dachdecker, Maurer und Zimmerer die Baustelle.

Dirk Rogmann (l.) und Marek Fiedorowicz begutachten einen maroden Bohlensparren.
Quelle: Christamaria Ruch
 
Braunfäule und Schwamm sitzen in dem freigelegten Fuß eines Bohlensparrens.
Quelle: Christamaria Ruch
 
Fred Wehland aus Jabel sponsert die Rüstung für den Bauabschnitt.
Quelle: Christamaria Ruch
 
Seltene Bauweise: Die evangelische Kirche in Jabel mit dem vierseitig bogenförmig abgewalmten Bohlensparrendach.
Quelle: Christamaria Ruch

Jabel. Die ersten Gerüste stehen an der evangelischen Kirche in Jabel. Damit steht fest, dass die Sanierung des Gotteshauses beginnt. Endlich. Denn seit zehn Jahren bemühte sich die evangelische Kirchengemeinde Jabel um Fördermittel und eine Finanzierung (die MAZ berichtete). Nun stehen insgesamt 200 000 Euro für den ersten Bauabschnitt mit Dach und Dachstuhl vom Kirchenschiff bereit. Am Donnerstag trafen sich Vertreter der Baufirmen und Kirchengemeinde mit dem Restaurator zur Bauanlaufberatung.

Baustart am 9. April

Der Dachstuhl wurde 1803 aus Kostengründen in Bohlenbinderbauweise errichtet.
Quelle: Christamaria Ruch

Baubeginn ist der 9. April – die Arbeiten werden bis Ende Oktober dauern. Braunfäule und Hausschwamm haben dem Dachstuhl mit dem vierseitig bogenförmig abgewalmten Bohlensparrendach massiv zugesetzt.

Das größte Problem sind die eingemauerten Traufhölzer. „Wir gehen davon aus, dass davon 80 bis 90 Prozent von Schwamm befallen sind“, sagt Marek Fiedorowicz. Er ist Restaurator und Denkmalpfleger im Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung (IBS) in Dahlwitz-Hoppegarten.

Bisher legten die Fachleute von IBS an zwei Stellen des Dachstuhls - im Nord- und Südbereich - die Füße der Bohlensparren von Mauerwerk frei. „Die eingemauerten Hölzer befinden sich in einem stark desolaten Zustand“, ist dem Gutachten zu entnehmen. Alle Gebindeachsen im Dachstuhl sind davon betroffen.

Dachdecker, Maurer und Zimmerer bringen in den kommenden Monaten die Sanierung voran. Dachdeckermeister Uwe Melzer aus Lindow ist im Einsatz. Ingenieur Dirk Rogmann aus Parchim übernimmt die Gewerke Maurer und Zimmerer. Bereits jetzt ist Fred Wehland dabei, die Gerüste rund um die Kirche aufzustellen.

Malermeister spendiert Rüstung

Der Malermeister aus Jabel gehört zu den 17 Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde und stellt die Rüstung als Spende für das Bauvorhaben auf. Mit insgesamt 12 000 Euro sind die Rüstkosten beziffert. „Das war die einzige Möglichkeit, die noch fehlenden Mittel bereit zu stellen. Sonst wäre der Bau nicht zustande gekommen“, sagt Wehland. „Das ist sehr selten, dass ein Bau auf diese Weise unterstützt wird“, sagt Marek Fiedorowicz.

Heike Giese, Gesine Vogelsang und Edwin Lück vom Gemeindekirchenrat (GKR) Jabel sind ebenfalls bei der Bauanlaufberatung dabei. Der 79-jährige Edwin Lück ist seit 25 Jahren Vorsitzender vom GKR: „Jetzt soll es losgehen und dann wird hoffentlich auch alles andere noch saniert.“

„Es ist eine super Lösung, dass die Mittel aus so vielen Fördertöpfen kommen. Ich empfinde Freude und Staunen, dass es überhaupt möglich ist, nun mit den Arbeiten zu beginnen“, sagt Pfarrer Berthold Schirge. Und: „Ich hoffe, dass die Kirche auch in Zukunft als Ort des Glaubens und der Verkündigung angenommen wird.“

Die Kirche stammt aus dem Jahre 1803. Aus Kostengründen wurde damals eine Bohlenbinderkonstruktion gewählt. Dabei werden anstelle von massiven Balken dicke Bretter aneinandergefügt und zu einem Dachstuhl geformt. Alle Holzbestandteile, die frei belüftet sind, weisen aus holzschutztechnischer Sicht einen guten Zustand auf.

„Ende April bis Anfang Mai wissen wir den genauen Umfang der Schäden“, so Fiedorowicz. Er geht davon aus, dass die Balkenköpfe auf einer Länge von 2,5 Meter ausgetauscht werden müssen. Aus diesem Grund wird dann auch die Decke im Kirchenschiff aufgenommen, um an die Balken heran zu kommen.

Beim Dach sollen wieder Biberschwanzziegel gedeckt werden. Diese entsprechen der historischen Fassung. „Es werden Ziegel mit Korbbogenschnitt verwendet“, so der Restaurator.

Von Christamaria Ruch

Märkische Allgemeine vom 23. März 2018

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