Daniela Windolff

Spenden für marode Wagnerorgel gesucht

Angermünde (MOZ) Der historischen Wagnerorgel in der Ma-rienkirche geht es schlecht. Die riesigen Orgelpfeifen drohen früher oder später abzustürzen. Auch das Gehäuse braucht dringend neue Farbe. Jetzt sollen ein Freundeskreis gegründet und Spenden gesammelt werden. Der Grundstock ist gelegt.

Kantor Rainer Rafalsky (M.) zeigt Siegfried Soldan und Lutz Kirsten von den Angermünder Stadtsängern, wie sich die mächtigen Pfeifen der Wagnerorgel über Jahre hinweg verzogen haben, sodass sie irgendwann abknicken.
© MOZ/Daniela Windolf

Mit einem Bündel Geldscheine besuchten Siegfried Soldan und Lutz Kirsten den Angermünder Kantor Rainer Rafalsky in der Marienkirche. Der Chorleiter der Angermünder Stadtsänger und sein langjähriger Mitstreiter überbrachten eine Spende, welche die rund 200 Besucher des großen Chorkonzertes mit vier Chören aus Angermünde, Mürow und Schmargendorf zum Angermünder Stadtfest geleistet hatten. Es war ein Benefizkonzert zugunsten der Wagnerorgel in der Marienkirche.

Stolze 1000 Euro kamen da zusammen. Das Geld ist der Grundstock für die Restaurierung des wertvollen Instrumentes aus der Barockzeit. Und die ist dringend notwendig, erklärt Rainer Rafalsky. Die großen Orgelpfeifen rutschen immer weiter ab und drohen in den nächsten Jahren auszubrechen. Sie werden durch Kunststoffriemen provisorisch zusammengehalten. "Zu Kaiserzeiten hat man die Pfeifen ausgebaut, weil man das Zinn für Kanonen brauchte. Bei der ersten großen Restaurierung in den 1960er-Jahren wurden die Pfeifen ersetzt, allerdings mit einer minderwertigen Legierung aus Zinn und Blei, die viel schwerer ist. Dadurch verlieren die Röhren mit der Zeit ihre Statik und knicken unten am Fuß immer mehr weg, bis sie irgendwann ganz abbrechen", beschreibt Rainer Rafalsky die Situation.

Auch der mit Holzschutzmittel verseuchte Innenraum müsste gereinigt werden, das Gehäuse mit der reich verzierten barocken Fassade braucht neue Farbe. "In den vergangenen Jahren wurde die Orgel immer nur stückweise repariert und saniert. Jetzt ist eine Komplett-Restaurierung notwendig", sagt Kantor Rafalsky.

Er möchte jedoch die historisch einmalige Orgel nicht nur erhalten, sondern sie noch vielfältiger nutzen als bisher und sie wirksamer öffentlich präsentieren. "Man kann mit dieser Orgel so viel mehr machen, als die klassischen Orgelwerke darauf spielen - zum Beispiel Filmmusiken, Jazz, Musicals oder Volkslieder. Sie ist ein Wunderwerk", schwärmt Rafalsky.

Deshalb soll jetzt ein Freundeskreis für die Wagnerorgel gegründet werden, der sich künftig um Spenden, Stiftungsgelder für die Restaurierung, aber auch um kulturelle, musikalische Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Die ersten Interessenten um Rainer Rafalsky stehen schon in der Tür. Doch es werden weitere engagierte Mitstreiter gesucht. Und natürlich auch Spender. Für die gesamte Restaurierung werden nach erster ganz grober Schätzung rund eine halbe Million Euro benötigt. Allein die der Fassade kostet etwa 200 000 Euro. Rafalsky hofft auf Grund der besonderen kultur- und bauhistorischen Bedeutung der Angermünder Wagnerorgel auf Fördermittel. Dennoch muss die Kirche auch dafür mindestens zehn Prozent Eigenmittel aufbringen.

Die 1000 Euro aus dem Benefizkonzert der Chöre sind ein schöner Grundstock. "Wir hatten bei einem Konzert von Rainer Rafalsky erfahren, dass die Orgel restauriert werden muss und uns alle gemeinsam sofort geeinigt, dies mit einem Benefizkonzert zu unterstützen. Musik verbindet und die Orgel ist ein Kulturgut, das aus Angermünde nicht wegzudenken ist", erzählt Siegfried Soldan.

So hatten die Chöre auch schon für die Kirche in Flemsdorf und die Greiffenberger Mühle Benefizkonzerte gegeben.

Kantor Rafalsky möchte sich für die Spendenaktion demnächst bei den Chören mit einem ganz besonderen Orgelkonzert bedanken, zu dem er alle Sänger schon jetzt einlädt.

Märkische Onlinezeitung vom 07. Juli 2017

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