Thomas Berger

Aus Ruinen 1724 noch einmal neu erstanden

Garzau (MOZ) Sie sind in der Regel die ältesten Bauwerke ihrer Orte, steinerner Brückenschlag zwischen den Jahrhunderten. Die MOZ stellt in einer Serie die Kirchen vor. Heute: Dorfkirche Garzau.

Pfarrer Michael Uecker auf der Kanzel des im frühen 18. Jahrhundert eingebauten Altars: Dieser ist zwar sehr farbenfroh, wie nahezu alles in der Garzauer Kirche, aber schlicht gehalten.
© Thomas Berger

Wer die Garzauer Kirche, besonders malerisch gelegen auf dem alten Dorfanger, wo sich früher auch noch der Friedhof befand, einmal umrundet, der kann deutlich die vielen vernarbten Wunden im Mauerwerk sehen. Stellenweise ziehen sich die regelmäßig übereinander gemauerten Feldsteinquader aus der Erbauungszeit, dem 13. Jahrhundert, immerhin noch bis in Höhe des oberen Abschlusses der Fenster. Das ist vor allem straßenseitig noch der Fall. Auf der anderen, rückwärtigen Seite sind es teils nur zwei oder drei Reihen, die im Ursprungszustand intakt sind. Klar wird, obwohl dazu neben ein paar allgemeinen Sätzen genauere Überlieferungen fehlen, dass der Sakralbau im Dreißigjährigen Krieg stark zerstört gewesen sein muss. So wie wohl ein Großteil des 1247 erstmals urkundlich erwähnten Dorfes.

Und wie so häufig in jenen Zeiten, da die Not groß und wirtschaftliche Reserven erschöpft waren - es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis ein echter Neuanfang möglich wurde. Hofrat Johann Casper von Berger (1678-1728, nicht mit dem Autor dieses Beitrags verwandt), leitete wenige Jahre vor seinem Tod den Wiederaufbau in die Wege. 1724 wurden die im Vorjahr begonnenen Arbeiten abgeschlossen, davon kündet bis heute die Wetterfahne auf dem Turm mit der Jahreszahl. Und ihm selbst wurde mit einer Grabplatte, gemäß ganz alter Tradition kurz vor dem Kanzelaltar im Chorraum der Kirche in den Boden eingelassen, ein steinernes Denkmal gesetzt.

Im heutigen Pfarrsprengel Herzfelde-Rehfelde, den das Ehepaar Michael Uecker und Agnes-Maria Bull betreut, ist Garzau eine Ausnahme - das einzige alte Gutsdorf gegenüber den anderen Orten, die ursprünglich zum Besitz des Klosters Zinna gehörten. Auch Garzau taucht diesbezüglich ein einziges Mal, allerdings nur mit Randlage, in den Akten auf. Wirklichen Einfluss scheinen die Mönche dort aber nie gehabt zu haben, Kirchenpatron war stets der jeweilige Gutsherr. Und deren Familiennamen wechselten zwischen den märkischen Adelsgeschlechtern im Laufe der Zeit häufiger: von Wulkow, von Pfuel, von Röbel, schließlich als Prominentester in der langen Reihe der Kartograf Wilhelm Carl Graf von Schmettau, von dem auch die Pyramide im vormaligen, damals weithin einzigartigen Schlosspark stammt.

Mit zwei klaren Rechtecken im Grundriss, das Schiff 13,3 mal 10,8 Meter messend, direkt anschließend der eingezogene Chor von 9,1 mal 8,1 Metern, kommt die Garzauer Kirche eher bescheiden daher. Ein grundlegender Eindruck, an dem sich auch im Innern nichts ändert. Keine speziellen Verzierungen, der Kanzelaltar (Anfang 18. Jahrhundert) zwar sehr farbenprächtig, in der Gestaltung aber auch eher schlicht. Und die Orgel der Potsdamer Firma von Carl Eduard Gesell, 1884 auf der Empore installiert, ging im oder nach dem Zweiten Weltkrieg verloren.

"Ein schönes, aber einfaches Dorfkirchlein", wie Michael Uecker sagt. Beim Gang auf die Kanzel, die er üblicherweise nicht nutzt, fällt ihm noch eine Besonderheit auf - an die kleine Tür hat jemand seinerzeit einen Klappsitz angebaut. Vielleicht, kann man heute nur vermuten, war der damalige Pfarrer nicht mehr der Jüngste, so dass er sich auf diese Weise, zumal Gottesdienste früher länger dauerten, bei oder nach der Predigt hinsetzen konnte.

Die drei früheren Fenster auf der Ostseite, der Schlusswand des Chores, wurden später zugemauert, ebenso zwei Pforten, die es früher auf Nord- und Südseite gab. Die Fenster des Schiffes sind ebenfalls verändert worden. Pfarrer Uecker verweist noch auf die Sanierung in den 1990er-Jahren, als beispielsweise die Winterkirche eingebaut wurde - ein Glaskasten unter der Empore. Schon älter, Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert, ist der Taufstein aus eingefärbtem Kalkstein.

Die drei Glocken im Turm werden heutzutage elektrisch geläutet. Sie sind neueren Datums - das ursprüngliche Geläut, zu dem nichts Näheres überliefert ist, musste schon im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen abgegeben wurden. Noch vor Kriegsende, 1917 mit der Jahreszahl auch auf dem Glockenkörper verewigt, wurde aber ganz schnell der erste Ersatz aufgehängt. Die beiden anderen, etwas kleineren folgten dann 1923, wie beim Aufstieg bis in den Glockenturm ebenfalls nachzulesen ist.

Bereits ab 1542 gehörte Garzau als Filiale zur Pfarrstelle Werder, was sich noch heute darin widerspiegelt, dass beide Orte einen gemeinsamen Vertreter in den Gemeindekirchenrat entsenden.

Märkische Onlinezeitung vom 07. August 2017

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