Lindenberg

Die große Glocke muss vom Turm

Bauarbeiter und Handwerker sind mit der Sanierung der Lindenberger Kirche beschäftigt. Opferputz im Altarraum angebracht

Olaf Ihlau und Thilo Hoffmann brauchten sieben Stunden, um die Glocke vom Turm zu holen.
Foto:Rene Hill

„Der Bau beschert mir noch so manches graue Haar“, sagt Gerd Thiedemann, Vorstand vom Kirchenbauverein Lindenberg, beim Gang über die Baustelle. Dennoch ist ihm auch die Freude anzusehen, dass die Sanierungsmaßnahmen begonnen haben.

Gerade sind die Zimmerleute von der Cumlosener Firma Ihlau dabei, die große Glocke vom Turm zu holen. Seit dem 15. Jahrhundert hängt sie hier oben und hat nun ausgedient. „Dennoch soll sie nicht abgeschoben werden“ sagt Gerd Thiedemann. Auf der Rasenfläche zwischen der Straße und dem Pfarrhaus soll ihr im Herbst ein eigener kleiner Glockenturm errichtet werden, wo sie dann ihren Platz findet.

Olaf Ihlau und Tilo Hoffmann sind seit dem Morgen im Glockenstuhl zugange. „Zuerst haben wir den zirka 60 Kilogramm schweren Klöppel entfernt“, berichtet Ihlau. Das Gesamtgewicht der Glocke schätzt er auf knapp eine Tonne. Jetzt gilt es, die Glocke mit Hilfe eines Flaschenzuges aus der Aufhängung zu holen. Später kommt ein zweiter Flaschenzug ins Spiel, um die Glocke auf die Position zu bekommen, um sie in den Eingang abseilen zu können. „Eigentlich sollte sie gleich vor der Kirche abgestellt werden“, so Gerd Thiedemann. Aber da die Kirchentür zur Aufarbeitung ist, wurde eine Baustellentür eingebaut. Und durch diese passt die Glocke nicht.“

„Es ist überhaupt eine Millimetersache“, ergänzt Olaf Ihlau. Durch die Öffnungen von zirka 1,30 x 1,30 Meter muss sie passen.“ Der letzte Durchlass muss noch geschaffen werden. Dann endlich ist es soweit: Nach sieben Stunden steht die Glocke um 15 Uhr im Eingangsbereich der Kirche.

In der Zwischenzeit erklärt Gerd Thiedemann das aktuelle Baugeschehen: „Von den Fenstern sind die ersten drei aufgearbeitet. Eins ist gerade weg“, so Thiedemann. Dabei zeigt er auf das mit Holz vernagelte Fenster. In zirka sechs Wochen dürften alle Fenster fertig sein. Auch das Ziffernblatt ist restauriert und soll in den nächsten Tagen wieder seinen Platz am Kirchturm finden. Die Fassade ist fertig. Nur die Dachdecker brauchen noch einige Zeit.

Das Innere der Kirche ist kaum wieder zu erkennen. Der Altarraum ist leer, die Kirchenbänke sind in der Mitte zusammengeschoben und abgedeckt. Der untere Teil der Wand im Altarraum wurde mit einem sogenannten Opferputz versehen. „Der soll die Feuchtigkeit aus den Wänden ziehen“, erklärt Gerd Thiedemann.

Erst jüngst gab es ein Treffen von oberer und unterer Denkmalschutzbehörde in der Lindenberger Kirche. Demnach soll ein Teil der mittelalterlichen Wandmalereien, auf die man im Frühjahr gestoßen war, restauriert werden. Seitens der Denkmalbehörde will man das Mittelalter und die 60er Jahre vereinen – also die Zeit des Kirchenbaus im 13. und 14. Jahrhundert und die Zeit der umfangreichen Sanierung in den 1960er Jahren.

„Es ist nur alles eine Frage des Gelde“, blickt Gerd Thiedemann in die Zukunft. Dafür benötigen wir dringen noch Spenden und Fördermittel.“ Für jeden Hinweis, um an Fördermittel zu gelangen, sei er dankbar.

Und wenn dann alles fertig ist, der Staub von den Bauarbeiten sich verzogen hat, dann soll auch die Orgel saniert werden. Doch das liegt noch in weiter Ferne.

Vorher wird sich das Außengelände noch verändern. Einige Tannen werden weichen, um den Blick zum Pfarrhaus frei zu geben und, um auch Platz zu haben für den kleinen Glockenturm für die große Glocke. Olaf Ihlau denkt, dass diese noch im Herbst dort ihren neuen Platz finden wird.

In der Zwischenzeit ist der heimliche Bauleiter Gerd Thiedemann noch viele Male auf der Baustelle, um nach dem Rechten zu sehen.

Der Prignitzer vom 06. September 2017

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