Kirche des Müncheberger Ortsteils Hoppegarten im 18. Jahrhundert als Ersatz für maroden Fachwerkbau errichtet / MOZ-Serie Teil 26

Patient Orgel kommt bald in Behandlung

Thomas Berger

Hoppegarten/Mü (MOZ) Sie sind in der Regel die ältesten Bauwerke ihrer Orte, steinerner Brückenschlag zwischen den Jahrhunderten. Die MOZ stellt in einer Serie die Kirchen vor. Heute: Dorfkirche Hoppegarten bei Müncheberg.

Ein verputzter Backsteinbau, massiv gemauert mit Westturm: Die heutige Dorfkirche in dieser Grundgestalt ersetzte seinerzeit den alten Fachwerkbau, der im frühen 18. Jahrhundert völlig marode war.
© Foto: Thomas Berger
 
Pfarrerin Karin Bertheau und Fahrradkantor Martin Schulze als Orgelfachmann am Instrument der Hoppegartener Kirche: Das Pfeifenwerk ist zwar grundsätzlich in Ordnung, eine Fülle kleinerer Sanierungsmaßnahmen ist aber dringend angeraten.
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Sie ist zwar grundsätzlich intakt, hat aber ihre Wehwehchen. Wie ein Patient, der unter einer starken Erkältung leidet. Bedrohlich ist zwar keines der Symptome, dennoch bedeuten Husten, Schnupfen und Heiserkeit mancherlei Einschränkungen. Ähnlich sieht es bei der Orgel in der Dorfkirche des Müncheberger Ortsteils Hoppegarten aus. Wie ein Arzt untersucht Martin Schulze das Instrument, teilt Pfarrerin Karin Bertheau seine Diagnose mit. "Das Pfeifenwerk sieht relativ gut aus", sagt er zwischendurch. Vorher war schon die generelle Feststellung gefallen: "Bespielbar ist sie, das ist alles nichts Gravierendes." Alles - das sind die kleinen Schäden, die behoben werden müssen. Zerfressene Filzstücke, im Holz hier und da etwas Wurmbefall. Auch eine komplette Auslagerung und Reinigung des Pfeifenwerks seien durchaus zu empfehlen.

Es ist ein spezieller "Orgel-Doktor", mit dem sich Karin Betheau an diesem Tag in Hoppegarten verabredet hat. Schulze ist freiberuflicher Kirchenmusiker aus Frankfurt, bekannt als Fahrradkantor. Um die 15 000 Kilometer legt er alljährlich mit dem Rad zurück, um zwischen Lausitz und Prignitz, ja bis ins Mecklenburgische die Orgeln in Dorfkirchen zum Klingen zu bringen. An diesem Tag geht er den großen Katalog an Zustandsbeschreibungen und empfohlenen Maßnahmen durch, den eine Orgelbaufirma erstellt hat. Alles solide, im Einklang mit seinen eigenen Untersuchungen, befindet er am Ende. Und legt dem Gemeindekirchenrat dringend nahe, das Angebot anzunehmen. Zumal es sich bei dem Unternehmen aus Eberswalde gewissermaßen um einen Nachfolger jener Firma Friedrich Kienscherf handelt, die das Instrument um 1890 gebaut hat.

Hoppegarten hat nur wenige Kirchgänger, Gottesdienste am Ort sind eher selten. Dennoch lohnt sich die Ausgabe für die Orgelsanierung, findet die Pfarrerin - denn es ist die einzige Orgel im ganzen Pfarrsprengel Müncheberger Land. Es gebe einige Nachwuchsorganisten, die hier üben könnten, ebenso könne sie den Konfirmanden an dieser Stelle eine Orgel ganz direkt erklären. Zudem will sich die örtliche Jagdgenossenschaft mit einem größeren Beitrag an den Kosten beteiligen.

Verglichen mit den meisten anderen Orten der Umgebung, ist die Hoppegartener eine eher junge Kirche. Was der Besucher heute sieht, ist zu wesentlichen Teilen ein Neubau aus dem frühen 18. Jahrhundert. Die Fachwerkkirche, die zuvor vermutlich an gleicher Stelle stand, war inzwischen so marode geworden, dass der damalige Pfarrer Bessel sogar in einem Schriftstück aus dem Jahr 1712 überliefert über ihren heruntergekommenen Zustand klagte. Aus den Gefachen der Mauern waren große Brocken herausgebrochen, auch das Strohdach beschädigt, und durch das Innere fegte der Wind ... Also wurde das heutige Bauwerk errichtet, ein Backsteinbau in Saalform mit zugehörigem Westturm, alles massiv gemauert und verputzt. Aus alten Unterlagen, die vor allem der inzwischen verstorbene Heimathistoriker Klaus Stieger durchforscht und aufbereitet hat, geht zudem einiges zur damaligen Innenausstattung hervor. Die Rede ist von einem Kanzelaltar, den Christian Friedrich Sprung 1733 fertig stellte, und drei Jahre später abgeschlossenen Malereien des Buckowers Johann Barath, der im Altar Bilder der Evangelisten sowie eine Nachbildung von da Vincis berühmtem Abendmahl unterbrachte.

Ein schweres Unglück traf die Kirche in den späten Abendstunden des 11. Juni 1966. Gegen 22.30 Uhr war bei einem Gewitter der Blitz eingeschlagen, und neben der Hoppegartener Feuerwehr mühten sich auch die Kollegen aus Müncheberg, Schönfelde und Eggersdorf, den Brand zu löschen. Ein Großteil des Turms, dessen Gebälk weitgehend verbrannt war, ließ sich aber nicht mehr retten. Im Zuge des Wiederaufbaus 1969 wurde auch das Kircheninnere renoviert, der alte Kanzelaltar durch einen moderneren ersetzt, kleine bauliche Veränderungen vorgenommen. Allerdings offenbar nicht jede Maßnahme mit bester Qualität in der Ausführung, so dass in den Neunziger-Jahren erneut umfassende Arbeiten nötig wurden: Die Dachkonstruktion wurde erneuert, das Dach neu eingedeckt, auch die ganze Außenhülle noch einmal frisch verputzt. Obwohl die Kirche aber sogar eine Regenrinne hat, ist das untere Mauerwerk heute feucht, blättert der seinerzeit erneuerte Putz wie die Schuppen eines Fisches.

Im Turm hängt heute nur eine einzelne Glocke neueren Datums. Die beiden früheren wurden im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen. Neben einer größeren, 75 Zentimeter im Durchmesser, hing im Kirchenneubau eine kleinere, mittelalterliche Glocke, die schon in der früheren Fachwerkkirche mit ihrem Geläut zum Gottesdienst gerufen und bei Gefahren Alarm gegeben hatte.

MOZ.de vom 12. Oktober 2017

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