Bärbel Kraemer

Glocken-Geläut in Vollendung

Mörz (MZV) Martin Luthers Kirchenlied "Eine feste Burg ist unser Gott" ist zum Begleiter der neuen Mörzer Kirchenglocke geworden. Direkt vor dem Guss derselben Mitte Juni in Lauchhammer wurde es durch die Gemeinde angestimmt. Bei der Ankunft der Glocke im Dorf vor knapp zwei Wochen von der Bläsergruppe gespielt und am Sonntag zur Weihe derselben, abermals gesungen. Mehr noch, Luthers Kirchenlied wird die 307 Kilogramm schwere bronzene Schönheit auch durch die Jahrhunderte tragen. Die Liedzeile schmückt, wie die Lutherrose, ihren Körper.

Fritz Thiele betrat im Anschluss an den Festgottesdienst den Glockenturm und läutete die neue Glocke. Der 74-Jährige gesteht, anfangs gegen den Glockenguss gewesen zu sein.
© MZV

Am Sonntag wurde die neue Glocke in der Kirche zu Mörz mit einem Festgottesdienst offiziell in Dienst gestellt.

Pfarrer Jörg Frenzel erinnerte in der Predigt an den weiten Weg, der vom Wunsch nach der Vervollkommnung des Geläuts im Kirchturm bis zur Verwirklichung der Vision zu beschreiten war. Vor drei Jahren fasste der Gemeindekirchenrat den entsprechenden Entschluss.

Dann berichtet er von der Mörzer Marienglocke, die 1496 gegossen, 1917 zu Kriegszwecken abgeliefert werden musste. Diese Glocke, die nur als Schulglocke geläutet wurde, hinterließ im Glockenturm das leere Stuhlfeld, in das jetzt die neue Reformationsglocke eingezogen ist. "Die Spendenaktion für den Glockenguss übertraf alles bisher da gewesene", so der Pfarrer weiter.

Im Anschluss an die Festpredigt bittet Frenzel den 74-Jährigen Fritz Thiele die neue Glocke zu läuten. Die Menschen in den Kirchenbänken lauschen ihrem sich Bahn brechendem warmen Klang. Sehen einander an, freuen sich. Als der Festgottesdienst zu Ende ist, erklingt erstmals das lang ersehnte vollständige Dreiergeläut vom Turm.

Später, nach Kaffee und Kuchen im Pfarrgarten, besteht die Gelegenheit, den vier Glocken im Kirchturm einen Besuch abzustatten. Kaum einer lässt sich die Gelegenheit entgehen. Über steile Treppen geht es hinauf - dem kostbaren Glockengut der Mörzer Kirche entgegen.

Zwischen den beiden spätmittelalterlichen Glocken hängt die aus dem 12. Jahrhundert stammende kleinste und zugleich älteste Glocke der Mark Brandenburg. Direkt neben ihr die neue Reformationsglocke, die im Juni in Lauchhammer gegossen wurde. "Die kleine Glocke wird nur per Hand geläutet", erklärt Fritz Thiele und ergänzt: "Die drei anderen über die elektrische Läuteanlage". Er gesteht, anfangs gegen den Glockenguss gewesen zu sein - weil im Turm ja eigentlich drei Glocken vorhanden waren. Jetzt, nach vollbrachtem Werk, ist auch bei ihm die Freude über das wieder vollständige Geläut groß.

Als sich der Nachmittag dem Ende nähert, hat Pfarrer Jörg Frenzel eine weitere Überraschung für die Gemeinde parat. Mit einem kleinen Film zeigt er, wie die 307 Kilogramm schwere Glocke in der vergangenen Woche in den Turm gezogen und dort installiert wurde. Wer sie auf ihrem Weg vom Guss bis zur Weihe begleitet hat, ist Teil eines einmaligen Ereignisses geworden.

Märkische Onlinezeitung vom 01. August 2017

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