Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark)

Alte Kirche strahlt in neuem Glanze

Der Einsatz des Fördervereins und der anderen Unterstützer hat sich gelohnt: Die Bricciuskirche in Bad Belzig erstrahlt in neuem Glanze. Seit Jahren laufen die Arbeiten innen und außen an dem Gotteshaus. Nun wartet im Altarraum eine neue Herausforderung.

Für die Restaurierung von Altar und Kanzel in St. Briccius sammelt der Förderverein Spenden - Der Blauton stimmt nicht
Quelle: Christiane Sommer
 
Neben der Burg Eisenhardt kann man die Bricciuskirche – hier auf einer Ansicht um 1860.
Quelle: Christiane Sommer

Bad Belzig. Im 14. Jahrhundert ließen die Herzöge von Sachsen-Wittenberg vor den Toren der Burg Eisenhardt bei Belzig eine neue Kirche errichten. Vermutlich um einen bereits existierenden hölzernen Sakralbau herum. 1361 dürften die Arbeiten beendet gewesen sein. In jenem Jahr stifteten die Brüder Kuno und Rudolf von Oppen einen Altar für diese Bricciuskirche, die sich die sächsischen Landesherren ordentlich etwas hatten kosten lassen. Das Gebäudeensemble von Kirche und Festung, von der Poststraße aus Richtung Wittenberg her schon weithin sichtbar, war ein Prestigeobjekt.

Während die Burganlage nach der Wende eine aufwendige Sanierung erfuhr, wurde das Kirchlein aus restauratorischem Blickwinkel betrachtet, über Jahrzehnte vernachlässigt. Der sprichwörtliche Zahn der Zeit hinterließ immer mehr Spuren. Erst an der Außenfassade, später auch im Inneren der Kirche. Rettung für das Gemäuer nahte über den Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow, der sich der Sanierung der Bricciuskirche verpflichtet fühlte. „Es war eine spannende, aber auch aufregende Zeit“, bemerkt Lydia Junghanß. Nahezu 450.000 Euro flossen in die Rettung des Gemäuers, dass auch als Radwegekirche gelistet ist.



Der Schlüssel ist im Burghotel

Die Bricciuskirche in der Wittenberger Straße hoch über Bad Belzig ist von April bis Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Von November bis März ist der Schlüssel an der Rezeption des benachbarten Burghotels erhältlich.
Mit dem Fahrrad Rad ist die Kirche über den Europaradweg R1 erreichbar, mit dem Auto über die Bundesstraßen 246 und 102 und die Autobahn 9.
Per Bahn ist Bad Belzig über den Regionalexpress 7 stündlich von Berlin oder Potsdam aus erreichbar. Der Fläming-Bahnhof ist nicht entfernt. Zu Fuß läuft man zehn Minuten von dort bis zur Bricciuskirche.
Förderverein Bonte-Friedheim-Lochow, Thomas Kruse, Wallstraße 9, 14806 Bad Belzig, 033841/4 42 48.


Gerd Pohl ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Fördervereins Bonte-Friedheim-Lochow, der sich für die Bricciuskirche in Bad Belzig engagiert.
Quelle: Christiane Sommer
 
Die Bricciuskirche in Bad Belzig nach ihrer Sanierung
Quelle: Christiane Sommer

Wer den steilen Burgberg bezwungen hat, sollte der Kirche unbedingt einen Besuch abstatten. Massige Strebepfeiler stützen die alten Feldsteinmauern, an deren Ostseite sich ein kleines Türmchen erhebt. Aus dem 17. Jahrhundert stammt der Anbau des Altarraumes und der Einbau der Emporen. Die damals erfolgten Arbeiten stehen alten Dokumenten zufolge im Zusammenhang mit den Schäden, die der Kirchbau infolge des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) erfuhr. Damals wurde auch die alte Tonnendecke entfernt und eine Balkendecke eingebracht.

Die aufwendige Innenausmalung erfolgte jedoch erst in den Jahren 1905/06, nach vorangegangenen Sanierungsarbeiten. Dabei fand man mehrere schwere Sandsteinplatten, in Fachkreisen werden sie Epitaphe genannt, die heute an der Nordwand im Kirchenschiff aufgestellt sind. Einer dieser Grabplatten zeigt die figürliche Darstellung eines Mannes in Ritterrüstung. Sie lässt annehmen, dass jener Mann ein Ritter war, der mit Schild und Schwert umzugehen wusste. Doch dem war nicht so.

Hennig von Falckenreder wurde am 2. Mai 1580 in einem der vier Rittergüter unterhalb von Burg und Kirche geboren. Er wird im christlichen Glauben erzogen, studiert in Wittenberg Theologie und stirbt im Jahr 1609. Seine Familie lässt zur Erinnerung in Wittenberg eine Leichenpredigt drucken und schmückt sein Grab mit einem aufwendig gearbeiteten Grabmal. Später wird dasselbe vermutlich in Ermangelung von Baumaterial zur Altarstufe umfunktioniert. Umgedreht natürlich. 1903 wiederentdeckt, wird die Grabplatte an der Nordwand der Kirche aufgestellt, wo sie noch heute zu finden ist.

Aber auch an anderer Stelle haben die Falckenreders Spuren hinterlassen. Hinter einem Drahtgeflecht im kleinen Dachturm hängt die 1618 gegossene Bronzeglocke der Kirche. Sie trägt folgende Inschrift: „Hans und Andreas von Falkenröder Gotteskasten zu Belzigk anno 1618. Heinrich Borstelmannn in Magdeburg me fecit. Sit nomen die benedictum“ (… hat mich gemacht. Sei der Name des Herrn gesegnet).

Bei der Sanierung erhielt kürzlich auch die alte Kirchenglocke eine neue Aufhängung und einen neuen Klöppel. Seitdem hängt sie wie in alten Zeiten an einem Joch aus Eiche und kann beim läuten wieder schwingen. Der neue Klöppel sorgt für einen wärmeren Ton und kann, wie Kantor Winfried Kuntz zu sagen pflegt, „die Glocke nur küssen“ - nicht schlagen. Im Verlauf des Jahres soll auch ihr 400. Geburtstag in den Mauern der Bad Belziger Bricciuskirche gefeiert werden.

Der die Kirche umgebende Friedhof wird seit dem 12. Jahrhundert als Begräbnisplatz genutzt. Anfangs war es jedoch nur den Besitzern der vier unterhalb der Burg gelegenen Rittergütern vorbehalten, sich dort begraben zu lassen. Später wurden vorübergehend vorzugsweise nur Bewohner des bis 1914 eigenständigen Dorfes Sandberg dort begraben und fanden nur noch in Ausnahmefällen Bestattungen statt. Heute kann sich jeder, ob evangelisch, katholisch, freikirchlich oder atheistisch, den Bricciusfriedhof zur letzten Ruhestätte auswählen.

Von Christiane Sommer

Märkische Allgemeine vom 31. Januar 2018

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