Marienkirche Dahme

St. Marien erinnert an Reformator

Daniela Windolff

Dahme. Die Hauptkirche in Dahme ist als Denkmal des Monats im November im Land Brandenburg ausgezeichnet worden. Das Gotteshaus war in mehreren Abschnitten sehr aufwändig saniert worden.

Die Dahmer Hauptkirche St. Marien erstrahlt nach umfangreicher Sanierung wieder in barockem Glanz.
Foto: Birgit Keilbach

„Reformation – eine Bewegung findet Stadt“ lautet das diesjährige Motto der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg. Doch was verbindet Dahme, das 1517 noch dem Erzbistum Magdeburg angehörte und damit streng katholisch regiert wurde, mit der Reformation? Es ist Georg Buchholzer. 1503 wurde er in Dahme geboren, studierte in Wittenberg Theologie und gehörte als Student zum engeren Kreis um Martin Luther. „Im Jahr 1539 hielt er den ersten evangelischen Gottesdienst in Berlin“, ordnete Pfarrer Carsten Rostalsky die Bedeutung dieses Dahmer Sohnes für die Reformation ein. Er nahm die Urkunde und Plakette als sichtbares Zeichen der Würdigung denkmalgerechter Sanierung des Kirchenbaus aus den Händen von Bodo Broszinski entgegen. Der Vorsitzende der Regionalgruppe Südost der Arbeitsgemeinschaft und Bürgermeister von Doberlug-Kirchhain bezeichnete es als sehr passend, dass zum Reformationsjubiläum ein sakraler Bau mit der Auszeichnung bedacht werde. Auch wenn das Epizentrum der Reformation in Wittenberg gelegen habe, „so hinterließen die Reformatoren schon bald auch im Süden der Mark Brandenburg ihre Spuren.“ Er gratulierte der Kirchengemeinde und der Stadt Dahme, dass es gelungen ist, die Kirche wieder in ihrem barocken Glanz erstrahlen zu lassen. Mit dem Bildnis von Georg Buchholzer in einem der wiederhergestellten Bleiglasfenster neben der Kanzel bestehe zudem dauerhaft ein direkter Bezug zur Reformation.

Die Dahmer Hauptkirche St. Marien wurde in mehreren Bauabschnitten grundlegend saniert. Von 2006 bis 2009 erhielt der Turm eine grundlegende Erneuerung. Im zweiten Bauabschnitt von 2011 bis 2014 mussten im Inneren des Kirchenschiffs die Holzteile komplett entgiftet und zum Teil erneuert werden. Vom Dachfirst bis zum Fußboden erhielt das Gotteshaus eine Komplettsanierung, deren Ergebnis heute innen und außen zu bewundern ist. Rund 2,4 Millionen Euro flossen in das Großvorhaben Kirchensanierung, an dem sich auch viele Einwohner mit Spenden beteiligten.

„Es ist eine tolle Anerkennung für die Gemeinde und ihre Kirche“, freute sich Pfarrer Wolfgang Scholz aus Illmersdorf. Viele schöne Erlebnisse verbinden sich für ihn mit dieser Kirche. Die Phase der Turmerneuerung habe er aktiv miterlebt. „Das war spannend, was wir damals in der Turmkugel gefunden haben“, erinnerte er sich. Erhard Hausmann hat als ehemaliger Kirchenältester schon vor der Wende vieles mitgemacht, was zum Erhalt von Kirche und den benachbarten Gebäuden beitrug. „Nach der Wende haben wir als erstes eine neue Glocke gießen lassen, waren mit Pfarrer Koopmann selbst dabei“, erzählt der Dahmenser. Sowohl bei der Turmsanierung als auch der aufwändigen Restaurierung und Sanierung des Kirchenschiffs habe die Kirchengemeinde bei vielen organisatorischen Sachen mitgeholfen. „Wir haben mit dem Architekten Uwe Mücklausch eng zusammengearbeitet und es war ein großer Aufwand, alles aus der Kirche heraus zu räumen“, erinnert er sich. Heute sei der Aufwand vergessen. „Denn es hat sich gelohnt, so schön, wie unsere Kirche wieder geworden ist“, resümiert Erhard Hausmann.

Eine Ausstellung mit Bildtafeln zu verschiedenen Persönlichkeiten der Reformation sowie mit Briefmarken, die anlässlich der Luther-Ehrung in Deutschland herausgegeben wurden, ist seit Samstag im Südschiff der Dahmer Marienkirche zu sehen. Herzstück dieser Exposition ist ein restauriertes Lutherbuch aus dem Jahr 1566. Es ist der dritte Teil von insgesamt vier Büchern mit Mitschriften von Luthers Predigten durch den Reformator Georg Rörer. „In einem Vorwort wird die Echtheit dieser Mitschriften von Philipp Melanchthon handschriftlich bestätigt, bereits sechs Jahre vor dem Druck“, weist Wilhelm K.H. Schmidt hin. Er ist der Urenkel der früher in Dahme ansässigen Tuchmacherfamilie Wilhelm Karl Schmidt. Das authentische Zeitzeugnis sei seit sechs Generationen im Besitz seiner Familie. „Es hat sogar den Stadtbrand von 1666 überstanden, lag vermutlich unter Schutt, der es schützte“, berichtet der heute im Prenzlau lebende Nachfahre.

LR ONLINE vom 06. November 2017

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