Perleberger Kirche

Weiterhin keine Spitze für Kirchturm in Sicht

Fördervereinsvorsitzender unzufrieden mit dem Stand der Dinge: „Es hat sich nichts getan“

Vor über 100 Jahren wurde die Kirchturmspitze ein Raub der Flammen. Eine neue soll her, doch es tut sich nichts.
Foto:Doris Ritzka

Nichts Neues in Sachen Kirchturmspitze“, bringt es Herbert Dreifke, Vorsitzender des gleichnamigen Fördervereins, gleich auf den Punkt. Und er macht keinen Hehl daraus, dass ihn dieser Sachstand alles andere als befriedigt. „Wir warten darauf, dass uns das vom kirchlichen Bauamt der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz genannte Architektenbüro endlich seine Vorstellungen kund tut und damit zugleich auch den Kostenrahmen konkret absteckt“, betont Dreifke. Bis dato habe man nichts, außer die bereits eingeworbenen Spenden. Immerhin 38 000 Euro. Doch es könnte mehr sein, ist sich der Fördervereinsvorsitzende sicher. Die Bürger, und ohne die gehe es gar nicht, wollen aber wissen, über welche Höhe man hier redet. „Dann sind viele auch bereit, ihr Scherflein dazu beizutragen.“

Im November 2010 gründete sich der Förderverein, beseelt von der Idee, dem Kirchturm wieder zu einer richtigen Spitze zu verhelfen. Schnell stellte sich aber heraus, die Spitze kann nur der krönende Abschluss sein. Glocken, samt Glockenstuhl müssen zuvor erneuert werden. Die beiden Glocken, 1918 in den Turm eingesetzt, bestehen aus Eisenhartguss, weisen eine Vielzahl von Lufteinschlüssen auf – und Rost. Und auch der Turm, insbesondere im Innern, hat massiv Schaden genommen. Die Giebel driften immer mehr auseinander. Die Schäden hier seien unverkennbar, das belegen auch Messungen, auf die sich Dreifke schon 2015 bezog. Seit über 160 Jahren bestehen die Stülergiebel, haben den verheerenden Brand 1916 überstanden. Doch sie sind gezeichnet und „das sehr stark“, unterstreicht der Fördervereinsvorsitzende. An diesem Zustand habe sich bis dato nichts geändert. „Auch die Stadt frage regelmäßig an, wie sie uns unterstützen kann. Ich muss die Antwort schuldig bleiben, da ich sie selbst nichts weiß“, räumt Dreifke offen ein.

Immer wieder habe man zusammengesessen. Im vergangenen Jahr gab es allein 16 Beratungen, doch weiter sei man kein Stück. Von dem ehrgeizigen Ziel, dass das Projekt in wenigen Jahren verwirklicht ist, habe man sich lange verabschiedet. „Dafür ist es einfach zu groß. Und allein können wir es schon gar nicht stemmen“, betont der Fördervereinsvorsitzende, der zugleich aber unterstreicht, dass man mit dem Gemeindekirchenrat und dem Bauausschuss eng zusammenarbeite.

Ende September werde es nun wieder eine Beratung geben und „da hoffe ich, dass wir anschließend wirklich schlauer sind.“ Es gibt bereits Vorstellungen von dem, was entstehen könnte. Im Gespräch war eine Treppe, die an der Innenwand entlang führt, so dass man über die Turmfenster einen Blick auf die Stadt habe. Hinsichtlich des oberen Teils des Kirchturmes war die Idee, eine Art Plattform zu schaffen“, erläutert Herbert Dreifke. Die Stadtsilhouette würde damit ein neues „und ich denke interessantes Gesicht“ bekommen, so der Fördervereinsvorsitzende. Zudem würde dann ein Rundumblick gestattet, was touristisch entsprechend genutzt werden könne. Denkbar wäre im Innern des Turmes ein Atelier oder eine Glockenstube, wo man möglicherweise auch die Geschichte des Kirchenbaus in Form einer kleines Ausstellung den Besuchern nahe bringen könnte.

Der Prignitzer vom 29. August 2017

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