Barenthin

Kirchenschiff wird auf Vordermann gebracht

Die Barenthiner Dorfkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Während der Turm bereits vor 20 Jahren neu gedeckt wurde, musste das Kirchenschiff noch auf die Sanierung warten. Nun ist es so weit und Handwerkerscharen machen sich ans Werk. Doch bevor es so weit ist, berichtet Pfarrer Utpatel aus der spannenden Geschichte des Gotteshauses.

Blick auf die Barenthiner Kirche aus Nordosten. Das Kirchenschiff wird saniert und bekommt in diesem Zuge neue Dachsteine.
Quelle: André Reichel
 
Dieser Anbau aus dem 19. Jahrhundert ist dringend sanierungsbedürftig.
Quelle: André Reichel
 
Die Spitze der Wetterfahne auf dem Kirchturm ist genau 29 Meter hoch.
Quelle: André Reichel

Barenthin. Mit fast 30 Metern Höhe ist die Dorfkirche von Barenthin eine weithin sichtbare Landmarke, an der man sich auch in der modernen Zeit durchaus orientieren kann. Im Dorf angekommen, entdeckt der Durchreisende das Gotteshaus mitunter aber erst auf den zweiten Blick, denn es steht nach hinten gerückt in der zweiten Reihe und zum Anderen ragen zwischen Kirche und Dorfstraße zwei mächtige Eichen hoch auf, die das Kriegerdenkmal zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen Barenthiner flankieren.

Das Areal rund um das Gotteshaus ist allgemeinhin ein idyllischer Ort. Doch damit dürfte es bald schon vorbei sein, denn in gut zwei Wochen rücken Handwerker an und stellen an der Kirche ein Baugerüst auf. Dies wird der Auftakt für eine schon lange geplante Sanierung des Kirchenschiffes sein. Den Plan für die Sanierung wurde vom Gemeindekirchenrat im Jahr 2009 erstellt und bereits zwei Jahre später, nachdem man genau wusste, was an Arbeiten ins Haus stehen wird, gab es ein vollständiges Sanierungskonzept.

Das Barenthiner Gotteshaus stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist etwa 650 Jahre alt. Der Turm und das Schiff scheinen gleichzeitig errichtet zu sein. „Das ist längst nicht bei allen Kirchen der Fall“, berichtet Henning Utpatel, der als Pfarrer unter anderen für Barenthin zuständig ist. Dennoch gibt es keine einzige Verbindungstür zwischen dem Turm mit seinen 2,4 Meter dicken Mauern und dem Kirchenschiff.

Bei näherer Betrachtung fallen kleine Ziegelbruchstücke auf, die überall in den Fugen des Feldsteinmauerwerkes stecken. Das war dem damaligen Zeitgeist geschuldet – die Splitter stellen Zierelemente dar. Selbstverständlich wurde auch der Dachstuhl des Schiffes in Augenschein genommen. So entnahm Gordon Thalmann von der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises Prignitz Proben des dort verbauten Holzes. „Der älteste Balken stammt von einer Eiche, die im Jahr 1507 gefällt wurde“, berichtet Pfarrer Henning Utpatel. Dies beweist jedoch, dass es zuvor schon einen anderen, womöglich flacheren Dachstuhl gegeben haben muss, denn die Kirche ist ja rund 150 Jahre älter.

Besonders froh ist Pfarrer Utpatel darüber, dass bei der Voruntersuchung am Gebälk des Schiffes keine nennenswerten Schäden entdeckt wurden. „Möglicherweise müssen aber ein paar Balkenköpfe ausgetauscht werden. Sobald das Gerüst steht, machen sich die Arbeiter daran, die Betondachsteine aus den 1970er Jahren zu entfernen. Dann machen sich die Zimmerleute und Dachdecker ans Werk. „Wenn erst einmal die Biberschwänze auf dem Dach sind, sieht die Kirche wieder toll aus“, sagt Henning Utpatel.

Zeitgleich werden alle Türen und Fenster der Kirche ausgebaut und in einer Fachfirma restauriert. Diese stammen aus dem 19. Jahrhundert, als dort einige bauliche Veränderungen vorgenommen wurden. In der Zeit wurden die schmalen mittelalterlichen Fensteröffnungen vergrößert, um mehr Licht in die Kirche zu bekommen. Außerdem wurde an der Nordseite ein kleiner Anbau für eine Treppe errichtet, die zur Empore führt. Dieser Anbau muss dringend saniert werden. Bis Jahresende sind die Sanierungsarbeiten abgeschlossen, hofft Utpatel. Die Kosten belaufen sich auf rund 175 000 Euro. 75 Prozent davon sind Leader-Mittel gefördert.

Von André Reichel

Märkische Allgemeine vom 01. August 2017

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