Eva-Martina Weyer

Bauamt sperrt Turm

Gartz (MOZ) Vom Turm der Gartzer Stephanskirche fallen Dachziegel herab. Fast wäre ein Besucher erschlagen worden. Deshalb ist der Turm gesperrt. Die Kirchengemeinde will ihn sanieren, aber hat das Geld noch nicht zusammen. Mittwoch sah sich Staatssekretär Martin Gorholt den Turm an.

In der Stephanskirche Gartz: Pastor Hilmar Warnkross hat das Sanierungskonzept aufgeschlagen. Er erläutert Staatssekretär Martin Gorholt (r.) und Bürgermeister Burkhard Fleischmann (l.), wo dringend gehandelt werden muss.
© MOZ/Eva-Martina Weyer

Martin Gorholt ist Beauftragter des Landes Brandenburg für Internationale Beziehungen. Er war vor sechs Wochen schon einmal in Gartz. Damals hat er sich für den Polnischunterricht an der Grundschule interessiert. Bürgermeister Burkhard Fleischmann konnte den Staatssekretär erneut nach Gartz holen.

Er verhehlt dabei nicht die Hoffnung auf Unterstützung aus Potsdam. Der marode Kirchturm der Stephanskirche wird für ihn und Pastor Hilmar Warnkross zu einem immer größeren Sorgenkind. Das kirchliche Bauamt in Pasewalk hat den Turm gesperrt. Es besteht dringender Sanierungsbedarf. Die Kosten dafür liegen bei 553 000 Euro. Das Geld kann die kleine Kirchengemeinde Gartz nicht allein aufbringen. Sie hat sich um EU-Fördermittel beworben, hat aber in einer frühen Entscheidungsrunde im Landkreis keine Befürworter gefunden.

"Damit steht der größte Fördermittelgeber für uns nicht zur Verfügung", bedauert Hilmar Warnkross. "Wir hoffen jetzt auf Zusagen aus anderen Förderanträgen, die wir gestellt haben."

Zurzeit versperrt ein Zaun den Zutritt zum Turm. Hilmar Warnkross warnt fast ständig Besucher des Innenhofes: "Treten Sie nicht zu dicht heran." Steine fallen herunter. Bei starkem Wind lösen sich Ziegel und landen auf der Grünfläche. Sie sind vor 30 Jahren bei einer Sanierung fehlerhaft verlegt worden. Der Freiwilligen Feuerwehr gelingt es immer gerade noch so, Notreparaturen mit der großen Drehleiter zu machen.

Eine Dauerlösung ist das nicht. Zumal auch das Kupferdach des Turmes undicht ist. Regen kommt durch und das hölzerne Dachtragwerk des Turmes fault. Ein Architektenbüro aus Greifswald hat die Schäden dokumentiert. Auf den Fotos sind die Fäulnisschäden als große schwarze Stellen erkennbar.

Martin Gorholt war jahrelang Kulturstaatssekretär und kennt sich mit Kirchensanierungen aus. Die Stephanskirche Gartz kannte er bisher noch nicht. Etwas kompliziert sind die Zuständigkeiten: Gartz gehört zu Brandenburg, die Kirche zur Nordkirche, die sich über die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein erstreckt.

Martin Gorholt sieht auf den ersten Blick das Besondere der Stephanskirche, ihre schiere Größe und den Hof, der eigentlich das Kirchenschiff war. Der Hof ist durch einen Großbrand im Zweiten Weltkrieg entstanden. "Hier herrscht eine exzellente Akustik", stellt Hilmar Warnkross fest, und seine Worte klingen über den Hof. Aber er kann wegen der Gefahr, die vom Turm ausgeht, nicht genutzt werden. Keine Sommerkonzerte, keine Turmbesteigungen zur Kranichwoche, kein Weihnachtsmarkt für Familien.

"Mal sehen, ob man sich mit der Nordkirche verständigen kann. Ich sehe Potenzial für die Brandenburgischen Sommerkonzerte. Die suchen immer neue Konzertorte, an denen Musik und kulinarische Angebote zusammengeführt werden. Hier hätte man sogar eine Schlechtwettervariante", sagt Martin Gorholt. Er hat die Stephanskirche jetzt "auf dem Kieker". Nichts anderes wollte Burkhard Fleischmann erreichen.

Märkische Onlinezeitung vom 03. August 2017

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