Sonja Jenning

Glocke in der Warteschleife

Lichtenberg (MOZ) Der nächste Schritt auf dem Weg der Sanierung der Lichtenberger Dorfkirche (Dorfkirche des Monats Juni 2004) - die Eindeckung der Turmspitze und die Installation der Glocke - verzögert sich, nachdem auf die Ausschreibung keine Angebote eingegangen sind. Beim Drachen- und Erntedankfest will Pfarrerin Katharina Falkenhagen über das Projekt informieren.

Wartet auf ihren Einsatz: Matthias Bär lagert die Glocke aus Cottbus bis sie in Lichtenberg installiert werden kann.
© Michael Benk
 
Ländliche Idylle: Vor 17 Jahren wurde mit der Sanierung der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche begonnen.
© MOZ/Sonja Jenning

Spenden in Höhe von rund 30000 Euro haben die Lichtenberger innerhalb von zwei Jahren für die nächste Etappe der Sanierung ihrer Dorfkirche zusammengetragen. "Das ist eine beträchtliche Summe und eine besondere Leistung", würdigt Pfarrerin Katharina Falkenhagen von der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt-Lebus das Engagement der Einwohner für ihre Ende des Zweiten Weltkrieges schwer beschädigte Kirche.

Nachdem seit 2000 das Mauerwerk ausgebessert, der Turm rekonstruiert und begehbar gemacht und der offene Altarbereich hergerichtet wurden, stehen als nächstes Etappenziel die Verkleidung der Turmspitze mit Blech und die Installation der Glocke an. Letztere stammt aus der früheren Schlosskirche in Cottbus, die Anfang 2015 zu einer Synagoge für die dortige jüdische Gemeinde umgewidmet worden war.

Dass das Projekt nun ins Stocken gerät, überrascht alle Beteiligten. Es fehle an Bietern auf die erfolgte Ausschreibung, so Katharina Falkenhagen. Gesucht werden ein Klempner für die Blechummantelung der Turmspitze und ein Gerüstbauer - für die Kirche ist ein Spezialgerüst nötig -, die Angebote zu vertretbaren Konditionen machen. Denn die Kirchengemeinde müsse mit den Spenden verantwortungsbewusst umgehen und könne nicht jeden Preis zahlen, betont die Pfarrerin. Gleichwohl seien die 30000 Euro als Startkapital gedacht. Viele Lichtenberger aber auch andere Spender, die sich dem Dorf verbunden fühlen, hätten ihre Bereitschaft signalisiert, sich auch in Zukunft zu engagieren. "Die Sanierung der Kirche ist kein reines Bauprojekt, sondern stiftet Gemeinschaft und Identität", bringt es Katharina Falkenhagen auf den Punkt. "Wir nehmen uns immer nur so viel vor, wie wir aus eigener Kraft leisten können. Wir übernehmen, was die vor uns geleistet haben, entwickeln es weiter und übergeben es an die, die nach uns kommen. Auf diese Weise erleben wir uns als Teil eines längeren Weges, der über unsere Zeit hinaus geht."

Über das Projekt informieren will Katharina Falkenhagen am Sonnabend im Rahmen des ersten Drachen- und Erntedankfestes, das von der Freiwilligen Feuerwehr, der Kita "Haus am Teich", dem Ortsbeirat, der Agrargesellschaft und der Kirchengemeinde organisiert wird. "Wir treffen uns um 10 Uhr an der Feuerwehr und ziehen mit geschmückten Erntewagen zur Wiese am Bauernweg", sagt Anne Schrape, die stellvertretene Kitaleiterin. Dort beginnt um 11 Uhr ein Open-Air-Gottesdienst. Im Anschluss wird bis in den Nachmittag gefeiert, mit Drachenbasteln und Drachensteigen, Strohhüpfburg, Bewegungsbaustelle, Kinderschminken, Gummistiefelweitwurf und vielem mehr. Die Erntedank-Gaben werden der Frankfurter Tafel gespendet.

Märkische Onlinezeitung vom 28. September 2017

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