Kloster Zinna

Klosterkirche feiert mit dem Bischof

Die letzten Gerüste stehen noch im Chorraum, doch daran stört sich die Kirchengemeinde von Kloster Zinna nicht. Nach fünf Jahren ist die Sanierung des Innenraums der ältesten Zisterzienserkirche des Landes beinahe abgeschlossen. Das wird am Sonntag mit einem Fest, samt Konzert, Führungen der Restauratoren und Besuch des Bischofs gefeiert.

Der Restaurator Ulrich Schneider ist einer von vielen, die an der Innenraumsanierung mitgewirkt haben. Er hat das Farbkonzept erarbeitet.
Quelle: Peter Degener
 
Der farbige Chor vor der Restaurierung – die Farbschichten lösten sich großflächig ab.
Quelle: Peter Degener
 
Schon vor dem Eröffnungsfest ruft die Klosterkirche großes Interesse bei Denkmalpflegern und Restauratoren hervor.
Quelle: Peter Degener

Kloster Zinna. Der Altar der Kirche von Kloster Zinna ist noch eingerüstet, doch das lang geplante Fest zum Abschluss der Arbeiten soll fünf Jahre nach Beginn der Innensanierung trotzdem am kommenden Sonntag stattfinden – der evangelische Landesbischof Markus Dröge hat sich angesagt, um die Predigt zu halten, die Gemeinde will ein Fest feiern und die Restauratoren wollen den Besuchern des mittelalterlichen Feldsteinbaus ihre Arbeit erklären (siehe Infokasten).

Was macht da schon ein Baugerüst aus, wenn seit den ersten Planungen bereits dreizehn Jahre vergangen sind und das ganze Gebäude 800 Jahre alt ist?

Statt einer alten Farbgebung erhielt die Kirche eine neue Farbfassung

„Es ist die älteste komplett erhaltene Zisterzienserkirche in Brandenburg. Ein bescheidener Bau, bei dem die Mönche mit perfekt bearbeiteten Feldsteinen ihr Können bewiesen haben“, sagt Denkmalpfleger Marcus Cante, der sich dem Projekt viele Jahre gewidmet hat. Im Innenraum ist davon durch Putzschichten und Farbfassungen aus 500 Jahren weniger zu merken als an den Außenmauern.

Deshalb mussten Gemeinde und Denkmalpfleger sich entscheiden: den Putz aus Renaissance und späteren Epochen herunterhauen, damit der Granit wieder sichtbar wird, oder eine neue Farbfassung erfinden, die mit den bunten Chorbildern aus der Zeit um das Jahr 1900 harmoniert?

„Milde Buntheit“ gegenüber dem farbenprächtigen Chor

Man entschied sich für den seltenen Fall einer Neufassung. Der Restaurator Ulrich Schneider gewann mit einem zurückhaltenden Konzept den Wettbewerb. Grüne und blaue Linien nehmen die farbigen Chorflächen auf, doch schlichtes Weiß und Grau sowie mit rot abgesetzte Steinquader dominieren die romanische Halle.

Eine „milde Buntheit“ nennt Schneider diesen Kompromiss zwischen mönchischer Bescheidenheit und der reichen Wirkung des Chores.

„Meine Sichtweise hat sich geändert“

Ingrid Rosenzweig hat schon vor haben über Jahre Kaffee gekocht und Kuchen gebacken für die Anschubfinanzierung, nachdem wir 1996 die Orgel geschafft hatten“, erzählt die Klosteranerin.

Sie hatte sich damals gewünscht, dass die Räume wie die nördliche Kapelle, wo Farbe und Putz sich lösten, einfach erneuert würden. „Doch meine Sichtweise hat sich geändert. Ich bewundere das Wissen der Denkmalpfleger und die Gelassenheit der Restauratoren, die die Oberfläche Punkt für Punkt gefestigt haben, und bin heute stolz, dass vieles wieder im Originalzustand ist“, sagt Rosenzweig

Über eine Million Euro wurden investiert

Fünf Bauabschnitte und mehr als eine Million Euro an Restaurierungskosten liegen seit Baubeginn 2012 hinter den Beteiligten. Vor allem Bund und Land haben den Bau gefördert, nachdem die Kirche 2012 zum „Kulturerbe von nationaler Bedeutung“ erklärt worden war. Selbst nachdem der Altar demnächst von den letzten Gerüsten innerhalb der Kirche befreit sein wird, ist die Sanierung noch immer nicht vorbei.

„Ich hoffe, dass es bald einen sechsten Bauabschnitt gibt“, sagt Pfarrerin Ramona Rohnstock. Denn durch eine gefährliche Neigung des kleinen Dachreiters schweigen seit einem Jahr die Glocken der Kirche. Doch es ist wie beim Gerüst um den Altar – von so etwas lässt sich die Gemeinde nicht vom Dank für das Erreichte abhalten.



Das Festprogramm am Sonntag in Kloster Zinna

Mit einem Festgottesdienst und einem hochkarätigen Konzert wird die Kirche St. Marien in Kloster Zinna am kommenden Sonntag nach fünfjähriger Innensanierung wieder eingeweiht.
Der Berliner Landesbischof Markus Dröge wird aus diesem Anlass um 14 Uhr die Predigt halten. Das Samuel-Scheidt-Ensemble unter Leitung von Kreiskantor Peter-Michael Seifried begleitet den Gottesdienst.
Die Gemeinde feiert anschließend rund um die Klosterkirche mit Kaffeetafel und Kinderprogramm.
Die Restauratoren führen von 16 Uhr an durch die Kirche und erläutern ihre Arbeiten und Entdeckungen. Dann werden auch selten geöffnete Räume wie die Sakristei zugänglich sein.
Den Abschluss bildet um 18 Uhr das Konzert des renommierten Berliner Barock-Ensembles „Lautten Compagney“ und der Leipziger Vokal-Gruppe „Calmus“. Hierfür sind noch Karten (ab 15 Euro) in der Jüterboger Touristeninformation und an der Abendkasse erhältlich.


Von Peter Degener

Märkische Allgemeine vom 20. Juni 2017

   Zur Artikelübersicht