Eva-Martina Weyer

Jubiläum für gerettete Kirche

Rosow (MOZ) Rosow (MOZ) Die Dorfkirche von Rosow war einst stark zerstört. Als Gedächtniskirche feiert sie ihre Auferstehung. Seit zehn Jahren erinnert das Gebäude Einwohner und Touristen an Krieg, Flucht und Vertreibung. Mit einem Festgottesdienst wird jetzt das zehnjährige Jubiläum begangen.

© MOZ

Für die Einwohner gehört die Kirche zum Dorf. Gottesdienste und Konzerte finden dort statt. Fahrradfahrer, die in Rosow Station machen, sind ganz entzückt von dem Kirchlein mit dem markanten Turm aus Stahlgerüst und den geschichtlichen Fakten, die quasi neben dem Altar vermittelt werden.

Der Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert ist zu einem Ort der deutschen und polnischen Versöhnung geworden. Das ist ein Verdienst des Fördervereins Gedächtniskirche Rosow. Mitglieder sind Dorfbewohner, deren Leben mit den Themen Flucht und Vertreibung eng verwoben ist. Sie haben 2002 den Verein mit dem Ziel gegründet, die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche zu retten.

Rosow liegt nur ein paar Kilometer von der polnischen Hafenstadt Stettin entfernt. Beide Orte waren vom Krieg gezeichnet. Flüchtlinge sind dort gestrandet. In Rosow und in anderen deutschen Orten längs der Oder haben Flüchtlinge und Vertriebene ein neues Zuhause gefunden. Gleichzeitig wurden auf der polnischen Seite der Oder Umsiedler aus dem ehemaligen Ostpolen ansässig.

"Aus dieser gemeinsamen Geschichte entwickelte sich die Idee, diesen Menschen eine Ausstellung zu widmen", blickt Ortsvorsteher Karl Lau auf die Zeit der Vereinsgründung zurück. Er selbst ist nicht nur Ortsvorsteher von Rosow, sondern auch Vorsitzender des Vereins zur Rettung der Kirche und zum Aufbau einer Ausstellung.

Diese Ausstellung macht mit Fotografien und persönlichen Erzählungen das Schicksal der Flüchtlinge und Vertriebenen nachvollziehbar. Sie haben die letzten Kriegstage als junge Menschen durchgestanden. Manche von ihnen haben sich ein neues Leben in den Dörfern des Amtes Gartz aufgebaut und wohnen noch heute dort.

Seit 2007 laden Kirche und Ausstellung zur Rückbesinnung ein. Der Verein pflegt die Ausstellung. "Das ist zehn Jahre Arbeit", sagt Karl Lau, der noch immer Vereinsvorsitzender ist.

Das Jubiläum der Kirche wird an diesem Sonntag mit einem Festgottesdienst begangen. Die Predigt hält Bischof Hans-Jürgen Abromeit aus Greifswald. Er würdigt das Bestehen der Kirche als Ort für Gottesdienste und als deutsch-polnische Gedenkstätte für Neuanfang nach dem Krieg. Nach dem Gottesdienst findet ein Konzert mit deutschen und polnischen Musikern statt.

Festgottesdienst in der Dorfkirche Rosow, 11. Juni, 14 Uhr.

Märkische Onlinezeitung vom 10. Juni 2017

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