Schlosskirch-Verein macht Orgelbau möglich

Altdeutsche Schieferdeckung für den Jeßnigker Kirchturm

Lauchhammer. In historischer Stätte in Lauchhammer soll wieder Orgelmusik ertönen. Frisches Geld für die Sanierung gab’s nun von Lotterie-Sparen. Von Jan Augustin

Diese Orgel in der Schlosskirche in Lauchhammer-West bekommt bald wieder ein Innenleben: Friedrich-Wilhelm Heßmer und sein Förderverein haben jahrelang Gelder gesammelt.
FOTO: Jan Augustin / LR

Mit einem alten abgewetzten Eisenschlüssel öffnet Friedrich-Wilhelm Heßmer die Tür zur Schlosskirche. Drinnen fröstelt es zwar genauso wie draußen. Doch der kleine Raum mit seinen durch den Dresdner Barock geprägten Holzeinbauten in Elfenbeinweiß und Gold, den geschwungenen Linien und Formen wirkt warm und freundlich. Auch die Herbstsonne schafft es ins Innere. Das Licht bricht sich durch das Original-Fensterglas von 1746 - erklärt der Vorsitzende des Schlosskirchen-Fördervereins - und taucht das Gotteshaus in einen besonderen Glanz. Die fast perfekte Kirchenstimmung wird nur durch einen Makel gestört: Die Orgel fehlt. Nur der der schon sanierte Prospekt, also der Rahmen, ist noch vorhanden.

Der Förderverein will das ändern und sammelt seit Jahren Geld, um eine neue Orgel bauen zu lassen. „130 000 Euro haben wir schon zusammen“, sagt Friedrich-Wilhelm Heßmer stolz. Das reiche für den ersten Bauabschnitt. Insgesamt seien 180 000 Euro notwendig. Im kommenden Jahr soll es losgehen. Aktuell wartet der Verein nur noch auf den Segen der Kirche. Die Genehmigung soll aber in den nächsten Tagen eintreffen, hofft Friedrich-Wilhelm Heßmer.

Eine ordentliche Summe hat der Förderverein am Dienstag erhalten. Die Sparkasse Niederlausitz hat, wie zweimal im Jahr, wieder seine Zweckerträge aus dem hauseigenen Produkt „PS-Lotterie-Sparen“ ausgeschüttet. 50 000 Euro sind an 34 Vereine aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis verteilt worden (siehe Grafik). Der Verein aus Lauchhammer erhält mit 3000 Euro die größte Summe.

Friedrich-Wilhelm Heßmer freut sich natürlich über das Geld. „Das spornt jetzt wieder an“, sagt der 75-Jährige. Mit dem Spendensammeln kennt sich der Förderverein bestens aus. 2004, als der Verein gegründet wurde, begann die umfangreiche Sanierung des Gebäudes. Fünf Jahre lang dauerten die Arbeiten, 370 000 Euro standen zur Verfügung. Der Großteil waren Fördergelder des Landes. Die Stadt Lauchhammer und der Förderverein stemmten aber den benötigten Eigenanteil von etwa 45 000 Euro, erinnert sich Friedrich-Wilhelm Heßmer, der nur wenige Gehminuten vom ehemaligen Schlosspark entfernt sein Zuhause hat.

Wer die Orgel gebaut hat, ist nicht bekannt. Während des Ersten Weltkrieges seien sämtliche Orgelpfeifen eingeschmolzen worden. Die nächste gründliche Restauration durch die Firma Vogt aus Liebenwerda ist im Jahr 1939 dokumentiert. Die Orgel wurde damals in den Registern ergänzt, gründlich gereinigt und neu intoniert, erklärt Friedrich-Wilhelm Heßmer. 50 Jahre später musste sie aber wegen Wurmbefalls bis auf den Prospekt und die Pfeifen demontiert werden.

Schlossherrin Freifrau von Löwendal, die als Begründerin des Industriestandortes Lauchhammer gilt, ließ die Schlosskapelle in Mückenberg als Kirche im Jahr 1746 für die Einwohner von Schlossbezirk und Gut errichten. Markant ist der Dachreiter mit Uhr und Glocke sowie zwei vergoldeten Kreuzen auf den Dachspitzen. Auf der Südseite gibt es eine Sonnenuhr. Gebaut wurde die Kirche wahrscheinlich von Julius-Heinrich Schwarze (1706 - 1775), dem Erbauer des Coselpalais in Dresden. Vom Schloss ist allerdings nichts mehr vorhanden. Es brannte kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges völlig aus. Die letzten Ruinen wurden 1969 abgetragen, erinnert sich der Vereinsvorsitzende Friedrich-Wilhelm Heßmer. Die Umrisse des Schlosses sind aber durch eine Hecken-Bepflanzung noch erkennbar.

LR ONLINE vom 14. November 2017

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