MAZ-Sommerserie: Denkmale im Havelland

Die Dorfkirche Wagenitz

Der Außenputz der Kirche wurde zwar vor knapp 15 Jahren erneuert, war aber schon wieder in einem katastrophalen Zustand. jetzt wird erneut Hand angelegt an der Fassade. Auch am Westturm.

Ein Blick ins Innere der Saalkirche mit dem seltenen Votivgemälde rechst neben dem Altar.
Quelle: Astrid Wiebe
 
Die eingerüstete Wagenitzer Kirche.
Quelle: Astrid Wiebe
 
Andreas Flender (rechts), André Schmidt vor dem zukünftigen Eingang zur Gruft.
Quelle: Astrid Wiebe

Wagenitz. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten erlebte die Dorfkirche in Wagenitz einige Instandsetzungen, die größtenteils der Kirchengemeinde und dem damaligen Pfarrer zu verdanken sind. „Sicherlich war das alles gut gemeint, aber es fehlte ein professioneller Bauverantwortliche mit einschlägigen Erfahrungen“, erzählt der Vorsitzende des Fördervereins Dorfkirche Wagenitz André Schmidt. Deshalb holte man auf Initiative von Pfarrer Michael Jurk den Vorsitzenden des Pessiner Kirchen-Fördervereins Andreas Flender mit ins Boot. Der erinnert sich noch genau an den ersten Eindruck, als er 2015 vor der Saalkirche in Wagenitz stand: „Mir war sofort klar, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht“.

„Der Außenputz, der erst vor knapp 15 Jahren erneuert wurde, war in einem katastrophalen Zustand. Die Feuchtigkeitsschäden waren sehr gravierend.“ Nachdem feststand, dass die Kosten für die Sanierung bei etwa 95 000 Euro liegen und mit einem Anteil von 70 000 Euro aus EU-Fördermitteln zu rechnen ist, wurde das Ingenieurbüro Ingo Dreger aus Kleinmachnow mit der Objektüberwachung beauftragt. Anfang des Jahres begannen die Arbeiten.

Der Sockel um die Kirche herum wurde im Frühjahr freigeschachtet, isoliert und wieder verfüllt. Seit knapp drei Wochen geht es nun für die Bauarbeiter und Handwerker in die Höhe.

Das Kirchenschiff und der Westturm, der mit seiner ockergelben Farbe weit über Wagenitz hinaus zu sehen ist, sind eingerüstet und erhalten einen neuen Putz. „Die restauratorische Befunderhebung und den Umfang und Zustand, speziell des Mauerwerkes am Westturm, ermittelt der Restaurator Udo Drott aus Bad Belzig. Er wird auch versuchen, die ursprüngliche Farbe des Kirchturms und des Kirchenschiffes herauszufinden“, erzählt Andreas Flender. „Für den Fall, dass keine Hinweise zur Farbgebung gefunden werden, hat uns das Ingenieurbüro zwei Vorschläge geliefert“, so André Schmidt. Das denkmalgeschützte Sakralgebäude könnte in Zukunft in hellen, warmen Beigetönen oder in einem gewagten Lindgrün Bestandteil des Dorfangers sein, der mit dem „Schwedenturm“ und der dazwischen liegenden alten Schmiede als letztes Zeugnis der bewegten Geschichte des Ortes erhalten ist.

Von 1335 bis 1945, also mehr als sechs Jahrhunderte, hatte die Adelsfamilie von Bredow ununterbrochen die Gutsherrschaft über den kleinen Ort inne. Sie gehörte zu einer der einflussreichsten und vornehmsten Adelsfamilien der Mark Brandenburg und besaß in Wagenitz eine Schlossanlage, die zu einer der prächtigsten des Havellandes zählte. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges brannte das im Stil einer römischen Villa errichtete Herrenhaus bis auf die Grundmauern ab.

„Bis heute ranken sich um die Verursacher der Zerstörung zahlreiche Gerüchte. Wer den Brand gelegt hat, ist unklar“, erzählt Schmidt. Bis heute sind die Einflüsse derer von Bredow in der 1753 erbauten Dorfkirche vorhanden.

So fällt der Blick im Innenraum der Saalkirche sofort auf das rechts neben dem Altar hängende einzigartige Votivgemälde. Schon Theodor Fontane beschrieb es auf einer seiner letzten Recherchetouren zu „Das Ländchen Friesack und die Bredows“ im Mai 1889. Es handelt sich um ein fast sechs Quadratmeter großes, imposantes Familienbildnis des Hans Christoph von Bredow, das auf das Jahr 1667 datiert ist. Es zeigt den damaligen königlichen „Kreis-Commissarius“ mit seiner Ehefrau und seinen zehn Kindern. Eine beeindruckende und stolze Selbstdarstellung des märkischen Adels der damaligen Zeit.

Unter dem Altarbereich befindet sich die Familiengruft mit den Särgen der Familie von Bredow. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist die 70 Quadratmeter große Gruft verschlossen, in der um 1840 die letzte Bestattung stattfand. Anfang dieses Jahres begannen erste Untersuchungen, um die Gruft künftig auch für Besucher zugänglich zu machen. „Es soll allerdings keine Touristenattraktion werden, wie der Ritter Kahlbutz in Kampehl. Uns geht es vor allem darum, Historisches für die nächsten Generationen zu bewahren“, betont Andreas Flender. Archäologen der Lübecker Forschungsstelle Gruft werden ab Herbst die 19 teils prunkvoll verzierten Holzsärge unter die Lupe nehmen. Dann sollten auch die Putzarbeiten der Außenfassade und des Westturms abgeschlossen und der Zugang zur Gruft über eine Treppe an der Giebelseite möglich sein.

Von Astrid Wiebe

Märkische Allgemeine vom 26. August 2017

   Zur Artikelübersicht