Marco Winkler

Marwitzer Kirche: Substanz gefährdet

Marwitz (OGA) Erst auf den zweiten Blick fallen die maroden Stellen wirklich auf. Die Kirche in Marwitz muss dringend saniert werden. Pfarrer Markus Schütte spricht von Kosten in Höhe von 305 000 Euro.

Geht an die Substanz: Die Schäden an der Fassade lassen Feuchtigkeit ins Mauerwerk dringen.
© MZV

Nein, die Schilder mit der Aufschrift "Betreten des Grundstückes auf eigene Gefahr" sollen nicht darauf hinweisen, dass nach und nach die alten Ziegel vom Dach der Marwitzer Kirche auf rutschen. "Die Schilder gibt es schon seit Jahren, wohl aus versicherungstechnischen Gründen", so Pfarrer Markus Schütte. "Es besteht bei der Kirche keine unmittelbare Einsturzgefahr." Dennoch ist das 250 Jahre alte Gotteshaus stark sanierungsbedürftig. "Wobei sie mit dem Alter noch eine der jüngeren Kirchen in der Region ist", relativiert Markus Schütte zwar etwas das Alter seiner "alten Dame", aber nicht ihre dringend benötigten Reparaturen. Die Barockkirche, die auf königliche Anordnung hin errichtet wurde, hat mehr als nur eine Schwachstelle. Besonders die Fassade hat im Laufe der Jahre gelitten. Ende der 1970er-Jahre, Anfang der 1980er-Jahre wurde sie schon einmal ausgebessert. Dabei kam es zu Baumängeln. Plus: Das Dach ist marode, das Fundament in einem kritischen Zustand. "Die Substanz ist gefährdet", so der Pfarrer. Vor gut 40 Jahren sollte das Gemäuer deshalb gesperrt werden. Doch Malermeister Klaus Ganzer konnte es mit Ausbesserungsarbeiten verhindern. "Er hat die Kirche retten können." In den 1990er-Jahren wurde wieder saniert. Aber es reichte nicht, war nur Makulatur.

"Die Kirche muss generalsaniert werden", so Markus Schlütte. Im Fundament bröckelt der Putz so stark, dass er seine ganze Hand in die Wand stecken kann. Die Dachziegel aus Beton seien zudem viel zu kurz geraten. "Hier dringt viel Feuchtigkeit rein." Und Feuchtigkeit zieht eine Konsequenz mit sich: Schimmel.

Fest steht: Auch wenn die Kirche nicht einsturzgefährdet ist, muss sie dringend saniert werden. Um sie haltbar zu machen. Nach ersten Kosteneinschätzungen würden die Arbeiten am Dach und am Fundament je 150 000 und 155 000 Euro kosten, insgesamt also mehr als 300 000 Euro. Die Bauzeit ist auf zwei Jahre angesetzt. "Der Finanzierungsplan hängt am Staatskirchenvertrag." Dieser sähe vor, dass 50 Prozent der Kosten bezahlt werden. Damit wäre ein großer Finanzbrocken aus dem Weg. "Doch die Entscheidung obliegt noch dem Kulturministerium."

Markus Schütte hofft, dass die Arbeiten im kommenden Jahr beginnen, spätestens aber 2020. Auch die Gemeinde müsste ihren Teil dazu beitragen. Zehn Prozent der Kosten hat die Kirchgemeinde beantragt.

Spendenaktionen, wie in vielen anderen Gemeinden, gibt es bisher noch keine. "Darüber wird noch zu reden sein", so Markus Schütte. Er könnte sich gut vorstellen, dass auch Nicht-Kirchenmitglieder etwas zum Erhalt des dorfprägenden Gebäudes beisteuern wollen. "Es gibt da großes Potenzial." Marwitz hat rund 1 500 Einwohner, etwa 300 gehören zur Kirchegemeinde.

Am Montag verschaffte sich der SPD-Bundestagskandidat Benjamin Grimm einen Überblick, "weil es wichtig ist", wie er sagt. Grimm, der selbst in der Schönfließer Kirchgemeinde aufgewachsen ist, wollte vor allem die Fördermöglichkeiten für das Bauvorhaben genauer ausloten. Aus Schönfließ weiß er auch, dass selbst der Bund einspringen könnte, wenn es um Kirchensanierungen geht. "Da werde ich mich informieren, ob das hier möglich ist", versicherte Grimm. Er sagte Pfarrer Markus Schütte zu, ihn in seinem Vorhaben zu unterstützen.

Märkische Onlinezeitung vom 05. September 2017

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