40 HEIRATSWILLIGE WäHLTEN DIESES JAHR DAS IDYLLISCHE ALTTHYMEN AUS, UM SICH DORT DAS JA-WORT ZU GEBEN

Kirchenruine lockt Hochzeitspaare an

Thomas Pilz

Altthymen (GZ) Zurück zur Natur - so lautet offensichtlich für junge Paare, die sich vermählen wollen, der Wahlspruch. Im idyllisch gelegenen Altthymen zum Beispiel, wo die Stadt Fürstenberg in ihrer kommunalen Kirche ein Trauzimmer unterhält, geben sich immer mehr Paare das Ja-Wort. Inzwischen finden sich auch Wasserstädter ein und wollen dort heiraten.

Ort zum Verlieben: Die alte Kirchenruine in Altthymen strahlt etwas Besonderes aus.
© Foto: GZ/Thomas Pilz

"Warum in die Ferne schweifen" werden sich Kadri (geb. Baer) und Felix Becker gesagt haben: Die jungen Leute waren das erste Fürstenberger Paar, das sich in der Kirche Altthymen trauen ließ, wie Altthymens Ortsvorsteher Manfred Saborowski (Die Linke) nicht ohne Stolz berichtet. Am 22. Juli war der große Tag für beide. "Das Wunderbare ist gewesen, dass bereits ein Kind unterwegs war, die Frau war hochschwanger", merkt er an.

Abgesehen davon: Der positive Trau-Trend, sich in der Kirche amtlich binden zu lassen, hält unvermindert an. Sage und schreibe 20 Zeremonien für Heiratswillige wurden 2017 in dem Oberhavel-Nordlicht abgehalten. Für Manfred Saborowski ein deutliches Zeichen, dass die jahrelangen Bemühungen nicht zuletzt des Heimatvereins "Zukunft Altthymen" immer stärker Früchte tragen.

Keine Frage, das liegt auch an dem reizvollen Gegensatz der räumlichen Gegebenheiten. So strahlt das frühere Gotteshaus dank seines ruinösen Aussehens etwas Mystisches aus, flankiert von einer paradiesischen Stille inmitten sanfter mecklenburgischer Hügellandschaft. Einen Rückzugsort finden Paare mithin vor, der dank seiner Abgeschiedenheit, Tradition und Moderne zu verbinden scheint - Motto: "In der Ruhe liegt das Ja-Wort".

"Wobei wir inzwischen nicht nur weltliche Eheschließungen hatten, sondern auch eine kirchliche", weiß der Ortsvorsteher zu berichten.

Doch damit nicht genug: Es sei 2017 die erste sogenannte freie Trauung abgehalten worden. Darunter verstehe man eine weltliche, standesamtliche Vermählung in kirchlichem Ambiente, erklärt der Ortschef, der überdies weiß, "wer rastet, der rostet". Weil heutzutage nichts ein Selbstläufer ist, sondern alles mühevoll erarbeitet werden muss, wird unter seiner tatkräftigen Mithilfe und mit Unterstützung des Heimatvereins das Altthymener Hochzeits-Jahr 2018 schon vorbereitet.

Und siehe da: Neun Hochzeiten in der Altthymener Kirche seien schon fest eingeplant. "Das bemerkenswerte ist diesmal, dass wir auch Kandidaten haben, die von ganz weit weg kommen, nämlich aus Frankfurt/Main", erklärt Saborowski. Dies sei ein Beleg dafür, dass sich das idyllische Dorf immer mehr herumspricht, bei Heiratswilligen und auch bei Urlaubern oder Ausflüglern.

Darauf weist auch Henny Steinke vom Heimatverein hin. Dass der Ort so attraktiv werde und nicht allein Hochzeiten inzwischen in dem abseits gelegenen Dorf stattfinden, "geht ganz klar auf das Konto des Heimatvereins und des Vorsitzenden Manfred Saborowski", betont sie. Das ganze Jahr über seien Aktivitäten zu verzeichnen. Sie erinnere nur an das Osterfeuer, das erneut mit großer Beteiligung stattfand. Ostermontag hatte die evangelisch-lutherische Gemeinde Fürstenberg ihren Gottesdienst in Altthymen veranstaltet, erinnert Steinke. Und unter den Trauungen sei diesmal auch eine Bauernhochzeit im alten Stile gewesen.

Im Foyer der Kirche wiederum wurden Ausstellungen gezeigt, so von Almut Unger und Thomas Lauke, organisiert vom Heimatverein. Und für das erste Adventswochenende wird die beliebte Weihnachtsfeier vorbereitet - unter dem Herrnhuter Stern.

MOZ.de vom 06. November 2017

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