In Rosenhagen wird angepackt

Dorf baut sich seinen Kirchturm

Sieben Jahre kämpfte Rosenhagen für das Projekt, das mit Leader-Förderung und Unterstützung der Kirche nun Realität wird

Anne Petrick hat viel Herzblut und bestimmt genauso viel Zeit ins Projekt gesteckt. Darüber redet sie nicht, blickt stattdessen auf den Turmsockel, der inzwischen bereits frisch verfugt und standsicher ist.
Foto: Doris Ritzka
 
Die Kirchentür mit den Zeichnungen des künftigen Turmes führt auch in diesen bzw. noch in den Sockel.
Foto: Doris Ritzka

Auf dem Kirchenareal von Rosenhagen wird gebaut. Das Gotteshaus erhält wieder seinen Turm. Im März kam die Zusage über die 75-prozentige Förderung, kurz nach Ostern wurden die Gerüste aufgestellt, begann die Legder Firma Nickel und Weger GbR dem Sockelbereich wieder die notwendige Tragfähigkeit zu verleihen. Zuvor hatte die Gemeinde schon für eine Art Baufreiheit gesorgt, wurden die Turmrudimente von Wildwuchs befreit und Boden ausgehoben, berichtet Anne Petrick. Sie ist nicht nur eine der Kirchenältesten, sie hat auch maßgebend für das Projekt gekämpft und gemeinsam mit dem Architekten Jan Bodenstein vom Wittenberger Unternehmen Boarchitekt letztlich auch alles auf den Weg gebracht, damit ein jahrelanger Traum der Rosenhagener nun doch Wirklichkeit wird.

So recht dran geglaubt hatte mittlerweile niemand mehr. Seit sieben Jahren versuchten die Rosenhagener, einen Gemeinderaum zu bekommen. Wenn sie sich mal treffen wollen, Konzerte oder auch Theaterveranstaltungen stattfinden sollen, dann geht es bisher nur sommers. Denn die kleine Kirche ist nicht beheizbar und verfügt eben auch über keine Toilette. Doch alle Versuche, den Turm denkmalgerecht wieder zu errichten, scheiterten. Immer, wenn ein wenig Hoffnung keimte, türmten sich auch gleich wieder die Probleme. Anne Petrick wollte sich damit nicht abfinden, suchte nach Wegen, Verbündeten und schaffte es letztlich, alle, die zu entscheiden haben, ins Boot zu holen.

Im zweiten Anlauf klappte es dann auch mit der Förderfähigkeit für das Turmprojekt. Die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Storchenland Prignitz hat diese im Frühsommer vergangenen Jahres bestätigt. Und mit der Fördermittelzusage des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Neuruppin wird nun gebaut.

Zeitgleich liefen statische Berechnungen für das Gesamtprojekt, „die inzwischen auch geprüft sind“, ergänzt Jan Bodenstein. Die Ausschreibung für Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten können so erfolgen.

Auf dem Sockelgeschoss, das inzwischen neu verfugt wurde, wird dann eine Holzbalkendecke errichtet. Der gotische Ziergiebel mit den verputzten Blendnischen erhält einen Stahlrahmen, so dass die Blendnischen sichtbar bleiben – eine Forderung des Denkmalschutzes. Auf den Aufenthaltsraum, der hier entsteht, folgt der Glockenstuhl. Darauf wird dann der Turmkegel aufgebaut. Die Außenwände erhalten eine sogenannte Bodendeckelschalung aus Lärchenholz, der Turm selbst wird mit Schiefer eingedeckt.

Im nächsten Jahr soll alles fertig sein, Rosenhagen wieder einen Kirchturm und zugleich einen knapp 50 Quadratmeter großen Raum haben, wo dann Veranstaltungen, Ausstellungen und auch die Winterkirche stattfinden sollen.

Der Prignitzer vom 21. Juni 2017

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