500 Jahre Glockengeschichte

In Blankensee wird das große Jubiläum am 1. September gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde, dem Pfarrsprengel Stücken und den Dorfbewohnern gefeiert.

Die große Glocke, die in der Mitte im Turm hängt, ist 500 Jahre alt.

Blankensee. Es rumpelt im Gebälk, dann beginnt das Glockengeläut. Die drei mittelalterlichen Bronzeglocken im Turm der Blankenseer Dorfkirche (Dorfkirche des Monats Dezember 2016) haben einen beeindruckenden Klang. Überall im Dorf sind diese ältesten Musikinstrumente zu vernehmen. Die Glocken werden vor dem Gottesdienst geläutet, feiertags und zu besonderen Festen, zu Hochzeiten sowie zu Silvester, zu Konzerten und Verstaltungen sowie im Sterbefall und zu Beerdigungen. Wer im Ort mit dem unterschiedlichen Glockengeläut vertraut ist, weiß genau, ob es sich um einen fröhlichen oder traurigen Anlass handelt.

Der großen Glocke wird dieser Tage besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Sie stammt aus dem Jahr 1517 und ist somit 500 Jahre alt. „Wir können von Glück reden, dass sich alle drei Glocken noch in Blankensee befinden“, sagt Hella Strüber vom Gemeindekirchenrat. Schon zu Napoleons Zeiten sollte die große Glocke geopfert werden, um dafür Kriegsgeräte zu beschaffen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden überall Glocken eingeschmolzen, um daraus Waffen herzustellen. So landete auch die „Große“ aus Blankensee auf dem Glockenfriedhof. Glücklicherweise wurde sie nicht mehr verwertet. Dann zeigten die Amerikaner Interesse an dem prächtigen Stück, das als Reparationsbeitrag am Hamburger Hafen zum Verschiffung bereitstand. Und wieder war es einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass die Glocke nicht über den großen Teich nach Amerika geschickt wurde.

Eine ehemalige Konfirmandin des Blankenseer Pfarrers Gerhard Peters, die einen amerikanische GI geheiratet hatte, erfuhr von der bevorstehenden Verschiffung und informierte den Pfarrer in Blankensee. Der blieb nicht untätig und bekam das gute Stück zurück. Helga Hohensee, die am 27. April 1950 heiratete, erzählte Hella Strüber von ihrer persönlichen Erinnerung an diesem Tag. Die Hochzeitsgesellschaft befand sich auf dem Weg nach Blankensee und wurde in Löwendorf von einem Tieflader überholt, der die große Glocke transportierte. Als die Brautleute in Blankensee eintrafen, stand der Tieflader samt Glocke auf der Straße vor dem Kirchengelände. Nur mit Mühe gelang es, die 1,8 Tonnen schwere Glocke wieder aufzuhängen. Daran hatten vor allem Werner Bellin und der Schmied Gerhard Nies ihren Anteil.

Die Geschichte der drei Glocken geht weit zurück. Die kleine Glocke mit einem Gewicht von acht Zentnern stammt aus dem Jahr 1400 und soll anlässlich der Hochzeit von Hans von Thümen mit Hypolita von Schlaberndorf gestiftet worden sein. Daher der Name „Hochzeitsglocke“. Die mittlere, auch als Feierabendglocke bezeichnete, ist 16 Zentner schwer und im Jahr 1408 gegossen worden. Sie wurde wohl ebenfalls aus familiären Anlass gestiftet – der Taufe des einzigen Sohnes Thilo aus dieser Ehe. Die „Große“ wird mit dem strengen Katholiken Caspar von Thümen, der 1515 den gesamten Besitz von Blankensee erhielt, in Verbindung gebracht. 1517 stiftete er offensichtlich die größte und schwerste Glocke in der Umgebung der Kirche in Blankensee. Es war ein Zufall, dass es ausgerechnet das Jahr des Thesenanschlags von Martin Luther in Wittenberg war. Simone Philipp, Kirchenälteste in Blankensee, befasst sich seit Jahren mit der Familie von Thümen und hat sich mit einem der noch lebenden Nachfahren getroffen, um noch mehr über die Geschichte zu erfahren.

Die 500 Jahre alte Glocke ist für die Evangelische Kirchengemeinde Blankensee, den Pfarrsprengel Stücken und der Dorfgemeinschaft Grund zu feiern. Am 1. September findet um 17.30 Uhr eine Festandacht mit Pfarrer Roy Sandner und dem Evangelischen Posaunenchor Babelsberg statt. Anschließend ist ein geselliges Beisammensein geplant. Bei schönem Wetter wird im Freien gefeiert. Und wer Lust hat, kann sich die drei nebeneinander hängenden Glocken im Turm anschauen.

Von Margrit Hahn

Märkische Allgemeine vom 19. August 2017

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