Jühnsdorf

50 000 Euro für die Wiederauferstehung der Orgel

In Jühnsdorf bahnt sich erneut ein kleines Wunder an. Von den benötigten 210 000 Euro für die Rekonstruktion der Kirchenorgel ist bereits ein Viertel erreicht. Am Freitag enthüllte die Gemeinde das Spendenbarometer. Pfarrer Steffen Wegener verriet auch, wann die Orgel zum ersten Mal wieder erklingen soll.

Mit einem Dinner im Stil der 20er Jahre und einem Stummfilm haben die Mitglieder der Kirchengemeinde für die Spendenaktion zugunsten der Jühnsdorfer Orgel geworben.

Jühnsdorf. Wenn Steffen Wegener über die Jühnsdorfer Kirche spricht, benutzt er oft das Wort „Wunder“. Als er vor sieben Jahren die Stelle in Blankenfelde antrat, wollte er alles sein, nur kein „Baupfarrer“. Doch er wurde genau das. Die kleine Kirche in Jühnsdorf ist gewissermaßen sein Gesellenstück. Erst gelang es ihm mit seiner Gemeinde, den maroden Kirchturm zu sanieren; vor einem Jahr erklangen die drei neuen Glocken zum ersten Mal. „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“, zitiert Steffen Wegener den israelischen Staatsgründer David Ben-Gurion am Freitagabend.

Denn in Jühnsdorf kündigt sich ein neues kleines Wunder an. Als Steffen Wegener gemeinsam mit Peter-Michael Seifried, dem Kantor des Kirchenkreises Zossen, das Spendenbarometer für die Jühnsdorfer Orgel enthüllt, zeigt dieses einen Stand von 50 000 Euro an. 210 000 Euro soll der Wiederaufbau des Instruments kosten, von dem nur noch die Hülle vorhanden ist. Ein Viertel des Wunders haben Firmen und private Spender seit Mai bereits geschafft.

Kirche soll zum Ort der Kultur werden

Steffen Wegener möchte der kleinen Kirche ihre Stimme zurückgeben, doch er hat noch viel mehr vor. „Ich möchte sie von einem Ort des Kults zu einem Ort der Kultur machen“, sagt er. Seit langem schon finden in Jühnsdorf Konzerte und Veranstaltungen statt. „Wir hatten in diesem Jahr schon zwei amerikanische Chöre zu Besuch“, sagt Bärbel Wunsch, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrats. Einer der Chöre war direkt von einem Auftritt in der Leipziger Thomaskirche nach Jühnsdorf gereist. Wenn in der kleinen Dorfkirche die Musik erklingt, sind die Plätze voll. „Wir sind erstaunt, woher die Leute kommen“, sagt Bärbel Wunsch. Viele Besucher öffnen bereitwillig ihr Portemonnaie und spenden für die Orgel.

Am vergangenen Freitag hat Kreiskantor Peter-Michael Seifried mit an der großen Werbetrommel gerührt. Gemeinsam mit dem Blankenfelder Verein „Kino-Kultur“ wurde der Stummfilm „Luther“ von 1927 in einer restaurierten Fassung gezeigt. Peter-Michael Seifried begleitete das Epos über das Leben des Reformators zwei Stunden lang am Harmonium und dem Orgelpositiv, das seit Jahren für den Klang in der Jühnsdorfer Kirche sorgt. Passend zum Film hatten sich mehrere Mitglieder der Kirchengemeinde im Stil der 20er Jahre gekleidet.

Im Dezember 2019 soll die Orgel wieder erklingen

Als Steffen Wegener und Peter-Michael Seifried das Spendenbarometer enthüllten, ging ein Raunen durch den Raum und es gab Applaus. Selbst die gläsernen Orgelpfeifen, in denen grüner Sand den Stand der Spenden anzeigt, ist gesponsort – von der Firma Kunststoffverarbeitung Potsdam. „Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen Anteil an unserer kleinen Kirche nehmen“, sagt Steffen Wegener. Er sei deshalb guter Dinge, dass es mit dem Wunder klappt. Der Termin steht bereits fest: Am 20. Dezember 2019, ihrem 150. Geburtstag, soll die Jühnsdorfer Orgel erstmals wieder erklingen.

Am kommenden Dienstag um 19 Uhr tritt der Madrigalchor der Philharmonie Jena in Jühnsdorf auf.

Von Christian Zielke

Märkische Allgemeine vom 01. Oktober 2017

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