UMFASSENDE SANIERUNGSARBEITEN AN KIRCHE IHLOW SCHON WEIT GEDIEHEN / FERTIGSTELLUNG BIS MITTE 2018 GEPLANT

Bauen in einem Ruck spart doppelt

Thomas Berger

Ihlow (MOZ) Die Ihlower Dorfkirche, eine der Ältesten weit und breit, ist derzeit eine Baustelle. Noch bis Sommer 2018 werden sich die Sanierungsarbeiten hinziehen, wichtige erste Etappen sind aber schon geschafft. Und das Maßnahmepaket war dringend nötig - teilweise drohte Einsturzgefahr.

Alles im Blick: Jeden Donnerstag ist Bauberatung in Ihlow - beim jüngsten Treffen diese Woche zeigten sich Manfred Buchholz von der Kirchengemeinde, Pfarrerin Anika Grünwald und Bauleiter Wolfram Schwelgin (v. l.) mit dem bisherigen Stand sehr zufrieden.
© Foto: Thomas Berger
 
Lösung im statischen Gefüge der Apsis: Der neue Ringanker fängt nun die Kräfte ab, die vorher die Mauern auseinander drückten.
© Foto: Thomas Berger

Eine Rettung in vorletzter Minuten, bevor Schlimmeres passiert ist, macht Bauleiter Wolfram Schwelgin an zwei Beispielen deutlich. "Schon vor vier Jahren war eine Notsicherung an den Turmecken nötig, weil die herauszubrechen drohten." Und im Bereich der Apsis zeigt er - nach Kletterei auf dem Außengerüst - an einem besonders markanten Segment, wie dort das Mauerwerk gelitten hat. Mehrere der großen Feldsteine liegen momentan abseits, müssen von den Fachleuten erst wieder mit den anderen verbunden werden, um richtig Halt zu haben. Und einen Meter weiter links klafft einer jener Risse, von denen Schwelgin schon kurz zuvor im Innenraum stehend gesprochen hatte: "Bis zu 85 Zentimeter konnte man in einige den Zollstock versenken."

Chorraum und Apsis sind eben der Bereich, wo es die größten Probleme gab. Teilweise hatte Echter Hausschwamm die Balken des Dachstuhls dort so stark angegriffen, dass die Stützkonstruktion ihrer Funktion kaum noch nachkommen konnte, die Kräfte von der Dachlast direkt ins Mauerwerk umgelenkt wurden und dieses zu sprengen drohten. Noch eine gewisse Zeit mehr, und Teileinsturz hätte dort gedroht. Jetzt ist es oben bei der Apsis ein gemauerter Ringanker, der nach dem Anheben der Schutzplane schon fertig zu sehen ist - und das statische Gesamtgefüge in diesem Bereich wieder in Ordnung bringt.

Bedrohlich: einer der diversen tiefen Riss in den Apsismauern
© Foto: Thomas Berger

Eben weil es so viele einzelne Sorgenkinder gab, sind alle Beteiligten froh, dass die Arbeiten in einem einzigen Bauabschnitt durchgezogen werden können. Möglich machen das die EU-Fördermittel aus dem Regionalprogramm ILE. Sie sind der größte Brocken in der Finanzierung der Baukosten von rund 400 000 Euro, obwohl auch Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche mit dem Eigenanteil gemeinsam noch genug zu tragen haben. "Allein hätten wir das nie bewerkstelligen können", sagt auch Buckows Pfarrerin Anika Grünwald, die seit August die pfarrtechnische Verwaltung von Ihlow übernommen hat und seither gemeinsam mit den Vertretern des Gemeindekirchenrats sowie Wolfram Schwelgin allwöchentlich bei den Bauberatungen Fortschritte und nächste Detailaufgaben erörtert. "Üblicherweise wären es bei einer solchen Summe mindestens drei Bauabschnitte", so Schwelgin. Das hätte neben Zeitverzug aber auch eine Verteuerung durch doppelte Kosten beispielsweise bei Baustelleneinrichtung oder Rüstung bedeutet.

Seit Beginn der Arbeiten im Frühjahr sind die Baufirmen, für die das Team zur Bauberatung nur lobende Worte findet, schon gut vorangekommen. Das Kirchenschiff ist weitgehend fertig, die Fassade außen neu verfugt, auch der Dachstuhl (aus der Nachkriegszeit stammend) erneuert worden, um überhaupt ein Dach mit Biberschwänzen tragen zu können. Der Innenraum hat eine veränderte Wirkung bekommen, seit die Holzdecke nicht mehr mit rotbraunem Anstrich drückend erscheint, sondern wie die Wände Helligkeit verbreitet. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz soll demnächst das Gestühl, das bisher einen Mittelblock bildete, mit Bankreihen und Gang dazwischen neu arrangiert werden. Die paar kürzeren Kirchenbänke kommen später in den Chorraum, wo sie für normale Gottesdienste ausreichen.

So manches an Abstimmung mit den Behörden war und ist nötig, die Dialogprozesse dabei bewertet das Ihlower Team als positiv. Der Turmraum wird künftig nur noch über eine uralte schmale Treppe erreichbar sein. Eine Art Geheimgang aus der frühen Ära als Wehrkirche, über den man sich bei einer Belagerung bis dort nach oben hätte flüchten können. Der Zugang war lange vermauert, ist nun wieder offen. So wie der zwischenzeitlich ebenso verschlossene Übergang zwischen Schiff und dem Vorraum im Turm, wo die frühere Treppe bereits entfernt ist. Damit gibt es mehr Platz, damit dieses Stück zum Beispiel als Unterstand für touristische Kirchenbesucher dienen kann. "Das Gewölbe soll mit Glas abgedeckt werden, um mehr Licht zu haben", auch eine Wandöffnung wurde zu diesem Zwecke wiederhergestellt.

Diverse alte Wandzeichnungen finden sich im Bereich von Chor und Apsis. Welcher Bereich wie genau erhalten wird, ist noch Abstimmungsdetail mit dem Denkmalschutz. Bisher war die Restauratorin vor allem mit dem großen Bild des Flötenspielers beschäftigt, das sich auf der Nordseite im Schiff befindet.

An alles ist im Zuge der Arbeiten gedacht, auch Aspekte des Artenschutzes, merkt der Bauleiter an. So wurde im Turm ein Schleiereulenkasten installiert, Nischen für Fledermäuse erhalten, im Fassadenbereich Fugen für den Mauersegler offen gelassen. Oliver Büxler von der Naturwacht war der fachkundige Partner für solche Absprachen.

In etwa zwei Wochen sollen die Zimmerer in der Apsis loslegen können. Eine kleine Winterpause wird sich insgesamt nicht vermeiden lassen. Aber als Ziel steht, im Sommer 2018 mit einem Kirchweihfest den Abschluss der Sanierung feiern zu können.

MOZ.de vom 24. November 2017

   Zur Artikelübersicht