Baugeschichtlich interessant

Küchendreck und Hundepfote

Thomas Berger

Walddrehna. Spannende Entdeckungen aus dem Mittelalter in der Walddrehnaer Dorfkirche.

Nahezu unversehrt blieb diese mittelalterliche Fensteröffnung in der Apsis der Walddrehnaer Dorfkirche. Jahrhunderte lang war sie verschlossen und wurde erst in diesem Jahr im Zuge der Restaurierung wieder entdeckt.
FOTO: Birgit Keilbach

Baugeschichte kann spannend sein. Sie bietet Einblicke in das Leben und Arbeitsweisen unserer Vorfahren vor vielen hundert Jahren.

In der mittelalterlichen Dorfkirche von Walddrehna brachte Diplom-Restaurator Lukas Böwe diese anschaulich nahe. Schon der Titel dieses Abends: „Küchendreck und Hundpfote“ wies darauf hin. Nachweise für beides fand sich während der Restaurierungsarbeiten im Innenraum des Gebäudes.

Im Mittelpunkt standen das Verschließen von Rissen, die Befestigung des mittelalterlichen Putzes und die Restaurierung der Ornamentmalereien an beiden Seiten der Apsis sowie auf dem Triumphbogen.

Dabei handelt es sich laut Lukas Böwe um gotische architektonische Maßwerk-Malerei, vermutlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts von einem Maler in Fresco-Technik ausgeführt. „Er hat sie auf den noch frischen, nicht abgebundenen Kalkputz gemalt. Dadurch wurde die Farbe Teil des Putzes und ist so gut erhalten geblieben“, erläuterte der Restaurator. Viel Zeit habe der damalige Künstler nicht dafür gehabt. „Er musste schnell arbeiten mit lockerem Pinselstrich.“ Heruntergelaufene Farbe an manchen Stellen deute gleichfalls auf die Eile hin.

Eine außergewöhnliche Entdeckung machten die Restauratoren, als sie den harten Zementputz in der Apsis hinter dem Altar entfernten. Dort kam ein mittelalterliches, tief gestaffeltes und mit den Formsteinen nahezu komplett erhaltene Fenstergewände zum Vorschein. „Das ist schon etwas spektakulär und zeigt uns den Anblick zu Zeiten des damaligen Wendisch Drehna“, ordnete Lukas Böwe ein. Fenstergewände sind kunstvolles Mauerwerk der Fenstereinfassung an Gebäuden.

Im Barock war diese Fensteröffnung zugemauert worden. Und auch in den dabei verwendeten Steinen fanden sich Zeugnisse der Vorfahren. Auf einem ist der Abdruck einer Hundepfote zu sehen. „Die Steine wurden damals von Hand gefertigt und im Freien getrocknet. Dabei ist offenbar ein Hund darüber gelaufen.“

Ein zweiter Stein weist zahlreiche, sogenannte Näpfchen auf, die in vorreformatorischer Zeit von Gläubigen ausgeschabt wurden, die damit „etwas geheiligtes Material von ihrer Kirche mit nach Hause oder auf Reisen nahmen.“ Diese Näpfchen sind noch heute an vielen Kirchenportalen in der Region zu entdecken.

Den „Küchendreck“ fanden die Restauratoren in der ersten Farbschicht auf der Holztür, die die Sakramentsnische verschließt. „Damals war es üblich, Schwarzfassungen auf Holzteilen aufzubringen. Als ein Bestandteil der Farbe wurde Küchenruß verwendet, den man beim Reinigen der Schwarzen Küche abgenommen hat“, blickte Lukas Böwe auf eine weitere Gewohnheit der Vorfahren.

Die Walddrehnaer Kirche ist seit 2011 in insgesamt vier Bauabschnitten umfangreich saniert und restauriert worden. Die Kosten dafür belaufen sich laut Annegret Gehrmann vom Förderkreis Alte Kirchen der Luckauer Niederlausitz auf rund 193 000 Euro. Für den fünften Bauabschnitt in diesem Jahr seien rund 32 000 Euro eingeplant. Der Eigenanteil der Kirchengemeinde wurde von der Denkmalhilfe des Landes Brandenburg, der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald, dem Förderkreis sowie dem Kirchenkreis Niederlausitz gefördert. „Nicht vorhersehbar waren Kosten für die restauratorische Bearbeitung des neu entdeckten mittelalterlichen Fensters. Dafür werden wir nochmals rund 6000 Euro benötigen“, erläutert die Vorsitzende des Fördervereins.

Wer dies unterstützen möchte, kann Spenden dafür auf das Konto des Förderkreises Alte Kirchen Luckau einzahlen. IBAN: DE06 3506 0190 1566 3910 11; BIC: GENODED1DKD. Dabei sollte der Verwendungszweck „Kirche Walddrehna“ angegeben werden.

Mehr zur Arbeit des Förderkreises gibt es im Internet unter der Adresse: www.kirchen-luckauer-niederlausitz.de.

LR ONLINE vom 17. November 2017

   Zur Artikelübersicht