Treuenbrietzen

Gotteshaus ins Rampenlicht gerückt

Die Treuenbrietzener Nikolaikirche und ihr frisch saniertes Umfeld sind am Mittwoch als Denkmal des Monats gewürdigt worden. Besucher konnten dort am Nachmittag viel Interessantes aus der spannenden Baugeschichte der Kirche erfahren. Dabei ging es auch hoch hinaus.

Die Treuenbrietzener Nikolaikirche ist als Denkmal des Monats gekürt. Die Bürgermeister Dietlind Tiemann und Michael Knape (li.) übergeben Urkunde und Plakette an Kirchenvorstand Günter Gundlach.
Quelle: Thomas Wachs
 
Die Nikolaikirche ist im Stadtbild nun besser wahrnehmbar.
Quelle: Thomas Wachs
Alle Denkmale des Monats erhalten diese Plakette.
Quelle: Thomas Wachs
 
Nach der Ehrung lud die Kirchengemeinde zur Kaffeetafel.
Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Schmuck herausgeputzt worden ist in den zurückliegenden zwei Jahren das Umfeld der Nikolaikirche zu Treuenbrietzen. Grund genug für Brandenburgs Arbeitsgemeinschaft der 31 Städte mit historischen Stadtkernen, das Ensemble zwischen Neuer Markstraße und Bäckerstraße landesweit ins Rampenlicht zu rücken. Brandenburgs Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (DCU) würdigte den Komplex am Mittwochnachmittag als „Denkmal des Monats“. Als Vorsitzende der AG-Regionalgruppe Süd-West übergaben Tiemann und Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape (parteilos) dazu Urkunde und Plakette an Kirchenvorstand Günter Gundlach.

„Die Aktion der Denkmäler des Monats hat dazu beigetragen, das Verständnis und Interesse für historische Gebäude in unseren Innenstädten neu zu wecken“, sagte Tiemann. In Treuenbrietzen sei es zudem gut gelungen, diese historische Substanz nicht nur herzurichten, sonder auch zu beleben mit Aktionen wie dem Sommertheater.

Katholiken retteten evangelische Kirche vor dem Verfall

Kirchenvorstand Günter Gundlach dankt dafür, „dass unsere Kirche durch die Umfeldgestaltung einen völlig neuen Glanz erhalten hat“. Durch dem Wegfall von Sträuchern und Bäumen sowie neue einheitliche Zäune im Umfeld sei sie nun „als Kleinod unserer Stadt wieder ganz anders wahrnehmbar“, so Gundlach. Bedarf sieht er nun noch in der Reparatur der Luken im besonderen Turm der Kirche. Von dort bietet sich ein besonderer Blick auf die Stadt, was auch Teilnehmer der Ehrung am Mittwoch erleben konnten.

Michael Knape erinnerte daran, dass dieses Projekt eines der letzten im Rahmen der Altstadtsanierung ist. „In 25 Jahren haben wir nach Abschluss der bereits geplanten Sanierung der Kietzstraße dann das gesamte Stadtgebiet einmal neu gestaltet“.

Unter dem Motto „Reformieren – Eine Bewegung findet Stadt“ werden in diesem Jahr von der AG zwölf Denkmale ausgewählt, die einen architektonischen, städtebaulichen oder stadtgeschichtlichen Bezug zur Reformation und deren Folgen haben. In der Fläming-Region waren zu diesem Thema bereits im Januar die Gertrauden-Kapelle in Bad Belzig sowie im Februar die Stadtkirche St. Crucis und das Kloster in Ziesar zum Denkmal des Monats gekürt worden.

Im Rahmen der von Bund und Land umfangreich geförderten Altstadtsanierung hatte die Stadt Treuenbrietzen von 2014 bis 2016 Straßen und Plätze rund um die seit fünf Jahrzehnten von der katholischen Kirchengemeinde genutzte Nikolaikirche saniert und umgestaltet. Dafür flossen rund 250 000 Euro Fördergeld. Bei den Arbeiten wurden das Gotteshaus und sein Kirchhof für das städtische Umfeld stärker geöffnet.

Neuer Durchgang zum Kirchhof

Von der Bäckerstraße her entstanden durch den Abriss eines Schuppens ein freier Blick sowie ein kleiner Platz mit neuem Zugang zum ebenfalls neu gestalteten Weg über den Kirchhof. Vor dem Portal an der Neuen Marktstraße wurden Zäune durch Mauern mit Sitzgelegenheiten ersetzt. Zudem sind Strahler zur Beleuchtung installiert worden, Sie setzen das Gotteshaus nun auch nachts ins Rampenlicht.

Ein zentrales Anliegen der Altstadtsanierung sei die Umgestaltung und Qualitätsverbesserung des öffentlichen Raumes. „Neben der nachhaltigen Sanierung des vorhandenen Geflechts aus Straßen, Wegen, Plätzen sowie Grün- und Freiflächen geht es immer auch darum, neue Räume zu schaffen sowie erlebbar zu machen“, sagt Ralf Hoffmeister. „Die Revitalisierung des öffentlichen Raumes im Umfeld der Nikolaikirche ist ein gelungener Beleg dafür“, erklärt der Experte vom Sanierungsträger „Stadtkontor“ in Potsdam-Babelsberg.



Einst an der Handelsstraße

Die Nikolaikirche zu Treuenbrietzen ist eine frühgotische kreuzförmige Gewölbebasilika im gebundenen System. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert.
Der Baubeginn der Kirche wird zwischen 1240 und 1260 vermutet. Unterschiedlichste Bauarbeiten im Laufe der folgenden Jahrhunderte veränderten das Gotteshaus.
Die Kirche besitzt einen sogenannten Vierungsturm. Diese Art zu bauen ist einmalig im Land Brandenburg. Als Vierung wird der Raum bezeichnet, der beim Zusammentreffen des Haupt- und Querschiffes einer Kirche entsteht. Die Vierung trennt in Kirchen mit kreuzförmigem Grundriss den Chor vom Langhaus.
Im Mittelalter verlief durch die Neue Marktstraße die Fernhandelsstraße von Magdeburg über Brandenburg an der Havel sowie Treuenbrietzen, Jüterbog, Dahme bis nach Böhmen und Mähren.
Mit der Verlegung der Durchgangsstraße in die heutige Bäckerstraße entstand in Ergänzung zum Alten Markt am Rathaus der Neue Markt.


Die Nikolaikirche selbst kann neben ihrem im Land Brandenburg einmaligen Vierungsturm (siehe Info-Box) auf weitere Besonderheiten verweisen. 1969 wurden im Kircheninneren bei Restaurierungsarbeiten des Ostteils Reste ornamentaler Gewölbemalereien aus der Bauzeit der Kirche und in der Hauptapsis Malereien aus dem 15. Jahrhundert freigelegt. Dabei handelt es sich um eine ursprünglich im Byzantinischen entstandene Deesis-Darstellung, also ein Bildnis des im jüngsten Gericht zwischen Maria und Johannes dem Täufer thronenden Christus.

Seltenes Nutzungsverhältnis

Ungewöhnlich sind zudem die Nutzungsverhältnisse der Kirche. Denn die Katholiken haben das Gotteshaus vor 50 Jahren von der evangelischen Kirchengemeinde als Eigentümer zur Nutzung übertragen bekommen. „Das ist Ökumene in Reinkuktur“, sagte Günter Gundlach in seiner Ansprache.

Zu DDR-Zeiten retteten die Katholiken die marode Kirche mit Arbeitseinsätzen vor dem Verfall. Gemeinsam mit dem langjährigen Kirchenvorstand packten viele weitere aktive Gemeindeglieder der ersten Stunden wie Christoph Klenner, Georg Stachen sowie Hans und Gotthard Sommer und Karl Speidel zu. Von 1968 bis 1985 dauerte die Restaurierung der ältesten Kirche der Stadt. Zwei Maurer und 20 bis 30 Handreicher aus Reihen der Gemeinde klopften in der Pfeilerbasilika den Innenputz ab, entfernten die umlaufende Holzempore und mauerten die Pfeiler mit Vorsatzziegeln neu hoch.

Das aus selbst geschlagenen Bäumen gezimmerte Holzgerüst gehörte lange Jahre zur Einrichtung. Ab 1973 konnten dort – zunächst nur in der Apsis mit dem Altar und den Querschiffen – wieder Gottesdienste gefeiert werden. Personelle und finanzielle Unterstützung des Caritas-Verbandes beschleunigten danach die Sanierung des Kirchenschiffes. Seit 1985 ist das Gotteshaus wieder komplett nutzbar.

Von Thomas Wachs

Märkische Allgemeine vom 30. August 2017

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