Michael Dietrich

Heidenaufwand für die Dorfkirche

Kummerow (MOZ) Die Dorfkirche von Kummerow wird zurzeit mit großem Aufwand saniert. Zirka 360 000 Euro sollen die Arbeiten zur Erhaltung und Restaurierung des Gotteshauses kosten. Die Europäische Union fördert das Projekt großzügig mit 270 000 Euro.

Malerei unterm Kalkputz: Restauratorin Anika Basemann aus Jüterbog inspiziert freigelegte Stellen früherer Wandgestaltung.
© MOZ/Oliver Voigt
 
Zimmerer im Kirchendachstuhl: Mitarbeiter der Firma Bau- und Denkmalpflege Prenzlau bringen neue Bodendielen im Dachraum der Kummerower Kirche ein.
© MOZ/Oliver Voigt

Kummerow - ist das nicht dieses Dorf mit den Heiden? Brauchen denn die überhaupt eine Kirche? Solche Trugschlüsse hört der kleine Ortsteil nicht selten. Dabei weiß doch in der Uckermark jeder Grundschüler, dass Ehm Welk in "Die Heiden von Kummerow" in Wirklichkeit Biesenbrow beschrieb. Und natürlich hat auch der kleinste Ort in der Region eine Kirche und eine Kirchengemeinde. Mehr als 20 Gemeindeglieder zählt die evangelische Kirche in dem 110-Seelen-Ort. Die freuen sich derzeit riesig auf Oktober, wenn ihre Dorfkirche nach aufwändiger Sanierung wieder eingeweiht werden soll.

Die Baustelle der Europäischen Union ist das Ereignis im Ort. So einen Heidenaufwand, also Arbeit, die mit sehr viel Mühe und Zeit und Geld verbunden ist, erwartet man in dem kleinen verschlafenen Ort nicht. Mehr als zehn Jahre war die Kirchengemeinde darum bemüht, die dringend nötige Sanierung des Feldsteinbaus zu starten.

Der Bau wird auf das 13. Jahrhundert geschätzt. Zuletzt litt er unter gravierenden Feuchteschäden. Mauerwerk, Putz, Gestühl, Decken und Holztragwerkwiesen bereits deutliche Schäden davon auf. Auch die Dachdeckung, eine Seite aus maroden Biberschwanz-Ziegeln, die andere Seite aus Betonsteinen, war erneuerungsbedürftig. Als sich Pfarrer Justus Werdin aus der Uckermark verabschiedete, hinterließ er den Kummerowern quasi zum Abschied den Förderbescheid der EU.

EU, Land und Kreis fördern die Sanierung. "Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete" steht auf dem Bauschild. Warum, das weiß Ortsvorsteherin und Mitglied der Kirchengemeinde Ilona Pahl. "Auch wenn nur alle sechs oder acht Wochen Gottesdienste stattfinden, ist die Kirche doch sehr wichtig für den Ort. Wir wollen sie auch für Konzerte, Ausstellungen und Lesungen nutzen und den Touristen zeigen, die jetzt die Radwege nutzen und verstärkt auch nach Kummerow kommen", sagt Ilona Pahl. Derzeit finden die Gottesdienste bei ihr im Gasthof statt, wie seit vielen Jahren auch im Winter, weil der Kirchenofen defekt ist.

Die Feldsteinfassade ist inzwischen bereits wieder verfugt und ausgebessert. Im Dachstuhl wurden wurmstichige und verfaulte Balken oder Balkenköpfe ersetzt. Als nächstes rücken die Dachdecker an, um die Kirche wieder einheitlich in der überlieferten Deckung aus Biberschwanz-Ziegeln zu decken. Dafür sollen alte Ziegel verwendet werden, die bei der Sanierung der Angermünder Klosterkirche geborgen wurden. Die Giebeltürmchen des Kirchenschiffs und der angebauten Sakristei sollen wieder rekonstruiert werden.

Am spannendsten jedoch wird die Innengestaltung der Kirche. Die Restauratoren fanden unter dem weißen Kalkputz mehr als acht Putzschichten mit verschiedenen Wandgestaltungen. Restaurateur Philipp Schubert vermutet, dass bräunlich rötliche Malereien mit Ranken und Blüten aus der Barockzeit, maserierte Quadermalerei aus dem 19. Jahrhundert und bläuliche Ornamentmalerei sogar aus der Renaissancezeit stammen. Noch steht das Konzept der Innengestaltung nicht fest. Jeden Schritt stimmen Kirche, Denkmalschutz, Baubetrieb und Architektin Bettina Krassuski aktuell ab. Man darf also gespannt sein, wie die kleine Dorfkirche Ende Oktober aussehen wird.

Märkische Onlinezeitung vom 09. August 2017

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