TREBNITZER KIRCHE MEHRFACH STARK BESCHäDIGT / MOZ-SERIE TEIL 29

Wo der Altar einst einen Seitenwechsel vollzog

Thomas Berger

Trebnitz (MOZ) Sie sind in der Regel die ältesten Bauwerke ihrer Orte, steinerner Brückenschlag zwischen den Jahrhunderten. Die MOZ stellt in einer Serie die Kirchen vor. Heute: Dorfkirche Trebnitz.

Dorfkirche Trebnitz: Das Bauwerk auf der winzigen Anhöhe direkt an der Ortsdurchfahrt hat eine wechselvolle Geschichte. Der Turm aus dem 19. Jahrhundert wurde als Besonderheit im Osten angebaut.
© Foto: Thomas Berger

Nur um eines klarzustellen - Zisterzienser hat es in Trebnitz so direkt nie gegeben, bestenfalls haben Angehörige des Ordens dort auf dem Wege von und nach Altfriedland oder Lebus Rast eingelegt. Wenn in historischen Dokumenten vom Zisterzienser-Nonnenkloster Trebnitz die Rede ist, dann ist damit nicht etwa der heutige Müncheberger Ortsteil gemeint, sondern das gleichnamige niederschlesische Dorf etwa 20 Kilometer nördlich von Wroclaw (Breslau). Allerdings geht die Ortsgründung (ebenso wie das benacharte Jahnsfelde) auf Landschenkungen von Herzog Heinrich dem Bärtigen an das Trebnitzer Kloster hervor.

Fakt ist, dass die Ursprünge der heute verputzten und weiß gestrichenen Dorfkirche etwa 800 Jahre zurückreichen. Um 1224/25 wurde Trebnitz als Siedlung gegründet, natürlich gab es da auch eine erste, noch bescheidene Stätte, wo sich die Gläubigen sicher und wettergeschützt mindestens jeden Sonntag einfanden. 1432, als die Hussiten das ganze Dorf zerstörten, blieb auch diese frühe Kirche nicht ausgespart. Noch knapp drei Jahrzehnte später lag Trebnitz nachweislich wüst. Und auch 200 Jahre später, nunmehr in der Folge des verheerenden Dreißigjährigen Krieges, war das örtliche Haus Gottes ohne Türen und Fenster, trug massive Schäden an Turm und Dach zur Schau, die völlig eingefallen gewesen sein sollen. Erst Oberst von Goertzke, Trebnitzer Grundherr jener Zeit und damit zugleich Kirchenpatron, sorgte zwischen 1660 und 1671 für den Wiederaufbau. Auch neue Tauf-, Trau- und Beerdigungsregister wurden seinerzeit angelegt.

Ein gemütliches Schmuckstück, warm und anheimelnd in der Raumwirkung, ist die Trebnitzer Dorfkirche heute. Das liegt nicht nur an den Heizkörpern, die nach dem Einschalten an kalten Herbst- und Wintertagen wohltuende Wärme spenden. Es ist auch die gesamte Inneneinrichtung, wie sie sich nach den jüngsten umfassenden Sanierungsarbeiten Mitte der Neunzigerjahre präsentiert. Am 26. Februar 1995 war nach deren Abschluss mit einem Festgottesdienst feierliche Wiedereinweihung, und der große Teppich, der heute auf den ersten Blick im Altarraum ins Auge fällt, kam 1997 dazu, wurde damals zum Erntedankfest im Oktober erstmals ausgelegt. Er ist ein Werk der Berliner Künstlerin Nanette Ganthus, handgefertigt aus Filz mit Motiven aus der Hiobsgeschichte, von Ernte, Tod, einer Schlange, Urwesen und Gespenstern, aber zusätzlich auch einem jugendlichen Punk.

Früher stand er dort: Gisela Kitzmann, mit Pfarrerin Karin Bertheau auf dem Teppich von 1997 stehend, weist Richtung Süden, wo der Altar bis zum Umbau 1961 seinen Platz hatte.
© Foto: Thomas Berger

Apropos Altar - der befand sich längst nicht immer dort, wo er den Trebnitzern mit seinem heutigen Standplatz an der Westseite geläufig ist. Bis zur Umgestaltung 1961, damals von Pfarrer Behrendt veranlasst, stand er unterhalb des Südfensters, wo sich wiederum nunmehr der Taufstein befindet - in seiner geschwungenen Form eine stilistische Einheit mit Altartisch und Pult bildend.

Der Seitenwechsel des Altars war nicht die einzige einschneidende Veränderung der zurückliegenden Jahrzehnte. Im Zuge der jüngsten Bauarbeiten, die bereits kurz vor der politischen Wende 1988/89 eine Fassadenrenovierung einleitete, wurde auch die Empore baulich ein Stück weiter nach vorn gezogen und dort oben ein Gemeinderaum als Winterkirche installiert. Eine trennende Glaswand Richtung Schiff, der Raum zudem extra beheizbar, diente er - überdies mit Mini-Küche nebenan und der Toilette zu ebener Erde versehen - zwischenzeitlich unter anderem für Kindergottesdienste und Christenlehre, wie "Kirchenpatin" Gisela Kitzmann zurückblickt. Heute ist das überschaubare Rund der Stühle eher selten genutzt. "Die Gemeinde ist insgesamt älter geworden, und viele der Senioren schaffen es nicht mehr die Treppe hinauf", verweisen Gisela Kitzmann und Münchebergs neue Pfarrerin Karin Bertheau auf den demografischen Wandel, der vor 20 Jahren noch nicht so im Blick war. Der Einbau solcher Winterkirchen, egal ob ebenerdig oder auf der Empore, war zu jener Zeit besonders häufig.

"Im Krieg war die Kirche Lazarett", weiß Gisela Kitzmann, die einst von Trebnitz nach Münchehofe umzog, noch. Auch gewisse Schäden trug das Bauwerk erneut davon, erst im März 1946 konnte eine Konfirmation wieder in der Kirche stattfinden, im Vorjahr hatte man dazu noch auf das Schloss ausweichen müssen. Vor allem die Orgel, von Orgelbaumeister Landon aus Wriezen installiert und eine Stiftung des Fräuleins Louise von Brünneck, überstand den Krieg nicht.

Es waren übrigens laut Überlieferung die Brünnecks, die aus ihrem Schloss (konkret dem Schlafzimmerfenster) den entsprechenden Blick haben wollten, die im Nachgang dafür verantwortlich sind, dass der Mitte des 19. Jahrhunderts hinzugekommene Turm auf der "falschen" Seite angebaut wurde. Statt ihn wie üblich im Westen, in diesem Fall hinter das Schiff, zu setzen, bekam er seinen Platz vorn, also im Osten, direkt an der Straße. Dort bleibt auch heute noch mancher beim Vorbeifahren interessiert stehen.

Was die Glocken angeht, hatten die beiden Ersten sogar den Dreißigjährigen Krieg unbeschadet überdauert. Später wies die Größere dann im Klang aber einige Macken auf, weshalb sie 1804 durch eine Neue ersetzt wurde, die Domherr von Pannewirt stiftete. Sie läutete lediglich 95 Jahre, bis sie zersprang. Ersatz ließ Rinaldo von Brünneck 1900 gießen. Jahreszahl, Stifter und der Name des Gießers Gustav Collier stehen auf einer, auf der anderen Seite die Inschrift "Ehre sei Gott in der Höhe".

Märkische Allgemeine vom 22. November 2017

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