AN DER KLOSTERDORFER KIRCHE HABEN SANIERUNGSARBEITEN BEGONNEN / HOFFNUNG AUF SPENDENBEREITSCHAFT

Stabilität ist die erste Forderung

Sam Dreyster

Klosterdorf (MOZ) Seit Ende 2013 ist die Kirche in Klosterdorf gesperrt. Wölbungen der Mauern, Risse, die auch die großen Feldsteine durchziehen, waren Gründe dafür. Seit etwa drei Wochen aber steht ein Gerüst am Turm und die ersten Schritte der Sanierung haben begonnen.

Beratung auf der Baustelle: der Bauleiter der Müncheberger Baugesellschaft, Dietmar Schlingelhof, Bürgermeister Lothar Arndt, Tischler Holger Schmidt und Architekturbüro-Vertreterin Diana Kaphingst (v. l.)
© Foto: Stephan Dreyse
Inmitten von Feldstein und Ziegelschutt: Facharbeiter Reinhard Zickrick erläutert gerade seine Arbeiten.
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Unverkennbar sind die Wölbungen und Risse in der zwei bis drei Meter starken Mauer der Kirche, die Ende des 13. Jahrhunderts gebaut wurde. Sogar die großen Feldsteine sind von Schäden gezeichnet. "Einzelne Steine haben sich gelöst und sogar schon das Vordach über dem Eingang zur Kirche durchschlagen", berichtet Lothar Arndt. Gemeinsam mit Diana Kaphingst von Angelis & Partner Architekten mbB aus Wismar, Dietmar Schlingelhof, Bauleiter von der Müncheberger Baugesellschaft, und dem Klosterdorfer Tischler Holger Schmidt begutachtete der Oberbarnimer Bürgermeister die Arbeiten vor Ort.

Woher die Risse und Wölbungen genau kommen konnte indes nicht genau geklärt werden. Als eine mögliche Ursache werden die beiden zusätzlichen Stützen links und rechts des Eingangs am Kirchturm gesehen. Es sei durchaus möglich, dass diese als Stabilisierung gedachten Anbauten den Bau praktisch nach unten zögen und damit eine Spannung aufbauten, die über die Zeit zu den sichtbaren Problemen führte. "Das erfordert jedoch konkretere Untersuchungen. Zunächst kümmern wir uns vorrangig um die Stabilisierung und erste Teile der Sanierung", so Diplom-Ingenieurin Diana Kaphingst.

Unterdessen entfernen die Fachleute der Müncheberger Baugesellschaft beschädigte Steine, prüfen das Mauerwerk und ersetzen einzelne Stücke. Denkmalschutz spielt dabei eine große Rolle. "Denkmalgerechte Sanierung macht praktisch 99 Prozent unserer Arbeit aus", unterstreicht Dietmar Schlingelhof. Dabei zähle vor allem Handwerk, was die Arbeit zeitaufwändig mache. "Auch Form und Farbe müssen zum Bestand passen, selbst wenn das weitere Wege bedeutet."

Um dem Jahrhunderte alten Mauerwerk Stabilität zu geben, werden äußere und innere Teile mit Stahl verbunden, wie Diana Kaphingst ausführt. In weiteren Bauabschnitten sollen der restliche Turm, Holzbelege, Glockenstuhl und Außenmauerwerk folgen.

Für die aktuellen ersten Arbeiten werden etwa 100 000 Euro Gesamtkosten veranschlagt. Um die Gesamtkosten tragen zu können, haben sich die Kirchengemeinde als Eigentümer, die Gemeinde Oberbarnim und der Klosterdorfer Heimatverein zusammengetan. "Der Heimatverein hat extra seine Satzung geändert, um auch Spenden für dieses Projekt sammeln zu können", so Arndt.

Zudem setzen er und seine Mitstreiter auf das Engagement der Klosterdorfer. Wie damals, als es um die Sanierung des Teiches ging. "Ähnlichen Erfolg erhoffen wir uns nun auch", so der Bürgermeister mit Verweis auf die gestiegene Einwohnerzahl und die damit verbundene Hoffnung in Neu-Klosterdorfer. Noch in diesem Jahr wollen sie an Türen klopfen und um Unterstützung bitten.

Für die Sanierung der Türen und Holzkonstruktionen zeichnet der Klosterdorfer Tischler Holger Schmidt verantwortlich. "Die Bauteile kommen nicht von der Stange, das wird alles eigens angefertigt", so Schmidt. Sonst mit Maßanfertigungen und Sanierungsarbeiten bis nach Usedom und Rügen unterwegs, hat Holger Schmidt einmal die Baustelle fast direkt vor der Tür. "Es ist eine Herzenssache", ergänzt der Klosterdorfer. Auch wenn der Tischler an einigen Stellen Möglichkeiten zur Optimierung sieht, muss er sich dem Denkmalschutz unterordnen und den Originalzustand wiederherstellen.

Was für Steine, die etwa vier Euro pro Stück kosten, und Mörtel gilt, gilt natürlich auch für die Holzkonstruktionen. Derzeit ist Holger Schmidt mit einer rund 2,70 Meter hohen und 1,70 Meter breiten Tür befasst.

MOZ.de vom 17. November 2017

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