Marwitz

250 Jahre Dorfkirche

Vor 250 Jahren im Jahr 1767 wurde die heutige Dorfkirche geweiht. Errichtet wurde sie auf den Resten eines spätmittelalterlichen Vorgängerbaus. Felssteinreste unter dem Putz des Kirchturmes zeugen von der Vergangenheit. Am Sonntag wurde mit Festgottesdienst, Gemeindefest und Chorkonzert dem Jubiläum gedacht.

Der Ökumenische Chor Velten sang das „Requiem“ von Gabriel Fauré in der Urfassung für Chor und Orgelbegleitung. Weitere Aufführungen sind geplant.

Marwitz. Die wohl weiteste Anreise zum Gemeindefest nach Marwitz, anlässlich des 250. Kirchweihjubiläums der Mariwtzer Dorfkirche, hatte am Sonntag vermutlich Eckart Schaade. Von 1943 bis 1951 lebte der Hamburger Pastor als Sohn des damaligen Pfarrers in Marwitz, wuchs im Pfarrhaus gegenüber des Kirchberges auf. Seine älteren Schwestern heirateten in dem Gotteshaus mit dem weit sichtbaren markanten Turm. Seine jüngere Schwester wurde in Marwitz getauft, erinnert sich Schaade, der stets einen engen Kontakt zur Marwitzer Kirche und zur Gemeinde gehalten hat. „Ich habe in Marwitz meine Kindheit verbracht. Es war immer der Ort meiner Sehnsucht“, verrät der 75-Jährige.

1767 wurde die heutige Steinkirche auf dem Marwitzer Anger als Barockbau auf Fundamenten aus dem Spätmittelalter errichtet. Im Turm verbergen sich noch die Felssteinmauern des Vorgängerbaus. Im 12. Jahrhundert soll eine Kirche aus Holz an selber Stelle gestanden haben. In der Mitte des Dorfes, ist in der Marwitzer Chronik nachzulesen. So soll die Dorfkirche mit ihrem hohen Rundbogenfenstern, dem Kanzelaltar, an dem die Dorfbewohner einst das prächtigere Schnitzwerk des Vorgängeraltars befestigten, und der geschwungenen Hufeisenempore eine der schönsten barocken Dorfkirchen Brandenburgs sein, berichtete Pfarrer Markus Schütte in seiner Predigt im Festgottesdienst. Kirchen seien Orte, die aus der grauen Gewöhnlichkeit herausragen würden, so der Pfarrer. Trotzdem stellte er die Frage in den Raum, ob christlicher Glaube überhaupt Kirchen brauche? Er beantwortete die Frage selbst: „Gott ist allegegenwärtig, immer und überall. Er braucht eine solche Stätte nicht. Aber der Mensch braucht sie.“ In Kirchen könne der Mensch den Alltag außen vor lassen und einen Hauch vom himmlischen Glanz spüren, so Schütte. Zudem böten die dicken Mauern der Kirche Schutz und Sicherheit. So sei eine Kirche ein wichtiger Ort für das Dorf. Für Christen und Nichtchristen. „Es ist ein erhaltenswerter Kunstschatz und Raum gelebten Glaubens. Mir sind alte Kirchen lieber, als neue, sie erzählen mehr Geschichte“, versicherte der Pfarrer.

Doch alte Kirchen haben oft Renovierungsbedarf. So auch die Marwitzer Kirche, bei der dringender Sanierungsbedarf besteht. Dach und Gestühl müssen erneuert werden. Kostenpunkt mindestens 310000 Euro. Geld, das die Gemeinde nicht hat. So war auch die Kollekte des Festgottesdienstes für die Sanierung bestimmt. Unter den Besuchern zum Kirchweihjubiläum war auch der neue Marwitzer Ortsvorsteher Thomas Nocke, der zusagte, die „Sanierung der Kirche zu begleiten mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen“. So sollen im Haushalt 2018 für die Sanierung 15000 Euro eingestellt werden. „Ich freue mich immer, wenn ich nach Hause komme und die schöne Kirche sehe“, gab Nocke zu.

Auch die Lütkemüller-Orgel aus dem 19. Jahrhundert ist wertvoll, weist eine nur noch in Marwitz zu findende Spieltischtechnik auf. Orgelfachleute kämen von überall, um auf dieser einmanualigen Orgel spielen zu können, berichtete Kantorin Sylvia Ohse in der Einleitung zum Festkonzert, in dem der Ökumenische Chor Velten eindrucksvoll das Fauré-Requiem darbot.

Von Ulrike Gawande

Märkische Allgemeine vom 11. Juli 2017

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