Stolpe

Alte und neue Pfeifen

Nach fünfmonatiger Bauzeit ist die Lange/Buchholz-Orgel in der Stolper Dorfkirche saniert und restauriert worden. Die Prospektpfeifen glänzen viel mehr, denn die alten Zinkpfeifen wurden durch Zinn-Blei-Pfeifen ersetzt. Wie sie klingen, können Besucher am Sonnabend beim Wiedereinweihungskonzert hören.

Orgelbaumeister Jörg Stegmüller setzt die gereinigten Pfeifen in die Stolper Orgel ein.
Quelle: Enrico Kugler
 
Kantor Christian Ohly am Manualklavier, er freut sich auf das Konzert nach der kompletten Restaurierung der Orgel.
Quelle: Enrico Kugler

Stolpe. Wie sie wohl klingen wird, nachdem 393 Pfeifen gesäubert und einige von ihnen ersetzt wurden? Am Sonnabend beim Orgelkonzert anlässlich der Wiedereinweihung der Lange/Buchholz-Orgel in der Stolper Dorfkirche werden es die Konzertbesucher ab 19.30?Uhr hören. Auch Kantor Christian Ohly ist „gespannt“. Doch er macht keinen angespannten Eindruck. Denn er hat volles Vertrauen in den Orgelbaumeister Jörg Stegmüller. Dieser restauriert seit 2001 als selbstständiger Orgelbauer ein bis zwei Orgeln im Jahr. „Für Jörg ist das nicht nur ein Beruf, sondern Berufung. Bevor er mit der Arbeit an einer Orgel beginnt, nimmt er sie lange und gründlich in Augenschein. Er liebt Orgeln“, berichtet Ohly begeistert. Als ausgebildeter Kirchenmusiker, der für sieben Gotteshäuser als kirchenmusikalischer Organisator fungiert, hat Ohly Kenntnisse vom Orgelbau und richtet Kleinigkeiten selbst. Sollte sich ein Teilchen klangstörend verändert haben, macht er ein Foto, mailt es Stegmüller und fragt, ob er das so und so beheben könne.

Orgelbaumeister Jörg Stegmüller saugt alle Teile im Orgelinnenraum gründlich aus.
Quelle: Enrico Kugler
 
Blick auf die neuen Pfeifen im Prospekt und in die Kirche.
Quelle: Enrico Kugler

Vor fünf Monaten hatte der Orgelbaumeister seine Arbeit an der 1859 von Carl August Buchholz und Ferdinand Lange geschaffenen Orgel in Stolpe begonnen. Es war an der Zeit, nach der letzten Sanierung 1993 die Orgel gründlich zu reinigen und die nachgebauten Zinkpfeifen im Prospekt durch optisch und klanglich edlere Pfeifen aus Orgelmetall zu ersetzen. Dabei handelt es sich um eine Zinn-Blei-Legierung, die zu 90 Prozent aus Zinn besteht und damit den originalen Prospektpfeifen entspricht. Diese mussten nämlich 1917 für den Krieg ausgebaut werden. 1940 baute die Firma Schuke die fehlenden Register als Zinkpfeifen nach.

Der Berliner Domkantor Andreas Sieling hatte für die jetzige Restaurierung der Stolper Orgel ein Gutachten erarbeitet und empfohlen, den originalen Zustand von 1859 wieder herzustellen. Danach war das 1980 wohlmeinend aufgetragene hochgiftige Holzschutzmittel zu dekontaminieren. Stegmüller sollte die Orgel ausreinigen. Denn Staub in der Orgel und den Pfeifen beeinträchtigte die Stimmbarkeit. Zudem ersetzte er schadhafte Teile wie Tasten des Manualklaviers. Mit der Verlegung eines leise laufenden Motors in das Orgelgehäuse ist eine neue Windmaschine in die Orgel eingebaut worden. Die bisherige befand sich auf dem Dach. Mit der Restaurierung der Pfeifen ist ein ehemaliges Moderegister durch das originale Register der Weidenpfeife (Salicional) ersetzt worden.

Organist Christian Ohly übt fleißig zu Hause das Programm für das Wiedereinweihungskonzert am Sonnabend. Er freut sich, dass „wir in der Stolper Dorfkirche wieder ein schönes, gescheites, ordentliches Instrument haben“ mit alten und neuen Pfeifen im Zusammenspiel.

Von Marion Bergsdorf

Märkische Allgemeine vom 15. November 2017

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