Bützer

Kleine Kirche mit großer Bedeutung

Die Dorfkirche Bützer liegt ein bisschen versteckt. Wer den Weg dorthin findet, wird belohnt. Das schmucke Kirchlein romanischen Ursprungs hat einiges zu bieten. Vor allem die frühgotischen Malereien im Chorraum suchen hierzulande ihresgleichen

Pfarrerin Hilke Seydich vor der Dorfkirche Bützer.
Quelle: Kniebeler, Markus
 
Die Malereien im Chorraum sind etwas Besonderes.
Quelle: Kniebeler, Markus

Bützer. Die Kirche in Bützer unterscheidet sich von vielen Gotteshäusern der Mark Brandenburg. Sie steht nicht, wie diese, im Mittelpunkt des Dorfes. Und deshalb zieht sie auch nicht die Blicke aus allen Himmelsrichtungen auf sich. Nein – wer die Kirche finden will, der muss ein wenig suchen. Auf einem kleinen ruhigen Grundstück in Havelnähe steht sie, am Ende einer Sackgasse. Aufmerksame Menschen mögen den Turm der Kirche bei der Ortsdurchfahrt entdecken. Aber das ist auch „erst“ seit 1841 möglich, als der Turm angebaut wurde.

Die Kirche selbst aber ist viel älter. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde sie von Prämonstratensermönchen des Klosters Jerichow errichtet, die die heidnischen Gebiete östlich der Elbe missionieren wollten. Dass die Mönche in einem Fischer- und Jägerdorf, in dem vielleicht gerade mal 50 Menschen lebten, eine zwar kleine, aber massive Kirche bauten, zeigt, wie ernst sie ihren Missionierungsauftrag nahmen.

Wer sich von Pfarrerin Hilke Seydich durch die Kirche führen lässt, der erfährt jede Menge über dieses jahrhundertealte Gebäude. Oft sind es die kleinen Details, die einen staunen lassen. Etwa die so genannten Napfschürfungen an einer Stelle der Außenwand. Sonderbare, glatte Vertiefungen, für deren Ursache es mehrere Erklärungen gibt. Die eine besagt, dass Dorfbewohner Ziegelstaub abkratzten, um etwas von dem heiligen, gottgeweihten Ort mit nach Hause zu nehmen. Eine andere macht Kreuzritter, die ihre Schwerter an den Ziegeln geschliffen haben sollen, für die Vertiefungen verantwortlich. Was wohl eher dem Reich der Legenden zuzuschreiben ist.

Ganz real dagegen sind die Malereien im Chorraum, die sich um ein eindrucksvolles Bild von Christus dem Weltenrichter gruppieren. Bei Renovierungsarbeiten wurden sie 1910 hinter dem Putz entdeckt. Der damalige Malermeister erkannte die Schönheit der Bilder und zeichnete die Konturen nach. Erst rund 100 Jahre später wurden sie von einer Restauratorin genauer untersucht. Die ursprünglichen Malereien stammen aus dem 14./15. Jahrhundert und sind einzigartig in unserer Region.

Um ein Haar wäre dieser Schatz der Nachwelt für immer entzogen worden. Ein Riss im Chorraum, der sich vom Fundament bis zum Dach zog, gefährdete die gesamte Statik des Bauwerks. Dank großzügeiger Spenden und einer Förderung durch das Land konnte der drohende Einsturz 2009 verhindert werden. In die Apsis wurden Stahlanker eingezogen, die dem ausein-anderdriftenden Mauerwerk wie eine Klammer Halt geben. Risse in den Wänden wurden geschlossen und der aus dem Lot geratene Dachstuhl gerichtet.

Das heißt nicht, dass damit alle Probleme beseitigt wären. Das Fundament der Kirche hat eine Stabilisierung nötig, die Innenwände könnten eine Sanierung vertragen, und auch die Konservierung der erwähnten Wandmalereien steht noch aus. „Auf einen Schlag bekommen wir das nicht hin“, sagt Hilke Seydich. Man müsse Schritt für Schritt vorgehen. Aber aus den Augen verlieren werde man die Kirche nicht.

Das wäre auch jammerschade. Nicht nur, weil die Kirche, in der sich romanische und gotische Elemente vereinen, ein architektonisches Kleinod ist. Sondern auch, weil sich in ihr heute noch Menschen versammeln. Alle drei Wochen findet sonntags ein Gottesdienst statt. Zwar kommen nicht mehr so viele Besucher wie zu der Zeit im 18. Jahrhundert, als eine Empore eingezogen wurde, um mehr Plätze zu schaffen. Aber nach Worten von Hilke Seydich hat sich ein fester Kreis von 10 bis 20 treuen Gläubigen herausgebildet. Dass die Empore noch nicht völlig überflüssig geworden ist, wird regelmäßig am Heiligen Abend sichtbar. Dann drängen sich über hundert Besucher in die Kirche, um das Kinderkrippenspiel zu verfolgen.

Wenn Platz wäre, gäbe es hier noch vieles zu erzählen. Von der Kirchenorgel, die leider nicht mehr spielbar ist, weil Kinder in den 70er Jahren sie mutwillig zerstörten. Von den beiden verwitterten Grabsteinen, die an der Außenwand lehnen und vermutlich der Familie Treskow gehörten. Von der zugemauerten Pforte, die vor der Reformation allein den Geistlichen vorbehalten war, um ins Allerheiligste der Kiche zu gelangen. Und, und, und... Kurzum: Ganz schön viele Geschichten für so eine kleine Kirche.



Kirchenbau aus dem 13. Jahrhundert

Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Dorfkirche Bützer errichtet. An einen spätromanischen Backsteinsaal schließen sich ein Chorquadrat und eine niedrige Apsis an.
Im Jahr 1841 wurde vor dem Westgiebel ein massiver, verputzter Glockenturm neu errichtet.
Im Jahr 1910 fand eine umfangreiche Sanierung statt, in deren Zuge die Chormalereien entdeckt wurden. 1994 und 2009 kam es zu Teilsanierungen (Putz, Dach, Chor).


Von Markus Kniebeler

Märkische Allgemeine vom 05. September 2017

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