IN STOLPE GRüNDEN EINWOHNER EINEN VEREIN, UM DIE FRIEDHOFSKAPELLE WIEDER NUTZBAR ZU MACHEN

Vision von einer Kulturkapelle

Daniela Windolff

Stolpe (MOZ) Kulturkapelle Stolpe nennt sich ein Verein, den rührige Einwohner des Angermünder Ortsteils am Nationalpark gründen wollen. Der Name ist Programm. Die historische Friedhofskapelle soll aus dem Dornröschenschlaf erweckt und künftig auch kulturell genutzt werden.

Gemeinsam wird angepackt: Die kleine Friedhofskapelle in Stolpe soll nach vielen Jahren der Schließung als Kulturkapelle nutzbar gemacht werden. Dazu gründeten Einwohner des Dorfes einen Verein, der schon 36 Mitglieder hat.
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Eimerweise Schutt: Rund um die Kapelle legen Helfer die Wege und Treppen frei, die über Jahre zugewuchert sind.
© Foto: MOZ/Daniela Windolff

In Stolpe wird wieder ein alter Schatz gehoben, der jahrelang verborgen im Dornröschenschlaf dämmerte. Die kleine Friedhofskapelle, die nur Ortskenner finden, soll wieder nutzbar gemacht werden und ihre schlichte Schönheit zur Geltung kommen. Das haben sich engagierte Einwohner des Dorfes vorgenommen und große Pläne für die kleine Kapelle. "Wir wollen das wunderschöne Gebäude in Eigeninitiative sanieren und es nicht nur wieder für Trauerfeiern und Gottesdienste, sondern auch für kleine kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen oder Konzerte nutzbar machen", erklärt Sigrid Jordan-Nimsch.

Die gebürtige Stolperin wurde einst in dieser Kapelle getauft und konfirmiert. Jetzt ist sie die Vorsitzende eines Vereins in Gründung, der dieses historische Kleinod, das seit Jahren baufällig ist und geschlossen werden musste, retten will. Kulturkapelle Stolpe nennt sich der Verein, der schon 36 aktive Mitglieder hat. Und es kommen immer wieder neue Anträge. Es sind Bürger aus Stolpe, dem Nachbarort Crussow und aus Berlin, Alteingesessene, Zugezogene, Zurückgekehrte und Wochenend-Stolper, Opernsängerin und Filmemacher, Tischler und Bauunternehmer, Pädagoge und Landwirt, freischaffender Bildhauer und Angestellte, junge Leute und alte, die diese gemeinsame Vision verbindet. Und die nicht nur träumen und planen, sondern richtig zupacken.

Am Wochenende trafen sich über 30 Einwohner zu einem großen Arbeitseinsatz auf dem Friedhof. Das Gebäude musste entrümpelt, von Schmutz und Spinnweben befreit, die Zuwe-gung sowie die Außentreppe freigelegt werden, die über die Jahre vollkommen zugeschüttet und nicht mehr begehbar war. Die Hilfsbereitschaft im Dorf ist groß.

Bauunternehmer Jens Cyris, einer der Initiatoren des ehrgeizigen Projektes, stellte Technik zur Verfügung, Ortsbürgermeister Burkhard Grambauer machte ein bisschen Geld aus den knappen Verfügungsmitteln des Ortsbeirates locker und unterstützt die Initiative, der Containerdienst Ihlow ist mit im Boot. Die ortsansässigen Filmemacher Anja Freyhoff und Thomas Uhlmann packen nicht nur beim Aufräumen zu, sondern halten alles dokumentarisch im Film fest, Nachbarn bringen Kaffee, Kuchen und Salate vorbei. Und so wird aus dem Arbeitseinsatz zugleich ein Vereinstreffen, bei dem man über die nächsten Schritte und künftige Nutzungsmöglichkeiten plaudert.

"Stolpe ist ein bezaubernder Ort mit einem besonderen Zusammenhalt der Einwohner, egal ob alteingesessen oder zugezogen, Ossi oder Wessi. Das gibt es nicht in jedem Dorf", schwärmt Claudia van Hasselt. Die ausgebildete Opernsängerin zog aus der Großstadt in das uckermärkische Nationalparkdorf und fühlt sich im Herzen schon als Stolperin. Sie kann sich vorstellen, in der kleinen Kapelle schon zu Weihnachten ein kleines Konzert zu veranstalten. Ein altes Harmonium hat die Zeit überdauert.

Die Kapelle wurde 1832 von der Postagentin i. R. Anna Meyer gestiftetet. Eine Kirche hat Stolpe nicht mehr. Sie wurde 1936 gesprengt.

"Ich freue mich, dass es hier losgeht", meint Anne Hildebrandt. "Der Raum ist fantastisch und nicht so groß. Er könnte auch ein neuer Gastspielort der Uckermärkischen Musikwochen werden, die ja ungewöhnliche Konzertorte suchen", findet auch Anja Freyhoff.

Mit dem Angermünder Bürgermeister Frederik Bewer wird es noch im November ein Gespräch über einen Nutzungsvertrag geben. Mit der Kirche ist man im Gespräch.

MOZ.de vom 08. November 2017

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