Reetz

Die Sanierung der Orgel hat begonnen

Was lange währt, wird endlich gut: Seit Jahrzehnten wartet die Orgel in der Dorfkirche von Reetz darauf, erneuert zu werden. Wegen ihrer seltenen Funktionsweise ist sie für de Fläming-Region besonders wertvoll. Nun ist ein Orgelbaubetrieb mit Fachmännern aus Sachsen-Anhalt angereist und nimmt das Instrument in seine Einzelteile auseinander.

Beim Auseinanderbauen bietet sich ein seltener Blick in das Innere der Orgel.
Quelle: Eva Loth

Reetz. Von der Reetzer Orgel ist nur noch das Gerüst übrig. Das mehr als 100 Jahre alte Instrument wird saniert. Mitarbeiter eines Orgelbaubetriebs aus Halberstadt sind reinigen die Pfeifen und setzen derzeit alles Defekte wieder Instand. „Endlich“, sagt Pfarrer Stephan Schönfeld. Viele Teile sind wurmstichig und verbeult. Sie bedürfen einer Spezialbehandlung.

Das betrifft auch die Bälgchen und Membranen. Letztere seien noch im Originalzustand von 1904, erklärt Orgelbauer Matthias Godderidge, aber extrem wichtig. Durch den Luftdruck auf die Membranen werden die darüber liegenden Kegel angehoben, so dass die Orgel Töne hervorbringt.

Orgelbauer Matthias Godderidge zerlegt das marode Instrument in seine Einzelteile
Quelle: Eva Loth

Dieses pneumatische System ist bei den alten Kircheninstrumenten in der Fläming-Region selten. Die meisten funktionieren auf mechanische Weise, also mit größerem Kraftaufwand der Organisten. Als bedeutender Teil der Orgellandschaft des Hohen Flämings hatte die Orgel in Reetz daher schon immer Bedeutung über die gottesdienstliche Nutzung hinaus.

Auch die Windanlage der Reetzer Orgel wird geprüft. Bei ihr geht derzeit durch kleine Löcher viel verloren. Das Spielwerk unter dem Orgeltisch muss repariert werden. „Mehrere Register der Orgel erzeugen sogenannte Heuler, stellen den Ton also nicht mehr ab“, erläutert Florian Jakubowski vom Gemeindekirchenrat Wiesenburg, „die gesamte Fußklaviatur klemmt an mehreren Stellen und funktioniert nicht mehr.“ Und das ist nicht alles: Ein Manual sei gar nicht mehr bespielbar und die Belederung des Instrumentes verschlissen. Seit September ist auch die vom Holzwurm befallene Pedalklaviatur ausgefallen. Holz- und Zinnpfeifen müssen repariert werden.

32 000 Euro kostet die Sanierung insgesamt. Dazu steuert der Bund 10 000 Euro Fördermittel bei, die Mittelbrandenburgische Sparkasse 5000 Euro. Der Rest kommt mit 5100 Euro aus der Kirchengemeinde und 12 500 Euro vom Verein „Miteinander – Füreinander“, die lange Spenden für ihre Orgel gesammelt hatten.

Von Eva Loth

Märkische Allgemeine vom 13. November 2017

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