Viel Arbeit für den schönen Klang

Heike Weißapfel

Stolpe (OGA) Fünf Monate war sie fort - nun ist die Lange-Buchholz-Orgel schon fast wieder vollständig in ihr Gehäuse in der Stolper Kirche zurückgekehrt. Am Sonnabend wird das mit einem Konzert gefeiert.

Pfeife um Pfeife in wenigen Tagen eingesetzt: Den größten Teil der Arbeit hat Jörg Stegmüller bereits in seiner Michendorfer Werkstatt geleistet.
© Foto: MZV

Die leere Empore in der Kirche ist Geschichte. Schon von unten glänzen die Prospektpfeifen neu. Oben hat es in den vergangenen Tagen nach viel Bauhandwerkskunst ausgesehen. Pfeife um Pfeife, knapp 400 Metall- und Holzpfeifen insgesamt, setzt Orgelbaumeister Jörg Stegmüller vorsichtig, aber durchaus zügig wieder an ihre Stelle. Die Hauptarbeit hat er in seiner Michendorfer Werkstatt erledigt, der Wiederaufbau benötigt vor allem Fingerfertigkeit. Die Metallpfeifen im Prospekt und andere schadhafte Pfeifen hat er erneuert, alle Pfeifen intoniert und klanglich ausgeglichen. "Ich kann nicht nach Noten Orgel spielen und würde keinen Gottesdienst begleiten", sagt Stegmüller. "Aber ich höre den Klang und kann die Orgel ausprobieren", sagt der 53-jährige Orgelbauer, der sich 2001 mit dem Handwerk selbstständig gemacht hat. "Für Jörg Stegmüller ist das Berufung, nicht nur Broterwerb", zollt Christian Ohly dem Orgelbauer Respekt. Der Kantor von Stolpe und Hohen Neuendorf hat die Restaurierung mit großem Interesse begleitet und fiebert nun schon ein wenig dem Sonnabend entgegen, wenn er erstmals wieder fürs Publikum die Register ziehen darf. Momentan übt er für das Konzert zu Hause auf einer elektronischen Orgel.

"Wir versuchen, dicht an das ursprüngliche Klangbild von Lange und Buchholz heranzukommen", beschreibt Stegmüller die strengen Vorgaben, denen eine solche Restaurierung ebenso unterliegt wie denkmalgeschützte Gebäude. Der Experte Andreas Sieling, Domkantor in Berlin, hat das Gutachten über den Zustand der Orgel und die nötigen Reparaturen geschrieben. Er kennt die Stolper Orgel gut und wird demnächst auch ein Konzert geben.

Zu den Besonderheiten der Restaurierung gehört auch der Wiedereinbau des ursprünglichen "Salizional"-Registers, der Weidenpfeife. Das Register hatte vermutlich in den 1930er-Jahren der leiseren "Aeoline" weichen müssen, die damals in Mode war.

Die Restaurierung von zwei bis drei Instrumenten schafft Stegmüller im Jahr, wobei die Stolper Orgel zu den kleineren zählt. Manual (die Klaviatur) und Pedal hat er ebenfalls restauriert sowie die ganze Orgel gereinigt.

Der nun im Gehäuse mit untergebrachte Motor für das Windwerk surrt leise, der Blaseblag wird gleichmäßig aufgebläht. Damit wird die Arbeit der Kalkanten, der Blasebalg-Treter, ersetzt. Möglich bleibt es aber durchaus, den Blasebalg mit den Füßen zu bedienen. Konfirmanden sind manchmal sehr eifrig dabei, wissen Stegmüller und Ohly aus eigener Erfahrung.

Bei der Wiedereinweihung lässt Kantor Christian Ohly am morgigen Sonnabend Musik für Orgel und Gesang erklingen. Darunter sind Werke von Johann Pachelbel, Lodovica da Viadana, Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy sowie ein Stück des zeitgenössischen Kirchenmusikers und Komponisten Manfred Schlenker. Dazu gibt es eine kurze Orgelführung. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

MOZ.de vom 17. November 2017

   Zur Artikelübersicht