Tatjana Littig

Fürs neue Antlitz gerüstet

Wulfersdorf (MOZ) Die Dorfkirche in Wulfersdorf wird saniert. Von außen und innen soll sie auf Vordermann gebracht werden. 352 000 Euro sind dafür eingeplant - einen Teil der Kosten trägt der Förderverein der Kirche. Laut Planung sollen die Arbeiten im Frühjahr abgeschlossen sein.

Außer Gefecht gesetzt: Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister steht vor der eingerüsteten Dorfkirche in Wulfersdorf. Bis zum Frühjahr sollen die Arbeiten am und im Gebäude abgeschlossen sein.
© MOZ/Tatjana Littig

Was lange währt, wird endlich gut, behauptet der Volksmund. Von der Kirche in Wulfersdorf wird man das hoffentlich auch kommendes Jahr sagen können. Das schmucke Gotteshaus, auf einem Berg gelegen, ist seit rund vier Wochen eingerüstet. Die Einfriedung des Friedhofs drumherum ist verschwunden. Der Grund: Die Kirche soll saniert werden - endlich. "Der Sanierungsbedarf wurde schon 2003 angezeigt", berichtet Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister vor Ort. Denn: Das Dach ist undicht. Wenn es regnet, dann regnet es rein. Weil aber auch das Dachtragwerk angegriffen ist, konnten Dachsteine nicht einfach getauscht werden.

Inzwischen sind die ersten von ihnen runter. Es seien ganz alte gebrannte Ziegel, erzählt der 48-Jährige. Geplant ist, einen Teil der Ziegel als Erinnerung an die Sanierungsarbeiten zu behalten. Der andere Teil soll neue Besitzer finden. Die abgenommenen Dachsteine geben den Blick auf das Tragwerk frei. Der beauftragte Zimmermann hat es sich angesehen. Sein Urteil fällt - nur wenig überraschend - vernichtend aus. "Die Balken haben sich fast aufgelöst", sagt der Pfarrer. "Sie werden in der Länge und im Querschnitt voll ersetzt, weil sie vom Schwamm befallen sind."

Das Holz ist bestellt. Folgner-Buchheister rechnet damit, dass der Zimmermann Ende Oktober mit dem Austausch der Balken beginnen kann. Dem Pfarrer wäre am liebsten, wenn im Anschluss gleich die Maurerarbeiten stattfinden könnten. "Wir müssen sehen", kommentiert er den Ablauf. Sobald der Frost da ist, muss das nämlich warten. Nach dem Maurer ist der Dachdecker an der Reihe. Und wenn das Dach fertig ist, dann gehen die Arbeiten im Inneren der Kirche weiter.

Was nur weiß, wer durch die historische Tür den Kirchenraum betritt: Das Mobiliar und die Empore sind mit aufwendigen Bauernmalereien verziert. Die Malereien seien besonders, wenn auch nicht besonders alt, erklärt der Pfarrer. Er tippt darauf, dass sie aus den 1920er-Jahren stammen. Die Frage sei, ob der derzeitige Zustand fixiert oder der von einst wieder hergestellt werden soll. Die Kirchengemeinde hat darauf noch keine Antwort gefunden. Gemeinsam mit Restauratoren, Denkmalschutz und dem involvierten Ingenieurbüro soll das Thema aber noch erörtert werden.

Die Sanierung der Dorfkirche kostet 352 000 Euro. Ein Großteil der Summe stammt aus dem Bundes-Förderprogramm ILE (kurz für: Integrierte Ländliche Entwicklung). Über 20 000 Euro haben die Mitglieder des Fördervereins der Kirche gesammelt, der Rest kommt von der Landeskirche, dem Kirchenkreis und der Kirchengemeinde.

Nicht im Preis enthalten: Die Sanierung der Außenwände. Sie sind grau verputzt, wie zu DDR-Zeiten üblich. "Der Putz kommt eventuell noch in Eigeninitiative runter", erklärt Folgner-Buchheister. Eine weitere Überraschung hat er parat. Der Kirchturm wird neu verschalt und bekommt im Oktober neue Glocken. Sie wurden bei der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck in Auftrag gegeben. "Sie haben den Anspruch, die Stradivari unter den Kirchenglocken herzustellen", erklärt der Pfarrer und lacht herzlich.

Märkische Onlinezeitung vom 28. September 2017

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